Ludwigsburg | 01. Dezember 2016

Für und Wider einer zentralen Grundschule

Der Informationsreigen zum Bürgerentscheid in Sachen Grundschulen in Freiberg ging am Dienstagabend mit einer Podiumsdiskussion in die nächste Runde. Dabei machten nicht nur Bürgermeister Dirk Schaible, sondern auch Sprecher der Gemeinderatsfraktionen und Vertreter der Bürgerinitiative ihre Standpunkte deutlich.

Das Bild zeigt die Visualisierung von drei möglichen Schulgebäuden und einer Sporthalle im Kasteneck-Park, wie sie sich das Architektenbüro Steinhoff/ Haehnel vorstellt.Foto: Werner Kuhnle/Visualisierung: Steinhoff/Haehnel Architekten
Das Bild zeigt die Visualisierung von drei möglichen Schulgebäuden und einer Sporthalle im Kasteneck-Park, wie sie sich das Architektenbüro Steinhoff/ Haehnel vorstellt.Foto: Werner Kuhnle/Visualisierung: Steinhoff/Haehnel Architekten
Podiumsdiskussion zum Thema Grundschulen in Freiberg. Außer Bürgermeister Dirk Schaible (rechts) sprachen (von links): Mario Wildermuth, Willi Zimmer, Sabine Geißer, Richard Kapfenstein, Thomas Baum, Ralph Schmid, Evelyn Kieser und Albert Exler. Foto: Oliver Bürkle
Podiumsdiskussion zum Thema Grundschulen in Freiberg. Außer Bürgermeister Dirk Schaible (rechts) sprachen (von links): Mario Wildermuth, Willi Zimmer, Sabine Geißer, Richard Kapfenstein, Thomas Baum, Ralph Schmid, Evelyn Kieser und Albert Exler. Foto: Oliver Bürkle

Sanierung und Erhalt der drei Grundschulen oder Neubau einer zentralen Grundschule? Die Frage, die am 18. Dezember von den Freibergern per Bürgerentscheid beantwortet werden soll, schürt Emotionen. Kein Wunder, dass Moderator Dr. Theo Rombach zu einem fairen Umgang miteinander aufrief: „Wir behandeln uns mit Respekt“, sagte er.

 

Bürgermeister Dirk Schaible wies darauf hin, dass die Sanierung der drei Grundschulen in den Stadtteilen Beihingen, Geisingen und Heutingsheim insgesamt erst 2032 abgeschlossen sei. Mit 28,6 Millionen Euro sei diese Variante zudem teurer als eine zentrale Grundschule, die 2022 fertig würde und 19,7 Millionen Euro koste. Bei einer Sanierung finde der Unterricht über Jahre hinweg in Containern statt, was Stress für die Kinder bedeute. Am Verkehr werde diese Lösung nicht scheitern. Pädagogisch biete eine große Grundschule mit großem Kollegium mehr Möglichkeiten für die Betreuung und eigne sich auch eher als Ganztagsschule.

 

Willi Zimmer (CDU) machte seinem Ärger über den Bürgerentscheid Luft. „Alle Stadträte wurden von den Bürgern gewählt, doch der Bürgerentscheid geht trotzdem über den Gemeinderatsbeschluss. Da können wir uns die Beratungen sparen“, schimpfte er. Ohne den Zusammenschluss der drei Ortsteile 1972 würde es heute kein Gymnasium, keine Realschule und keine Gemeinschaftsschule in der Stadt geben. Die zentrale Grundschule biete erneut eine Chance, die pädagogischen Anforderungen zu erfüllen. Die hohen Mehrkosten einer Sanierung seien den Steuerzahlern nicht zuzumuten.

 

Mario Wildermuth (FW) sprach sich ebenfalls für die zentrale Grundschule aus. Der Gemeinderat habe viele Faktoren abgewogen, was zu einem Wandel von emotionalem zu rationellem Denken geführt habe. Ein von der Bürgerinitiative in Umlauf gebrachter Flyer spiegele nicht den Wahrheitsgehalt wider und unterschlage Fakten. „Nein ist das beste Ja für die Kinder.“

 

Sabine Geißer (SPD) sieht in der Erhaltung der Grundschulen bessere Chancen für wohnortnahes Lernen, eine Entlastung für die Umwelt durch Vermeidung von Verkehr sowie einen besseren Bezug der Grundschüler zu den Klassenlehrern. Die Hanglage am Kasteneck mache dort einen Schulneubau teurer als geplant.

 

Richard Kapfenstein (ULF) zeigte sich sicher, dass auch drei Grundschulen nicht für weniger Verkehr sorgen. Der Neubau einer zentralen Schule biete die Möglichkeit, die Verkehrswege anzupassen. Die drei alten Schulgebäude seien sehr marode. „Da laufen uns die Kosten davon“, sprach sich Kapfenstein für einen Neubau aus.

 

Ralph Schmid (OGL) begrüßte den Bürgerentscheid als wichtiges Mittel in einer modernen Demokratie. Drei kleinere Grundschulen stünden für kurze Schulwege, seien kindgerechter und würden eine positive Lernatmosphäre bieten. Die neuen pädagogischen Anforderungen ließen sich auch an kleinen Schulen erfüllen. Mit einer zentralen Schule seien chaotische Verkehrsverhältnisse zu erwarten. Sie sei „ökologisch ein Desaster“. Ein für eine zentrale Schule erforderliches Bus- und Fußgängerkonzept würde ebenso zusätzliche Kosten verursachen wie ein damit einhergehender ökologischer Ausgleich.

 

Thomas Baum (FDP) lehnte die Erhaltung der drei Grundschulen ab, „weil dort die pädagogische Qualität schlechter wäre“. Nur eine zentrale Schule biete allen Schülern der Stadt gleiche Bildungschancen. Die Wahlmöglichkeit zwischen Halbtags- und Ganztagsunterricht sei nicht an allen drei Grundschulen realisierbar. Die Sanierung komme im Vergleich zu einem Neubau um einen zweistelligen Betrag teurer. Nur für einen Neubau gebe es Zuschüsse. Ein intelligentes Verkehrskonzept könne außerdem die Verkehrssituation im Bereich der Charlottenstraße verbessern.

 

Albert Exler und Harald Schöbrodt (Bürgerinitiative) befürchten mit einer zentralen Grundschule ein Verkehrschaos, wie es bereits in Bad Saulgau und Marbach rund um die Grundschulen existiere. Kleine Grundschulen stünden für Geborgenheit und kurze Wege. Bei den Berechnungen für eine neue Schule hätte die Stadt Kosten wie die für ein Bussystem und ein Verkehrskonzept nicht berücksichtigt. Container als Interimslösung während der Sanierung seien kein Problem, weil sie im Innern ansprechend seien. Es sei zudem nicht fair, die Lehrer zum Thema nicht zu hören. Kleine Klassen seien mit entscheidend für die Unterrichtsqualität, nicht die Gebäudegröße.

Frank Elsässer
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