18. April 2008

Griechin mit Vorliebe für Multikulti

Thalia Centineo hat einen Traum: Menschen aller Länder reden, singen, tanzen, lachen, essen miteinander. In Ludwigsburg. Möglichst oft im Jahr. Die Griechin fühlt sich einfach pudelwohl, wenn sie mit Menschen verschiedener Nationen gleichzeitig zusammen ist.

Bild: Michael Fuchs

Bemerkt hat Thalia Centineo diese Vorliebe für das Internationale, als sie vor über 20 Jahren Mitarbeiterin einer Textilfirma in Reutlingen wurde. Dort arbeiten Menschen aus sehr vielen Ländern. Mit denen ist die gelernte Dekorateurin ins Gespräch gekommen. In solcher Umgebung, bei solchen Gesprächen habe sie sich „wie eine Königin gefühlt“.
Kein gutes Gefühl hatte sie hingegen, als sie 1969, mit 20 Jahren, nach Deutschland ziehen musste, wo bereits ein Teil der Familie lebte. Von der Großstadt Athen Richtung Schwäbische Alb, nach Göppingen – das war ein Schock für sie.
In Athen hatte sie, wie das üblich war, schon als junges Mädchen in der Fabrik gearbeitet. Abends besuchte sie die Handels- und die Dekorationsschule.
Diesen Tagesrhythmus behielt sie bei, als sie von Göppingen nach Stuttgart zog. Sie belegte abendliche Berufskurse, vom Gewerkschaftsbund organisiert. Sie war ihm beigetreten, weil sie es „logisch gefunden hat, für Rechte zu kämpfen“.
Sie lernte ihren Mann kennen. Einen Italiener. Dem anfänglichen Schock im fremden Land folgte ein kontaktreiches Leben. Thalia Centineo begann, sich in Frauenforen und Hilfsprojekten zu engagieren, in Stuttgart, dann in Reutlingen, schließlich in Ludwigsburg, wo sie seit sieben Jahren wohnt. Sie war hier Vorsitzende des griechischen Frauenvereins und der griechischen Gemeinde, ist aktiv in der städtischen Seniorenarbeit.
Der Krebstot einer Freundin 1999 hat ein weiteres Interesse zutage befördert: Sie begann mit dem Schreiben. Mit den Erinnerungen an die Freundschaft habe sie angefangen, dann habe sie immer weiter geschrieben, „wie Wasser, das läuft“. Gedichte, Märchen, kleine Theaterstücke. Alles habe mit real Erlebtem zu tun. Zum Beispiel die Geschichte, die ihr ein Mädchen erzählte, die aber exemplarisch für viele stehe. Zur Zeit des großen Zustroms griechischer Gastarbeiter nach Deutschland seien viele Kinder, ja sogar Säuglinge von den Eltern allein in Griechenland zurückgelassen worden, bei Verwandten. Das sei im Grunde ein riesiges Drama, meint Centineo.
Sie hat schon manche weinen gesehen, die ihr davon erzählt haben. Centineo möchte etwas für die Bewältigung jener Zeit tun, indem sie diese zur Sprache bringt. Sie hat Lesungen in den hiesigen griechischen Schulen und Vereinen veranstaltet und an Kunst- und Theaterprojekten zur Förderung griechischer Kinder mitgewirkt. Griechische Zeitungen haben darüber berichtet.
Beim Stadtradio Athen ist sie seit Jahren regelmäßig Interviewpartnerin in einer weltweit übertragenen Livesendung. Sie ist Mitglied der Vereinigung Griechischer Schriftsteller Deutschlands und im Verein Literaten und Schriftsteller der fünf Kontinente.
Menschen aller Kontinente, die in Ludwigsburg leben, will Thalia Centineo zusammenbringen. Einen großen Raum dafür zu haben und viele, die mitmachen, „das ist mein Ziel und Traum“.

Astrid Killinger
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