LUDWIGSBURG | 18. Oktober 2008

Sportwünsche in der Stadt sehr ungleich verteilt

Insgesamt scheinen die Ludwigsburger recht zufrieden mit dem sportlichen Angebot in ihrer Stadt zu sein. Bei der Befragung durch Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule für das städtische Sportentwicklungskonzept äußerten nur 29,2 Prozent der Befragten Wünsche nach zusätzlichen Angeboten für sich oder ihre Kinder.

Ganz oben auf der Wunschliste steht dabei Gymnastik, worunter die Autoren der Studie von Aerobic über Tai Chi bis zur Wirbelsäulengymnastik einen ganzen Strauß von sportlichen Betätigungsmöglichkeiten zusammenfassen. Auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet, gebe es ein Potenzial von 2300 Einwohnern, die zusätzliche Gymnastik nutzen würden. Hauptzielgruppe wären dabei Frauen im Rentenalter.
Auf Platz zwei liegen Schwimmen und Fußball gleichauf. Je 1600 Ludwigsburger wünschten sich mehr Angebote in diesen Sportarten. Hier sind es vor allem die männlichen Jugendlichen bis 17, die Bedarf sehen.
Ihre Altersgenossinnen wünschen sich dagegen mehr Tanzsport-Angebote (Platz 4), die Frauen zwischen 45 und 64 sehen Defizite bei den Fitnessangeboten (Platz 5). Danach folgen in der Wunschliste Basketball, Kampfsport, Volleyball, Badminton und Klettern.
Ermittelt haben die Kölner Sportökonomen auch, wie hoch die Bereitschaft ist, für zusätzliche Sportangebote Geld auszugeben. 90 Prozent der Befragten sind bereit, je nach Sportart zwischen 40 und 60 Euro zusätzlich pro Jahr zu bezahlen. Bei den restlichen zehn Prozent liegt die Zahlungsbereitschaft noch deutlich höher. Dies zeige, dass in Ludwigsburg noch erhebliche sportliche Potenziale erschlossen werden könnten.
Aus dem Rahmen fallen nur Fußball und Basketball, beides Sportwünsche der männlichen Jugend. Dafür wollen Ludwigsburger kein oder nur sehr wenig zusätzlich ausgeben, was mit Alters- und Sozialstruktur der Interessenten zusammenhängen könnte.
Innerhalb der Stadt sind die Forderungen nach zusätzlichen Bewegungsangeboten sehr ungleich verteilt. Während man in der Südstadt offenbar zufrieden ist und nur 16,7 Prozent der Einwohner zusätzliche Sportangebote wollen, ist es in Grünbühl fast die Hälfte der Einwohner (45,6 Prozent). Auch in Poppenweiler ist der Anteil der Einwohner mit Sportwünschen (39 Prozent) sehr hoch. In beiden Stadtteilen ist – wie bereits berichtet – der Anteil der sportlich Aktiven verhältnismäßig niedrig.
Ludwigsburgs Sportbürgermeister Konrad Seigfried sieht einen gewissen Zusammenhang zwischen der Ausstattung der Stadtteile mit Sporthallen und den Ergebnissen, warnt aber vor voreiligen Schlüssen und davor, die Sportwünsche allein an der Hallensituation festzumachen. Die Stadt wolle zunächst auf Grundlage des Sportentwicklungskonzeptes vor Ort genau klären, was an zusätzlichen Angeboten in den Stadtteilen noch nötig und möglich ist. Man suche dazu den Dialog mit den Vereinen. „Die Hallen allein machen es nicht“, meint Seigfried, wenn nicht auch die entsprechenden Angebote vorhanden seien.
Kurzfristig wird die Studie der Sporthochschule keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Sporthallenplanung der Stadt haben, sagte Seigfried, aber die Ergebnisse und die Vertiefung vor Ort wurden in den Planungen berücksichtigt. Klar ist für den Bürgermeister aufgrund der Expertise: „Es gibt Potenziale. Wir müssen nun sehen, ob diese befriedigt werden können.
Dieses Potenzial ist allerdings nicht nur vom Wohnort innerhalb Ludwigsburgs abhängig, sondern auch stark vom Alter. Die Wünsche nehmen mit zunehmendem Alter immer mehr ab. Während bei Kindern und Jugendlichen fast 40 Prozent noch Bedarf an Sportangeboten sehen, ist deren Großeltern-Generation statistisch gesehen fast wunschlos glücklich. Gerade noch 11,7 Prozent der über 65-Jährigen haben noch Sportwünsche.
Keine Unterschiede gibt es dagegen zwischen Männern und Frauen in diesem Bereich. Anders sieht es jedoch bei der Herkunft aus. Bei den Ludwigsburgern mit Migrationshintergrund ist der Anteil derer, die Bedarf anmelden, mit 34,4 Prozent deutlich höher als bei den Deutschstämmigen (28 Prozent). Hier gilt offenbar Ähnliches wie bei den Stadtteilergebnissen. In Bevölkerungsgruppen, in denen der Anteil der Sportler niedriger als im Durchschnitt ist, gibt es überdurchschnittlich viel Nachfrage nach zusätzlichen Angeboten.



Jürgen Schmidt
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Anzeige
UMFRAGE
Kanzlerkandidaten

In der SPD tobt die Debatte über den Kanzlerkandidaten. Wer sollte aus Ihrer Sicht Amtsinhaberin Angela Merkel herausfordern?

Zeitschriftenvorteil