LUDWIGSBURG | 04. Juni 2009

Sechs Tonnen Stahl für den Herzog

Ja, bei ihm ist das so.“ Edgar Gutbub nickt, als ob er eine Welt, die aus den Fugen gerät, bestens versteht. Der 68- Jährige spricht von den Arbeiten des Künstlerfreundes, von dem eine Installation drüben am Marktplatz aufgebaut wird. Zuletzt hat dieser Kollege einen Kirchen-Nachbau aus Beton in einer Mülldeponie verschwinden lassen – so wie einst das Dorf München-Fröttmaning unter dieser begraben wurde.

Bilder: Alfred Drossel


Jetzt in Ludwigsburg wird über dem Marktplatz-Brunnen ein Pavillon mit sechs Tonnen Stahl aufgerichtet. Er wird begehbar sein, eine Treppe führt hinauf zur Herzogsfigur. Was daran Kunst ist? Baurechtlich zunächst mal nichts: Der Pavillon des Konzeptkünstlers Timm Ulrichs ist formal eine Versammlungsstätte, weshalb auch ein Bauantrag gestellt werden musste. Alles andere daran ist Aktionskunst: Man darf rauf zum Herzog, darf diskutieren, sich ärgern oder freuen.
Architekt Terence Poe hat die Arbeiten vor Ort von Ulrichs übernommen, insbesondere auch die Statik muss stimmen. Ist der Pavillon doch sieben Meter hoch und bietet eine große Aussichtsfläche in der ersten Etage. An der Treppe wird ein Schild angebracht: Betreten auf eigene Gefahr.
Das Werk ist, schon wegen des prominenten Platzes das Prunkstück des Kunstprojekts, bei dem ab nächster Woche sieben Skulpturen an sieben Standorten in der Stadt zu sehen sind. Bereits aufgebaut ist die gefaltete Mauer am Reithausplatz, bei der auf Berührung literarische Texte vorgetragen werden. Migranten haben sie in ihrer Muttersprache aufgenommen. Am Schillerplatz wölbt sich seit wenigen Tagen eine Litfaßsäule zu einer dickbauchigen barocken Vase. Am Holzmarkt muss der künstliche Garten noch mit leuchtenden Plastikflaschen-Blumen ausgestattet werden. Auf dem Podest, aus dem derzeit ein paar Lämpchen ragen, werden noch große Lichter installiert und echte Wiesenblumen eingesäht.
Auf dem Gerüst am Marktplatz-Brunnen sind die Helfer noch zugange, auch drei Leute von den Technischen Diensten Ludwigsburg sind dabei. Eine Prestigearbeit – für Thomas Stigler von der gleichnamigen Schlosserei aber auch eine einfache Fleißarbeit.
Unten bei Edgar Gutbub am Schloss sind weniger Schaulustige. Ein junger Mann mit Kind bleibt stehen, ein älterer fragt, was das die Stadt kostet. Gutbub, selbst einer der renommierten Künstler beim Skulpturenprojekt, gibt gern Auskunft: über sein Werk, über die Farben Gelb und Blau.
Dann übermalt er die letzten hellen Stellen an seinem geometrischen Werk. Die Teile sind vor Ort verschraubt und überspachtelt worden. Es ist das erste Mal, dass eine seiner Skulpturen begehbar ist. Er stellt sich in den Kubus hinein. Das darf man. Und man kann dabei prüfen, welcher dieser Teile am größten ist. Ein Tipp dabei: Seine Skulptur heißt „Vier gleich groß“.

Hans-Peter Jans
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