13. Februar 2009

Eine stille Entscheidung

Vor lauter Begeisterung hatte es dem Gemeinderat die Sprache verschlagen – bei manchen war’s der bloße Schreck. Die CDU schimpfte noch etwas, einige lehnten das Projekt ab. Die LUBU sprach sich für einen Kunstbegriff aus, der nicht nach Stammtischen schiele. Ansonsten blieb es still.
Im Kontrast dazu erwarten alle „spannende“ Diskussionen um die Skulpturen, die ab Mai quer durch die Stadt aufgestellt werden (wir haben sie vorgestellt). Und da wären wir schon beim ersten Punkt. So mancher, der an mehr oder weniger schöne figürliche Kunst gedacht hat, sah sich eines Besseren belehrt. Installationen, Konstruktionen, Lichteffekte und Videos sind heute eben auch Kunst.
Schon jetzt äußern Ludwigsburger ihren Ärger über die dickbauchige Litfass-Säule, auch so mancher Stadtrat hätte lieber die güldene „Krone“ in den Straßen gesehen und dafür auf die Holzkonstruktion um den Brunnen am Marktplatz verzichtet, das einem Baugerüst gleiche. Die Herzog-Figur sei doch erst vor fünf Jahren saniert worden, würden dann die Leute sagen.
Andererseits: Die Werke laden dazu ein, sich mit dem Ort auseinanderzusetzen. So etwa die Videoarbeit am Arsenalplatz, bei der jeder darüber nachdenken kann, ob es im Krieg überhaupt einen Sieger gibt oder ob nicht eher alle verloren haben.
Es war sicher richtig, Kunstexperten zu Rate zu ziehen. Ansonsten hätte man sich nur auf Gefälliges verständigt –und manches ist eben doch arg vordergründig. Nicht alles in Ludwigsburg muss Krone, Märchen, Barock sein.
Dennoch sind die Kommunalpolitiker nach wie vor nicht einig darin, wie sie beteiligt werden und ob sie nicht, ähnlich wie bei einem Architektenwettbewerb, mehr Mitspracherechte haben sollten.
Diese haben sie sicherlich dann, wenn es um einen Ankauf eines Werkes geht. Schließlich will man langfristig einen Skulpturenweg aufbauen. Doch welches Werk will man auf Dauer haben?
Ein halbes Jahr haben die Ludwigsburger Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.
Hans-Peter Jans
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