26. Februar 2009

Schräg in den Asphalt eingeschlagen

Irgendwie hat er ja Recht. Es ist nicht bloß eine goldene Krone, die der Ludwigsburger Künstler Bernd Zimmer für den Wettbewerb zum Skulpturenweg vorgelegt hat – und damit vor den Juroren gescheitert ist. Es ist eine Skulptur „ohne Sockel, schräg in den Asphalt eingeschlagen“, wie er uns schreibt.

Timm Ulrichs' begehbare Holzgalerie "Audienz beim Herzog"

Schön ist sie allemal. Als „zu dekorativ“ befand sie dagegen der Kunstbeirat, der für den Gemeindererat diese Arbeit aussortiert hat. Nicht alles muss in der Königsstadt Krone sein, befanden auch wir.
Doch damit sind wir mitten in der Kunstdiskussion. Formenstärke werde heute gern als Schwäche definiert, kritisiert Bernd Zimmer, plastische Formen würden von Kunstexperten oft als oberflächlich und dekorativ abgetan.
Heute entferne sich Kunst immer mehr von Kunst, die Bildhauerei löse sich auf in Architektur, Film, Theater und Dientsleistung. Das Ergebnis, so der Ludwigsburger Künstler: Es herrsche der Hang zu „visueller Armut“ bei gleichzeitiger „intellektueller Überfrachtung“ vor.
Kein Wunder, dass Impressionismus-Ausstellungen wahre Besucherströme verzeichnen. Die Schmierer von einst sind die Schönmaler von heute geworden, die man sich ins Wohnzimmer hängt. Doch reicht das?
So sehr man in Zimmers Klagelied einstimmen kann, dass oft nur noch Ironie und pure Provokation zählen, so wagen wir anzumerken: Hätte nicht sogar Ästhet Schiller die Krone wenigstens auf den Kopf gestellt oder sie blutrot angestrichen? So viel Kritik an der herrschaftlichen Prunksucht von einst darf sein.
Immerhin: Die Krone ist zerbrochen, die Teile sind labil. Soll man ihr also trotz allem eine Chance geben?
Ein Stadtrat meint, man könnte sie zusätzlich aufstellen. Sozusagen im Wettbewerb zum Skulpturenweg mit seinen Installationen. Da ist jetzt Privatinitiative gefragt: Bringt also Sponsoren her!
Denn das Verfahren ist gelaufen, das Ergebnis anders als von vielen erwartet – und deshalb trotzdem nicht schlecht.
Video-Kunst ist gerade für die Medienstadt Ludwigsburg ein Muss, wohl gehört auch eine Event-Aktion wie das Gerüst um den Brunnen dazu, die, wie manche Experten meinen, für Aufsehen und ein neues Stadt-Erlebnis sorgen wird. Es werden sicher viele hochsteigen, um dem Herrscher an die Nase zu fassen.
Geht es um den Ankauf eines der Kunstwerke, wagen wir aber eine Prognose: Es werden eher die Kaffee-Zement-Räder oder die abstrakten Tore zum Schloss das Rennen machen, auch die Krone wäre da mit dabei – allein schon wegen der Haltbarkeit.
Denn die fehlt bei so manchem Projekt mit Plastikflaschen und einfachen Holzkonstruktionen.
Hans-Peter Jans
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