09. Juni 2009

Über Elodie Pong

Elodie Pong
 
Zu den wichtigsten Themen der Videokünstlerin Elodie Pong zählen Fragen nach Identität und kollektiver Identitätskonstruktion, die Bedeutung von Intimität sowie der Konstruktion von Erzählungen. Sie bewegt sich dabei auf der Grenze zwischen Realität und Fiktion. „Gegensätze und Verschiebungen, Intimität und Distanz, Sein und Rolle, die in einem visuellen Raum zwischen dem „Selbst und den „Anderen“ zur Disposition gestellt werden. Fast schon analytisch untersucht Pong die einzelnen Elemente, die eine Erzählung ausmachen. (Eva Scharrer)

Ihre Videos spielen oft mit einer voyeuristischen und bühnenhaften Perspektive und Kostüme und Masken spielen oft in ihnen eine Rolle. Diese dem Theater und barocker Verkleidungslust entnommenen Elemente interessieren sie, weil mit ihnen Identität erschaffen oder versteckt, getarnt, unterstrichen oder hervorgehoben werden kann. In einer ihrer wichtigsten Arbeiten – Secrets For Sale – hat die Künstlerin Menschen gebeten ihre persönlichen Geheimnisse zu verkaufen. Pong legte sozusagen eine Geheimnis-Datenbank an, die Ängste, Träume und Sehnsüchte von Individuen offen legte, die im Verborgenen unserer Gesellschaft auf komplexe Weise wirksam sind. Dazu mussten die Teilnehmer ein eigens dafür entwickeltes System durchlaufen, das aus vier verschieden Räumen bestand, die mit Überwachungskameras ausgestattet waren, und in denen eine anonyme Stimme Verhaltensregeln gab. Die künstlich geschaffene Überwachungssituation karikierte die heute überall üblichen Überwachungssysteme.

In einem neuen Video der Künstlerin, „After The Empire“, treten historische Persönlichkeiten der Ideen- und Politikgeschichte neben Pop- und Comic-Ikonen auf, um gemeinsam ein Symposion zu den großen, noch immer nicht beantworteten Fragen des Lebens zu inszenieren. In einem karg ausgestatteten Bühnenraum und in eine post-utopische Gegenwart versetzt, prüfen die Protagonisten vor dem Hintergrund der Schwarzweißfotografie einer zerstörten Industrielandschaft erneut ihre Überzeugungen, Träume und Visionen (Birgit Kulmer und Sandro Parotta in Artnews). Es treten unter anderem Elvis, Karl Marx, Marilyn Monroe und Minnie Mouse auf. (Letztere war auch neben anderen Persönlichkeiten auf übergroßen Billboards Pongs in Tokio zu sehen). „In dieser Videoarbeit vermischen sich persönliche und kollektive Historie und Erinnerung, Wirklichkeit und Fiktion, Hoch- und Popkultur, Vergangenheit und Gegenwart zu einem Konglomerat vergangener und gegenwärtiger Ideale, gebrochener und zugleich unverwüstlicher Persönlichkeiten.“ (Kulmer/Parotta)


Biografie   
 
Geboren 1966 in Boston, lebt in der Schweiz


Ausstellungen (Auswahl)

2008
„After the Empire“, Galerie Parotta Contemporary Art, Stuttgart

2007
“Samples”, Kunstmuseum Solothurn
“Je suis un bombe”, (Preisgekrönter Videofilm), Junge Videokunst, von der Heydt-Museum, Wuppertal

2006
„Supernova“, Occurrence Centre d’art et d’essai, Montreal

2005
”Peripheral Area”, Tokyo Wonder Site Shibuya in Zusammenarbeit mit dem Videoart Center Tokyo

2004
„Contemporary Tales, a certain general“, Halle für Kunst e.V., Lüneburg

2003
“I will not KYSS” (Keep your Secrets secret) anymore”, Centre d’arts scéniques contemporain Arsenic, Lausanne
“AND / ARN – phase #3”, Centre Culturel Suisse, Paris  


Stipendien / Preise / Auszeichnungen

2006-2008
Atelierstipendium, Stiftung Binz39 studio, Zürich

2006
Swiss Art Award

2003
Prix Jeunes créateurs Beaux-arts, Fondation Vaudoise pour la promotion et la creation artistiques
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