Sachsenheim | 20. November 2010

Isak setzt nicht nur auf Montage

Sachsenheim – Zu fit für eine Behindertenwerkstatt, aber fast chancenlos am normalen Arbeitsmarkt: Über 90 Prozent der Beschäftigten der gemeinnützigen Isak in Sachsenheim sind schwerbehindert. Sie zu beschäftigen wird eine immer größere Herausforderung.

Isak
Bild: Alfred Drossel
Sachsenheim – Zu fit für eine Behindertenwerkstatt, aber fast chancenlos am normalen Arbeitsmarkt: Über 90 Prozent der Beschäftigten der gemeinnützigen Isak in Sachsenheim sind schwerbehindert. Sie zu beschäftigen wird eine immer größere Herausforderung.
Immer besser, immer schneller und immer billiger – diese Anforderungen gelten auch für die Initiative zur Schaffung von Arbeitsplätzen für Körperbehinderte (Isak). Als gemeinnützige GmbH konkurriert die Tochter der Karlshöhe Ludwigsburg wie jedes Unternehmen um Aufträge. Aber da die Beschäftigten der Isak zu 90 Prozent schwerbehindert sind, muss das Integrationsunternehmen mit einer längeren Arbeitszeit für einzelne Prozesse kalkulieren.
Die Isak fungiert als Schnittstelle zwischen Behindertenwerkstätten und normalem Arbeitsmarkt. Sie erhält staatliche personenbezogene Fördermittel, aber nicht mehr als jedes Unternehmen, das Schwerbehinderte beschäftigt. Und weniger als eine Behindertenwerkstatt, die zum Beispiel auch Gelder vom Landkreis bekommt.
2010 lag die Eigenfinanzierungsquote der GmbH bei 80 Prozent, sagt Margot Müller, zuständig für Finanzen. Vor zehn Jahren noch konnte die Isak auf 55 Prozent an personenbezogenen staatlichen Zuschüssen bauen. Seither aber ist die öffentliche Förderung kontinuierlich gesunken.
Dennoch, die Isak will Schwerbehinderten eine Chance geben zu arbeiten. Deshalb schneidet die Geschäftsleitung das Leistungsportfolio der GmbH auf die 115 Beschäftigten zu. Adrian Kienel etwa montiert Duschköpfe. „900 bis 1000 Stück, wenn’s gut läuft“, sagt er und lächelt dabei zurückhaltend. Kienel gehört zu denjenigen, die dem Druck kontinuierlich die gleichen Stückzahlen zu produzieren, gewachsen sind. Einer solchen Belastung halten aber nicht alle stand. Einer von zwei Gründen für das Integrationsunternehmen, neben Montage und Qualitätskontrolle in neue Geschäftsfelder wie Weinanbau und Gastronomie zu investieren. Der zweite war finanzieller Natur: Ende 2003, kurz vor Silvester, kam die Ankündigung, dass 280000 Euro an bereits verplanten Fördermitteln für 2004 wegfallen würden. „Der Betrieb war in seiner Existenz gefährdet“, erläutert Geschäftsführer Wenzler. Gerade die Beschäftigung von schwächeren Arbeitnehmern stand auf der Kippe. Denn je mehr Eigenmittel die Isak erbringen muss, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, desto mehr ist die Initiative von den Preisen abhängig, die ihre Auftraggeber bereit sind zu bezahlen.
Die Verantwortlichen um den damaligen Geschäftsführer Manfred Renk entschlossen sich, in Weinanbau und Gastronomie zu investieren. Die so entstandene Sommer-Besenwirtschaft entpuppte sich als Erfolg. Erst kürzlich eröffnete zusätzlich das Restaurant „’s Holderbüschle“ in Sachsenheim, das ganzjährig Speisen anbietet. Für viele der Beschäftigten eine Chance. „Der Leistungs- und Zeitdruck bei den Tätigkeiten in einer Küche ist für die schwerbehinderten Beschäftigten deutlich geringer als in der industriellen Lohndienstleistung“, sagt Margot Müller, zuständig für Finanzen bei der Isak.
Dennoch bleibt die industrielle Lohndienstleistung mit Montage und Qualitätskontrolle das Hauptgeschäft der Isak – und damit die Abhängigkeit von Anforderungen und Preiskalkulationen der Kunden.

Heike Armbruster
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