OBERSTENFELD | 08. September 2008

Mufflonlämmchen Sita ist der Festival-Star

Große, rote Mohnblumen, Teddybären, bunte Taschen und Schals, Käse sowie Wurst: Beim achten Schafwoll-Festival am Samstag und Sonntag gab es allerlei leckere und dekorative Produkte rund ums Schaf. Dass der Start eher regnerisch war, störte die vielen Besucher nicht. Sie machten es sich in den Zelten bequem oder guckten, was an den Ständen geboten wurde.

Bilder: A. Drossel

„Es ist ein schönes Familienfest“, findet Ramona Theiss, Tochter von Waltraud und Franz Theiss, die das Festival vor acht Jahren ins Leben riefen. Und als solches verstanden es auch die zahlreichen Besucher, von denen die meisten ihre Kinder mitgebracht hatten. Schließlich gibt es bei der Veranstaltung auch immer Schafe zum Angucken und Streicheln.
In diesem Jahr waren Mufflonwidder Nando und seine beiden Damen Maya und Saba mit von der Partie. Attraktion am Samstag und Sonntag: Mufflonlämmchen Sita. „Das Mufflon mit seiner 7000-jährigen Geschichte gilt als Urschaf, aus dem alle weiteren Rassen herausgezüchtet wurden“, erklärt Franz Theiss. Weil das Mufflon aber ein Wildschaf ist, das beispielsweise im Harz und Blaubeuren frei in den Wäldern lebt, wollte Theiss beweisen, dass es sich auch an den Menschen gewöhnen kann und sogar zur Landschaftspflege verwendet werden kann. „Beispielsweise an der Bottwar, um dort das Gras abzufressen“, so Theiss. Allerdings sei ihm gesagt worden, dass das nicht funktioniert, weil die Mufflons keine Herdentiere seinen und vor Menschen flüchten. „Jetzt sind Nando, Saba und Maya aber handzahm. Wenn meine Frau mit dem Brotkorb kommt, laufen die drei zu ihr hin“, freut er sich. Mittlerweile sehe es so aus, als könnte das Experiment von Theiss gelingen und die Mufflons künftig als Landschaftspfleger eingesetzt werden.
Mit dem dekorativen Aspekt der Schafwolle beschäftigt sich Karola Kleinknecht aus Marbach. Bei ihr am Stand gab es kleine Teddybären, Schnecken mit echten Häusern, Ponys und Mäuse aus Filz. „Ich bin schon zum siebten Mal in Gronau dabei”, erzählt die Marbacherin, während sie an einem Herz aus Filz arbeitet. Sie hat sich auf das Nadelfilzen spezialisiert. „Dabei arbeite ich mit einer Nadel, die Widerhaken hat”, erklärt sie. Allerdings eigne sich die Technik nur für reine Schafwolle. „Synthetik lässt sich nicht verbiegen und das Material verhakt sich nicht”, so die Erfahrungen von Karola Kleinknecht. Für das Schafwoll-Festival hat sie ihr Sortiment an Tieren extra um Schafe erweitert. Ganze Landschaften fertigt Andrea Hunger-Ebenhöch aus Aspach-Rietenau. Angefangen hat alles mit einem gefilzten Baum. Danach kam ein Haus hinzu und nach und nach ganz viele Tiere. In einer Alpenlandschaft tummeln sich Steinböcke, auf einer Koppel Pferde und Schafe, in einem Meer aus Filz Tintenfische und bunte Clownfische und sogar Pinguine. Es gibt auch Bären, Wölfe und Esel. „Die Landschaft verkaufe ich nicht”, betont Andrea Hunger-Ebenhöch. „Nur die Tiere.” Immer wieder blieben Besucher stehen und bewundern ihre Landschaft und die vielen Tiere.
Wer so geschickt werden will wie die Trockenfilzerin, der kann bei ihr Kurse belegen. „Sehr gut kommt das Filzen auf Kindergeburtstagen an. So haben die Mütter ihre Ruhe und die Kinder sind beschäftigt”, weiß Hunger-Ebenhöch.
Modisches aus Filz gab es am Stand von Birgit Bass aus Sachsenheim. Sie arbeitet in einer Pflanzenfärberei in Kleinsachsenheim. Sofort sei sie begeistert gewesen von den Farben, und den Möglichkeiten die Wolle damit einzufärben. „Das sind zum Teil mittelalterliche Rezepte, die streng gehütet werden“, sagt sie. Und am besten ist, dass ihr die Ideen nicht ausgehen, was die Farben und die Formgebung in Sachen Filz anbelangt. Darum gibt sie nicht nur Kurse, sondern hat in Sachsenheim auch einen kleinen Laden, in dem sie ihre Pulswärmer aus Filz, Blumen und Schals verkauft – und natürlich bunt eingefärbte Wolle.

Kristina Anger
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