04. April 2008

Skulpturen-Wahl bitte ohne Politiker

Moderne Kunst, großformatig mitten in der Stadt – das kann ganz schnell einen Sturm der Entrüstung auslösen, der den Stadtvätern um die Ohren pfeift.
Politiker wissen das natürlich. Vielleicht haben derartige Aussichten dazu beigetragen, dass sich der Gemeinderat für den Weg des geringeren Widerstands entschieden hat, als er dieser Tage über die Art und Weise eines Ludwigsburger Skulpturenprojekts abstimmte (wir berichteten).


Die Lokalpolitiker wollen also nicht, dass die Stadt alle zwei Jahre ein Kunstwerk kauft, das für immer an einem Platz in der Innenstadt seine Heimat finden soll.
Da könnte man zwar in einem Wettbewerb stolze 70000 Euro ausloben und damit bei Künstlern weit über die Region hinaus für Neugier und Aufsehen sorgen.
Aber: Je bleibender die Skulptur, desto größer womöglich der Aufruhr im Städtle, wenn das Werk nicht allen gefällt. Und dass Gegenwartskunst nicht nach jedermanns Geschmack ausfällt, ist mehr als gewiss.
So ist der zweite, jetzt gewählte Weg mit Sicherheit für die Politik pflegeleichter: Alle drei Jahre kommen nach einem Wettbewerb sieben Kunstwerke in die Innenstadt, dies aber nur ein halbes Jahr lang. Dann verschwinden sie wieder von der Bildfläche. Wobei sich die Stadt offen hält, doch das eine oder andere dieser Kunstwerke dauerhaft anzukaufen. Aber eben erst nach einer halbjährigen Testphase. Und man kann es auch bleiben lassen.
Bei diesem Weg bietet die Stadt pro Kunstwerk 20000 Euro an. Was sich bei sieben Skulpturen auf 140000 Euro summiert. Geld, mit dem man vor allem Künstler aus der Region und den Nachwuchs locken will.
Große teure Namen oder Nachwuchs, beides hat seine Berechtigung. Was freilich noch wichtiger ist als das Geld: Mit wem haben es die Künstler zu tun, wenn sie in den Ludwigsburger Wettbewerb einsteigen? Will heißen: Entscheidend für den Erfolg und das Renommee eines Skulpturenprojekts ist, wer den Wettbewerb betreut, wer die Auswahl trifft.
Und auch da gibt es eine Gewissheit: Je mehr Politiker die Hand im Spiel haben, desto mehr Künstler gehen auf Distanz. Weil sie vermuten: Da wird eher auf den Kompromiss denn auf freche oder unbequeme Kunst geachtet.
Es ist erfreulich, dass sich im Gemeinderat alle für die bildende Kunst begeistern. Fraglich dagegen ist, wenn die Räte jetzt in das Wettbewerbsgremium drängen. Wenn sie bei der Art des Skulpturenprojekts den sicheren Weg gehen, dann sollten sie bei der Auswahl der Kunstwerke Mut zeigen – und sich heraushalten.
Im Jahr 2009, wenn das Skulpturenprojekt startet, sind Kommunalwahlen. Da dürfte es genügend andere Schauplätze geben, wo Stadträte ihren Gestaltungswillen ausleben können.
Peter Maier-Stein
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