05. Mai 2008

Hundedame stiehlt Star-Dirigenten bei Bedarf mühelos die Schau

In der Musikszene ist Michael Hofstetter, der agile und preisgekrönte Chefdirigent der Ludwigsburger Schlossfestspiele und des Stuttgarter Kammerorchesters, ein Star. Doch hat er den Taktstock erstmal beiseite gelegt, stielt ihm seine ebenso intelligente wie drollige „Hundi“ mit ihren Kulleraugen und den lustig hochgereckten Ohren mühelos die Show.


Das war so, als der SWR ein Vorabendfeature über die Schlossfestspiele just an einem Tag gedreht hat, als „Hundi“ ihr berühmtes Herrchen begleiten durfte. „Beim Ansehen haben wir dann festgestellt, der Film beschäftigt sich fast nur mit ihr“, erzählt Hofstetter.
Im schicken Salzburger Festspiel-Magazin durfte „Hundi“ schon mit Herrchen und vier weiteren jungen Dirigenten posieren – seither ist sie in der Mozartstadt bekannt wie ein bunter Hund.
Und auch das Team der Schlossfestspiele schwärmt von ihrem besonderen Charakter und ihren Späßen in den höchsten Tönen. „Man sieht sie an und fühlt sich wohl“, erklärt Hofstetter dieses Phänomen.
„Hundis“ Herkunft liegt allerdings im Dunkeln – sie ist ein Findelkind. Sicher ist: Ihr Leben begann alles andere als vielversprechend, wahrscheinlich im fernen Südafrika. Dort hat sie Hofstetters Freund vor über zehn Jahren gefunden – schon ausge- wachsen, aber bis auf die Knochen abgemagert, verwurmt und voller Zecken.
Doch anstatt lautstark zu jammern oder apathisch am Straßenrand zu kauern, spielte sie im Sonnenlicht mit herabgefallenen Blättern. Ein fast poetisches und in jedem Fall herzergreifendes Bild, das den jungen Mann ins Mark getroffen hat. Dieses besondere Wesen konnte er nicht einfach einer hoffnungslosen Zukunft überlassen!
„Hundi“ wurde gesäubert, gefüttert, geimpft, entwurmt und – keine Frage – schließlich auch mit heim nach München genommen.
Dort hat sie seither auf ihre ganz besondere Art den Alltag Michael Hofstetters und ihres Retters verändert. Beide wollen sich ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen.
„Sie ist so etwas wie eine Pudel-Terrier-Mischung“, glaubt Hof- stetter. Allerdings habe sie neulich jemand als einen der seltenen „Cotons de Tuléar“ identifiziert.
Ob selten oder nicht, „Hundi“ ist in jedem Fall ein Juwel, finden ihre Besitzer und alle, die sie kennen. „Wenn sie zuhört, erzählt sie gleichzeitig mit dem Spiel ihrer Ohren Romane“, sagt Hofstetter. Begleitet sie ihn auf seinen Reisen, singt sie während der Proben nicht etwa mit, sondern sitzt mucksmäuschenstill im Dirigentenzimmer. Geht es aber auf die Party nach einem großen Konzert oder ins Restaurant, dann läuft „Hundi“ zu Höchstform auf: „Sie läuft von Tisch zu Tisch, lässt ihren Charme spielen, macht Männchen oder rollt auf dem Boden wie ein Zirkushund, immer in der Hoffnung, einen Happen zu ergattern“, erzählt Hofstetter.
Denn Futter ist neben ihren beiden Herrchen „Hundis“ große Leidenschaft – ein Erbe ihrer Vergangenheit, glaubt Hofstetter. Schokolade findet sie sogar schlicht unwiderstehich. „Das ist ihre Droge, sie hat schon ganze Tafeln einfach ausgewickelt und gefressen. Danach ist sie dann völlig überzuckert und rast vollkommen durchgeknallt durch die Gegend“, sagt ihr Herrchen. Sie folgt aufs Wort und bellt so gut wie nie. „Nur wenn ein anderer Hund zu nahe kommt, dann kläfft sie in entschlossenem dramatischem Mezzosopran“, hat Hofstetter mit seinem geschulten Ohr festgestellt. „Sie ist so liebevoll“, erzählt er und strahlt. „Und sie hat das, was manche Menschen leider im Laufe ihres Lebens verloren haben: sorglose Verspieltheit und unbekümmertes Vertrauen.“

Annette de Cerqueira
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