AFFALTERBACH | 19. September 2008

Manche fühlen sich mit 65 ganz und gar noch nicht alt

Das Profil der Kommune wird sich stark verändern: Bis zum Jahr 2025 soll das Durchschnittsalter der Affalterbacher von 42,5 auf 46,4 Jahre ansteigen. Ein Jahr älter als der durchschnittliche Kreiseinwohner wird dann der durchschnittliche Affalterbacher sein. „Wir nutzen die Veränderungen, um neue Angebote zu entwickeln“, versichert Bürgermeister Steffen Döttinger.

Zwei extreme Knicke sind in der Affalterbacher Bevölkerungspyramide zu erkennen: Relativ wenige 20- bis 35-Jährige hat die Kommune, aber auch die Zahl der unter Zehnjährigen ist vergleichsweise niedrig. Einen ungewöhnlich starken Geburtenjahrgang konnte die Gemeinde 2007 trotzdem verzeichnen: Etwa 50 junge Affalterbacher erblickten im vorigen Jahr das Licht der Welt. Normal wären etwa 30 Geburten gewesen.
Dennoch: Immer weniger Geburten und immer mehr Senioren – das ist eine Tatsache, mit der sich auch Affalterbach auf lange Sicht auseinandersetzen muss. Bürgermeister Döttinger ist klar, dass das bedeutet, mehr Seniorenangebote einzurichten. „Vereine und Organisationen müssen sich in Zukunft darauf einstellen“, so Döttinger. Allerdings bestehe mit dem 2001 eingerichteten Seniorennachmittag und dem Kleeblatt-Pflegeheim bereits eine gute Basis.
Markus Sigloch, Pfarrer der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde, stellte in jüngster Zeit immer deutlicher fest, dass Senioren noch bis ins hohe Alter aktiv sind. „Mit 65 bin ich doch noch nicht alt“, bekomme er immer öfter zu hören. Zwar gehe man schon mit Ausflügen und Besuchen auf die veränderten Wünsche ein, aber der Mangel an ehrenamtlichen Helfern setze dem wohl in Zukunft eine klare Grenze, meint Sigloch.
Noch einigen Handlungsbedarf in der Seniorenarbeit sieht Christa Priester, SPD-Gemeinderätin und im Vorstand des Kleeblattfördervereins tätig. Geplant ist deshalb eine Umfrage in der Gemeinde, um den Bedarf an Fahrdiensten zum örtlichen Supermarkt abzufragen. „Einkaufsmöglichkeiten gibt es zwar in Affalterbach, die sind aber vor allem im Gewerbegebiet und dadurch ohne Auto schwer zu erreichen“, so Priester.
In Zukunft müssten ihrer Meinung nach solche Dienste deutlich öfter angeboten werden, um auf die zunehmende Zahl an Senioren eingehen zu können.
„Mit der Arbeit des Pflegeheims bin ich allerdings mehr als zufrieden“, fügt Christa Priester hinzu. Etwa 40 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich dort, die zum Beispiel Seniorenkreise oder Gymnastik anbieten. Dass einer der drei Kindergärten oder die örtliche Grundschule vom demografischen Wandel existenziell betroffen sein wird, davon geht Döttinger derzeit aber nicht aus: „Wir nutzen die Veränderungen eher, um neue Angebote zu entwickeln“, so der Schultes.
Vom 1. Januar an können zum Beispiel Kinder ab zwei Monaten in einem Hort untergebracht werden, außerdem sind Ganztagesbetreuung und kleinere Gruppen in den Kindergärten und der Grundschule geplant. Zur Diskussion steht derzeit auch der Bau einer Mensa, sagt CDU-Gemeinderat Dieter Ries, die dann für Schüler und Kindergartenkinder gedacht ist. „Das Einzige, was vielleicht noch fehlt, ist ein Jugendhaus“, fügt Christa Priester hinzu.

Ina Allenhöfer
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