30. Januar 2009

Kunst unter Verschluss: Rathaus agiert zu vorsichtig

Geht es um Kunst, wird die Stadt vorsichtig. Das Skultpurenprojekt, vor einem Jahr beschlossen, läuft weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. 18 Künstler waren bereits in der Stadt und haben sich die Standorte angesehen, für die sie Werke vorschlagen dürfen – und keiner hat’s bemerkt.

Bald Schauplatz reger Diskussionen? Eine der Skulpturen soll bei der Wilhelmgalerie aufgestellt werden.
Archivbild: Alfred Drossel

Von den Kunstwerken wählt ein Fachbeirat dann sieben aus, die während des Jubiläumsjahres aufgestellt werden sollen. Sie sollen zur Diskussion anregen, dürfen provokativ sein, man darf sich erfreuen oder aufregen – das finden auch die Gemeinderatsfraktionen. Sie hätten aber gerne vorab bereits Reaktionen aus der Bevölkerung gehabt, wie etwa die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD betonen.
Doch noch bleibt alles unter Verschluss. Heute entscheidet die Jury darüber, welche Künstler berücksichtigt werden. Dann dürfen die Fraktionen beraten, am nächsten Dienstag entscheidet der Ausschuss und einen Tag später bereits der Gemeinderat.
Eine Zeitspanne, die manchen zu kurz ist. Sie lässt den Stadträten wenig Zeit, zu beraten, und wenig Freiraum, auch andere Entwürfe einbeziehen zu können. Die Freien Wähler etwa gehen davon aus, dass man die sieben Vorschläge noch abändern kann, in der CDU wird überlegt, ob dem Gemeinderat nicht zusätzliche Werke vorgeschlagen werden, damit dieser noch einen Entscheidungsspielraum hat.
Andere gehen ins Grundsätzliche. Das Projekt entspreche, sagt ein Stadtrat, nicht mehr der urspünglichen Idee. Diese besagt, dass eines der sieben Werke angekauft werden soll, um es dauerhaft auf einem der Plätze zu installieren. So soll über die Jahre ein Skulpturenpfad entstehen. Doch es gibt, so der Vorwurf, vor allem Aktionskunst und Ähnliches, das von den Materialien her vergänglich ist.
Es sind Werke, die sich durch Sonne und Regen verändern können. Und es sollen größtenteils keine gewöhnlichen Skulpturen sein, wie man sich das gemeinhin vorstellt, befindet einer, der heute in der Jury mitberaten wird.
Unzufrieden ist die SPD, auch wenn man jetzt kurz vor der Entscheidung steht, nach wie vor mit den Standorten für die Skulpturen. Der Bahnhofsbereich und die dortigen Besucherströme würden nicht berücksichtigt, in der Nähe des Schlosses könne dagegen ausgedünnt werden.
Die Stadtverwaltung hält sich bedeckt, hält fast ängstlich die Daten zu den Künstlern zurück. Sie verweist ihrerseits auf den Gemeinderat, dem sie nicht vorgreifen möchte, und auf die im Fachbeirat vertretenen Stadträte, die ihre Kollegen unterrichten könnten.
Bekannt ist somit nur der weitere Verlauf nach der Entscheidung im Gemeinderat: Im Mai werden die Werke aufgebaut, im Juni wird die Skulpturen-Ausstellung eröffnet. Bis November sind die Werke dann auf den Straßen und Plätzen zu sehen.
Das Projekt – es ist ein erster Versuch. Es ist unter Zeitdruck zusammengestellt, den das Jubiläumsjahr mit sich bringt. Beim nächsten Mal sollte sich die Stadt mehr trauen – und spätestens mit der Jury Öffentlichkeit herstellen. Das kennt man auch von anderen Wettbewerben, und so hätten das auch einige Fraktionen gern.
Kunstwerke im öffentlichen Raum brauchen schließlich ein Publikum.
Hans-Peter Jans
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