LUDWIGSBURG | 11. Dezember 2009

Tüftler sagt Schweißfuß ade

Eine Schwabensohle muss ganz schön was aushalten. Liegt sie erst einmal in einem Schuh, wird sie tagtäglich getreten. Besonders gern hat die Schwabensohle übrigens Schweißfüße, weiß deren Hersteller Siegfried Drautz.

Wandelt jeden Tag auf Schwabensohlen, seiner Schuheinlage aus Zedernholz: Siegfried Drautz.

Wandelt jeden Tag auf Schwabensohlen, seiner Schuheinlage aus Zedernholz: Siegfried Drautz.

Bild: Alfred Drossel

Siegfried Drautz ist ein schwäbisches Käpsele. So manches Patent trägt seinen Namen. Früher allerdings, da war er auf Leitern spezialisiert, heute fertigt er Schuhsohlen aus Zedernholz.

Mit 19 Jahren gründete er seine erste Firma. Vor ein paar Jahren dann hat der heute 58-Jährige sein Unternehmen verkauft. Nach 30 Jahren hat er sich gedacht: „Mach’ doch mal was ganz anderes!“ Eine kurze Auszeit hat sich der gebürtige Markgröninger dennoch gegönnt. Doch schnell wurde er unruhig. „Kennen Sie den Spruch mit dem Zirkuspferd, das lostraben muss, sobald es die Musik in der Manege hört?“, fragt er und lugt neugierig hinter seiner Brille hervor. Genauso sei es ihm gegangen.
Und irgendwann war sie dann da, die Idee mit der Schwabensohle. Aber: Erfunden habe er diese nicht. Denn bereits im Kaiserreich – um 1890 – hätte man Sohlen aus Holz getragen. Schlichtweg deshalb, weil das Holz im Sommer kühlt und im Winter wärmt. Die Schwabensohle allerdings, die sei nicht aus irgendeinem Holz, sondern aus Zedernholz gefertigt – dieses sei dünn, biegsam und wirke antibakteriell. Soll heißen: Schweißfüße stinken weniger. Und auch bei Fußpilz sollen die Sohlen helfen.
Bis Drautz allerdings die ideale Form und Dicke gefunden hat, wurde so manche Sohle durchgetreten. Freunde und Bekannte haben ihn bei der Entwicklung unterstützt – einfach, in dem sie die Erfindung Probe getragen haben. Die einen im Büro, die anderen beim Feierabendsport. „Vom Manager bis zum Staplerfahrer“ sei alles dabei gewesen.
Möglich gemacht habe das eine entscheidende Eigenschaft der Schwabensohle: Sie ist genauso bescheiden wie ihr Namensgeber. Denn auch der Schwabe gilt nicht als Rampensau, sondern als tüchtiger Schaffer im Hintergrund. Und so sieht man dem Träger nicht an, ob er Zedernholz im Schuh liegen hat oder nicht.
Siegfried Drautz kennt viele, die auf Schwabensohlen wandeln. Etwa der Bürgermeister aus Mundelsheim. Allen jedoch Schweißfüße zu unterstellen, die die Sohle der Bietigheimer Firma im Schuh liegen haben, sei schlichtweg eine Frechheit. Vielmehr sieht Drautz darin eine Gesundheitsvorsorge. Das Klima in heutigen Schuhen – oft aus Kunststoffen oder anderen synthetischen Materialien gefertigt – sei einfach nicht gut für den Fuß.
Die vier Wochen auf dem Weihnachtsmarkt machen dem Unternehmer, der sich zu Hause in der warme Stuben räkeln und auf seinen Lorbeeren ausruhen könnte, nichts aus. Die letzten elf Tage wird er meist selbst in der Bude stehen. „Ned weil ich muss, sondern weil ich will“, sagt Drautz. Und will sich’s einer erst noch überlegen, ob er sich Holz in den Schuh packt, dann sagt der 58-Jährige: „Ich steh’ morgen auch noch da!“

Katja Sommer
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