GERLINGEN | 22. Oktober 2008

Noch gibt es Geburtenüberschuss

Mit 43,7 Jahren ist der durchschnittliche Gerlinger schon jetzt relativ alt. Doch laut Statistischem Landesamt soll er noch älter werden, nämlich 45,8 Jahre. Trotzdem meint Günther Lang vom DRK-Ortsverband, dass die Stadt beim Thema Seniorenangebote schon jetzt gut aufgestellt ist.

„Wir befinden uns gerade in einer Zeit des Umbruchs“, meint Susanne Thierfelder, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde. So müssen man sich immer mehr auf die aktiven Senioren einstellen und auch generationenübergreifend arbeiten. „Die zukünftigen Entwicklungen sind sicher eine Herausforderung, aber wir können die Erfahrungen der Älteren auch sehr gut nutzen.“ Um gerade diese aktiven Senioren weiter zu fördern und ihnen gleichzeitig eine Anlaufstelle zu bieten, wurde vor 15 Jahren der Bürgertreff eingeweiht. Immer nachmittags hat der Treff geöffnet und bietet neben Wanderungen und Tanzkreisen auch Englischunterricht oder Gehirnjogging an.
„Wir wollen das Programm aber noch weiter ausbauen – wie wir es auch schon die vergangenen Jahre gemacht haben“, meint Vorsitzender Werner Matthes. Und das ist auch von Erfolg gekrönt: Rund 1000 Gäste sind monatlich in dem Bürgertreff und suchen das Gespräch, nochmal rund 500 kommen zu den zusätzlichen Aktivitäten außer Haus. „Das Kernstück der Gerlinger Seniorenarbeit ist der Bürgertreff“, ist sich deshalb auch Matthes sicher.
Durchaus zufrieden mit den Besucherzahlen ist auch Günther Lang, Vorsitzender des DRK-Ortsverbandes. „Wir haben sieben Seniorengruppen und sind also im Vergleich schon gut ausgestattet“, so Lang. Allerdings fehlen auch hier dem Verband Ehrenamtliche, um das Programm weiter auszubauen.
Ausreichend finden beide die Gerlinger Infrastruktur. So sei man mit Stadtbus und S-Bahn sehr mobil, aber auch zu Fuß könne man das meiste erreichen. Auch die Ärzteversorgung sei gut und „es sind alle Bereiche abgedeckt“, meint Lang. Ein Ziel für die Zukunft sei, so CDU-Gemeinderat Rudolf Sickinger, dass das Mehrgenerationenhaus umgesetzt wird. „Bisher ist das aber nur in Planung und es fehlen noch Interessenten“, meint Sickinger. Die Union fordert, für Gerlingen bis Ende des Jahres ein Altenhilfekonzept zu entwickeln. Inhalt soll die Überprüfung, Verbesserung und der weitere Ausbau der Altenhilfe und der Altenbetreuung sein.
„In Gerlingen gibt es ausreichend Angebote für Ältere“, meint SPD-Stadtrat Thomas Bleicher. Auch sei die Kommune beim Thema Kinderbetreuung gut aufgestellt. So bestehe Ganztagesbetreuung für Schüler und Kindergartenkinder sowie eine Betreuung für unter Dreijährige.
„Die Kindergärten sollen in Zukunft ständig weiter ausgebaut werden“, meint deshalb auch Matthes. Kein Wunder, denn bisher verzeichnet Gerlingen noch einen Geburtenüberschuss von 15 Kindern im Jahr.
Trotzdem kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gerlingen in Baden-Württemberg die Kommune mit dem höchsten Anteil an älteren Bürgern ist. Auch 2025 sieht es nach Prognosen des Statistischen Landesamtes nicht viel anders aus: Die Zahl der über 65-jährigen soll um neun Prozent zunehmen, die der Kleinkinder bis vier Jahre um zehn Prozent abnehmen.
„Schulen dürfen nicht mehr nur Bildungsstätten sein, sondern müssen sich eng vernetzen mit etwa der Jugendhilfe und der Kinderbetreuung“, so Bürgermeister Georg Brenner. So plane man für die Zukunft einen Ausbau der Ganztagesschulen, allerdings fehle bisher die Nachfrage von Seiten der Schüler und Eltern. Bereits feste Einrichtung sei aber ein Mittagstisch in allen Gerlinger Schulen. Zur Diskussion stehe die Zukunft der Hauptschule, nachdem zuletzt nur noch elf Prozent der Grundschüler auf die Hauptschule gewechselt haben, so Brenner.
Förderprogramme oder Subventionen für zuzugswillige junge Familien gibt es noch nicht. „Aber vielleicht ändert sich das ja auch in nächster Zeit“, meint Joachim Faulhaber, Gemeinderat der Freien Wähler. Langsam sei aber wieder die Entwicklung, dass junge Familien in die Waldsiedlung zögen, wo bisher eher Senioren gewohnt haben, so SPD-Rat Bleicher. Geplant sei deshalb auch, in der Schule bald eine Mensa zu bauen. Sickinger: „Wir müssen auf die Anforderungen der Zeit eingehen.“

Ina Allenhöfer
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