LUDWIGSBURG | 11. Februar 2009

Kaffee-Räder, Videoprojekte und dickbauchige Vasen

Man wollte keine Brunnenfiguren, sondern Kunst im öffentlichen Raum. Entsprechend international ist der Anspruch: Lichtobjekte wird es geben, Installationen und Videofilme. „Hochwertig“, findet der Kulturausschuss. Man erwartet einen Kultursommer mit regen Diskussionen.

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Eigentlich verlief alles harmonisch. Schon nach einem Tag war sich die Jury, in der Kunstexperten und Kommunalpolitiker saßen, weitgehend einig. Hatte man doch hochwertige Entwürfe erhalten – von Künstlern mit internationalem Ruf und von Documenta-Teilnehmern, aber auch von regionalen Künstlern, die mit viel Feingefühl auf die Stadt und ihre Geschichte eingegangen sind.
Doch dann der Eklat, der zunächst verschwiegen wird. Ein Jury-Mitglied hatte aus Protest die Beratungen abgebrochen. „Ich habe die Veranstaltung verlassen, weil ich den Eindruck hatte, die Bürger hier nicht mehr vertreten zu können“, machte Dr. Thomas Lang (CDU) gestern im Ausschuss öffentlich. Er war enttäuscht, dass es weder ein Rating für die Werke gab noch dem Gemeinderat eine Auswahlmöglichkeit angeboten werden sollte.
Wenigstens sollten die Bürger dann, wenn am Ende des Jahres von der Stadt ein Werk gekauft wird, einbezogen werden. „Das darf nicht im akademischen Zirkel entschieden werden“, so Lang, der zugleich betonte, dass auch schon vorher die Öffentlichkeit hätte informiert werden müssen.
Womit plötzlich alle einig waren. Zwar kritisierte Dieter Juranek (SPD) Langs Auftritt in der Jury und dessen Kritik am Verfahren, letztlich war aber auch er wie viele andere für mehr Öffentlichkeit. „Wir wollen doch, dass wir mit diesem Kunstprojekt auch national bemerkt werden.“ Ähnlich argumentierten Reinhardt Weiss von den Freien Wählern und Siegfried Rapp (Grüne).
Kaum einer also, der die Kunst weiter unter Verschluss halten wollte. OB Werner Spec schlug deshalb vor, in drei Jahren ähnlich wie bei einem Architektenwettbewerb zu verfahren und frühzeitig nach der Entscheidung der Jury die Vorschläge publik zu machen. Was die Auswahl anging, lieh er sich ein Zitat von Schiller: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ und deshalb dürfe jeder seine eigene Meinung dazu haben. Arg umstritten war die Auswahl, die der Kunstbeirat getroffen hat, indes nicht.
Es gab euphorische Zustimmung zu den Kaffee-Zement-Rädern, zu den Lichtobjekten und zur dickbauchigen Litfaßsäule, die an die Form einer barocken Vase erinnern soll: „Unsere Erwartungen sind bei weitem übertroffen worden“, begeisterte sich Siegfried Rapp (Grüne), in Sachen Kunst komme man dieses Jahr nicht an Ludwigsburg vorbei. „Das wird ein richtiger Kultursommer, ich freue mich auf die Gespräche.“ Auch Dieter Juranek (SPD) hält das Ergebnis für „hervorragend“, Lang (CDU) zeigte sich mit der Auswahl einverstanden.
Die FDP und die Freien Wähler waren jedoch enttäuscht, sie hatten Skulpturen und keine Installationen erwartet. „Es gibt so viel Hässliches, wieso muss man da noch was hinzufügen“, so Heer. Er war nicht damit einverstanden, dass die „Krone“ des Ludwigsburger Künstlers Bernd Zimmer aussortiert wurde. „Das Argument, dass sie dekorativ sei, reicht mir nicht aus für eine Ablehnung.“ Ebenso empfindet er die Mauer als brutal, sie erinnere an ein Holocaust-Mahnmal. Die Freien Wähler hätten gern die Videoinstallation am Schillerplatz ersetzt.
Der Ausschuss verzichtete jedoch auf diese Kunst-Debatte und empfahl dem Gemeinderat, die Vorschläge anzunehmen. Gerade in einer Filmstadt müsse auch Videokunst möglich sein, die Installationen sah man als „stadtgemäß“ an.
Info: Aus 18 Beiträgen hat die Jury sieben Werke ausgesucht, die in der Innenstadt aufgestellt werden sollen. Am 11. Juni wird der Skulpturenweg eröffnet, er bleibt bis Ende November. Am Schluss soll ein Werk von der Stadt angekauft werden.

Hans-Peter Jans
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