FREIBERG | 18. Oktober 2008

Gemeinde investiert weiter in die Kinderbetreuung

Knapp fünfzig Prozent der Freiberger werden laut Hochrechnung des Statistischen Landesamtes bis 2025 älter als 50 Jahre sein. Das Programm für Senioren soll deshalb von fast allen Freiberger Einrichtungen weiter ausgebaut werden – meistens fehlen dafür allerdings die Ehrenamtlichen.

„Wenn in einem Wohngebiet ein Schild mit „Achtung spielende Kinder“ steht, dann zeigt das, wie sehr sich unsere Gesellschaft verändert“, meint Andreas Bührer, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde.
Und das sagen auch die Statistiker: So wird laut Statistischem Landesamt das Durchschnittsalter um genau vier Jahre ansteigen – auf 45,7 Jahre. Auch wird die Bevölkerungszahl um vier Prozent auf 15 120 Einwohner leicht abnehmen. Mit Änderungen wird also auch Freiberg zu kämpfen haben. „Ich blicke zuversichtlich in die Zukunft, auch wenn man ständig weiter am Ball bleiben muss“, betont Bürgermeister Dirk Schaible.
Als Schwierigkeit sieht Bührer, dass sich Probleme wie Altersarmut oder -einsamkeit vermutlich durch die steigende Zahl an Senioren ausweiten werden.
Um auf diese steigende Zahl an Senioren einzugehen, wurde erst im Sommer ein Anbau beim Kleeblattpflegeheim für betreute Wohnungen eingeweiht. „Wir haben reagiert“, ist sich Ute Kress, Fraktionsvorsitzende und zweite stellvertretende Bürgermeisterin, sicher. „Wir sind gut bei Pflegeplätzen, aber nicht bei barrierefreien Wohnungen“, meint hingegen SPD-Gemeinderat Peter Nowak. Man habe zwar den Vorstoß für die Errichtung solcher Wohnungen unternommen, aber „leider konnte der Bauträger nicht überzeugt werden“.
Beim Thema Nahverkehr sei man aber gut mit dem Bürgerbus aufgestellt, sagte Nowak. Dabei betreiben Ehrenamtliche einen Busverkehr, der sogar mit eigenen Haltestellen und Fahrplan ausgestattet ist. Dieser fährt dann auch Gebiete ab, die der normale Busverkehr nicht bedient. „Der wird gut genutzt und ist vor allem für Senioren eine große Erleichterung“, meint Kress.
Einmal monatlich wird außerdem ein Seniorennachmittag vom VdK- Ortsverband angeboten, dessen Vorsitzender Frieder Seiferheld ist. Seiner Meinung nach sollte es eine kleine, aber wichtige Veränderung geben: Der Kauf von barrierefreien Bussen im Kreis Ludwigsburg. „Bei Ausflügen müssen wir immer extra einen Bus aus Günzburg holen, um entsprechend ausgestattet zu sein“, sagte Seiferheld.
Mit dem Zwergenstüble besteht auch eine Einrichtung für junge Freiberger, die zwischen zwei und drei Jahren alt sind. „Das wird weiter ausgebaut“, ist sich Kress sicher. Der Meinung ist auch Bürgermeister Schaible: „In den nächsten Wochen wird ein weitergehendes Konzept auch für die Betreuung Ein- bis Zweijähriger erarbeitet werden.“
Weiter ausgebaut werden sollte nach Meinung Seiferhelds auch das Angebot für Ältere. „Allerdings fehlen dafür Freiwillige und das nötige Kapital“. Auch Wolfgang Holoch, Vorsitzender des Sport- und Gesangvereins, geht davon aus, in Zukunft das Angebot für Senioren weiter auszubauen.
Anderer Meinung ist da allerdings Schaible. „Wir haben bereits sehr viele Angebote für Senioren – jetzt müssen wir erstmal weiter in die Kinderbetreuung investieren.“ Zusätzlich stehe in Planung, für junge Familien in Zukunft eine Art Baukindergeld einzuführen, um ein Grundstück günstiger kaufen zu können. Konkrete Pläne bestehen aber laut Schaible noch nicht.
Auch nach Meinung von Werner Banzhaf, Vorstand des Kleeblatt-Fördervereins, müsse das Angebot in Freiberg nicht weiter ausgebaut werden. „In Freiberg sind wir mit Seniorenangeboten gut ausgestattet.“ Zufrieden ist er mit der Vernetzung der Vereine: „Die Zusammenarbeit klappt immer gut“, betonte Banzhaf.
Das Problem ist dabei allerdings, meint Nowak, dass die Zahl der Ehrenamtlichen immer mehr zurückgehe. Auch deshalb gab es vergangenes Jahr ein Gespräch mit den örtlichen Vereinen, den Kirchen und der SPD, um die Folgen des demografischen Wandels zu diskutieren. Allerdings ist er der Meinung, dass die Zahl der Kinder in Freiberg konstant bleiben wird: „Wir liegen an einem S-Bahn-Anschluss und eine gute Infrastruktur. Beste Voraussetzungen also, um für Familien attraktiv zu sein“, sagte SPD-Gemeinderat Nowak.

Ina Allenhöfer
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