LUDWIGSBURG | 04. Dezember 2010

Empanadas als Seelen-Balsam

Tango ist getanzte Leidenschaft. Keine andere Farbe symbolisiert dies mehr als Rot. Diese Farbe gibt deshalb am Stand von Yafa Josephides auf dem Weihnachtsmarkt den Ton an. Die blauen Augen der 47-Jährigen strahlen, als sie von Argentinien erzählt, dem Heimatland des Tangos.

Bild: Ramona Theiss


Sie hat dort jedoch eine andere Leidenschaft entdeckt: die für die traditionelle Herstellung von Empanadas. Die mit Fleisch, Thunfisch oder Gemüse gefüllten Teigtaschen, die aus der Hand gegessen werden, sind nicht nur bei Tangotänzern beliebt. Sie werden in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires an vielen Straßenständen angeboten. Wirklich gut sind sie nur, wenn sie von Hand gefertigt sind.
Die 47-Jährige spricht hebräisch, griechisch, englisch und „etwas deutsch“, wie sie erzählt. Auf ihren Reisen hat sie unzählige Länder kennengelernt. Doch weniger die Landschaften haben es ihr angetan als vielmehr die jeweilige Landesküche. Yafa Josephides bummelt gerne über Märkte, probiert Gewürze aus und fragt nach Kochrezepten. „Essen ist Balsam für die Seele“, lautet ihr Motto. In den Gerichten, die sie anbietet, spiegeln sich ihre Lebensstationen: Falafel mit frittierten Kichererbsen-Bällchen aus dem Nahen Osten, mediterrane Gerichte und Empanadas in allen Variationen.
Geboren wurde die Weltenbummlerin in der israelischen Hafenstadt Haifa. Ihr Vater, ein Jude, hatte den Holocaust überlebt und war nach dem Zweiten Weltkrieg nach Israel emigriert. Ihre Mutter, ebenfalls eine Jüdin, stammt aus dem Irak. Nach dem Abitur und dem Militärdienst lernte Yafa Josephides ihren Ehemann, einen Zyprioten und Seekapitän, kennen. Ihn begleitete sie auf seinen Schiffreisen und besuchte mit ihm alle Kontinente. „Ich entdeckte meine Leidenschaft fürs Kochen“, erinnert sich Yafa Josephides. Diese blieb, auch als die Ehe endete, sie auf Zypern sesshaft wurde und dort einen Coffee-Shop eröffnete. Zwei Jahrzehnte lebte sie auf der Insel.
Im Jahr 2007 lernte sie dort Vera Lemperz und Leonardo Anastastades kennen. Die beiden sind Inhaber der Tangoschule Ocho in Stuttgart, und Zypern war Ziel einer Tangoreise. Die Freundschaft zu Vera Lemperz führte Yafa Josephides schließlich nach Stuttgart. Hier lebt sie seit 2007.
Dass sie sich bei ihrer Reise nach Argentinien vor allem der Zubereitung der Empanadas widmete, brachte ihr damals Spott ein. „Dafür bist Du so weit gereist?“, fragten sie Freunde und Bekannte. Doch deren Skepsis ist verflogen, denn die Empanadas schmecken auch den Schwaben – unabhängig davon, ob sie Tango tanzen oder nicht. Die Zahl der Teigtaschen, die die Köchin täglich zubereiten kann, ist allerdings begrenzt. Denn frisch schmeckt die südamerikanische Spezialität am besten.
Wo sie sich zu Hause fühlt? Diese Frage beantwortet die gebürtige Israelin mit griechischem Pass auf Englisch: Sie fühle sich „like a gypsi“, wie ein Vagabund. Ihre festen Größen seien ihre Mutter in Israel und ihre Tochter auf Zypern. Doch wenn diese demnächst in England studiert, wer weiß. Yafa Josephides lächelt. Vielleicht kommen dann auch Engländer auf den Geschmack von Empanadas und Falafel.

Marion Blum
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