LUDWIGSBURG | 18. April 2008

Vom Kongo in die Kommunalpolitik

Ombo Shomongo ist überzeugter Demokrat. Doch Demokraten lebten 1995 in seinem Heimatland gefährlich. Diktator Mobutu hatte im damaligen Zaire noch das Sagen. Als 30-Jähriger entschied er sich zur Flucht. Elf Jahre später hat Ombo Shomongo in Ludwigsburg nicht nur seine große Liebe gefunden, sondern auch eine politische Heimat: Er besitzt das Parteibuch der CDU und hat ein klares Ziel: „Ich will in den Gemeinderat.“

Bild: Michael Fuchs

Er hat ihn nie gesehen, doch für seine Politik ist er Feuer und Flamme: Patrice E. Lumumba. „Es war ein großer Mann“, sagt Ombo Shomongo über den ersten Ministerpräsidenten des unabhängigen Kongo, Verfechter afrikanischer Freiheit und Würde.
Lumumba ist tot, als Ombo Shomongo als vierter von sechs Brüdern in Kinshasa auf die Welt kommt. Diese ist am 2. September 1967 keine Welt der Demokratie, sondern eine der Diktatur. Joseph Mobutu hat im Kongo das Sagen.
Ombos Eltern haben gelernt, mit dem Regime zu leben. Doch innerhalb der eigenen vier Wände lehren sie Unabhängigkeit. Der Vater arbeitet hart, um seinen sechs Kindern eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Auch Ombo wird ein Studium ermöglicht. Er schreibt sich für Psychologie ein: „Ich wollte Personalchef werden“, sagt er.
Drei Jahre später zerplatzt dieser Traum wie eine Seifenblase. Mobutu lässt die Universität schließen. Den guten Beziehungen von Ombos Vater ist es zu verdanken, dass er schnell einen Job bekommt. In einer staatlichen Klinik leitet er die Rechnungsabteilung.
Dort lernt er viele Menschen kennen. Mächtige Menschen. Und damit auch die Korruption. Doch er lässt sich nicht einspannen in fiese Machenschaften.
Nicht nur das wird ihm zum Verhängnis. Als politischer Anhänger der Überzeugung Lumumbas ist er der Diktatur ohnehin ein Dorn im Auge. Und er gibt zu: „Ich habe das Regime zu viel kritisiert.“
Gefängnis oder Flucht. Diese zwei Möglichkeiten bleiben dem 28-Jährigen. Er entscheidet sich für die Flucht.
In Deutschland ist er nach seiner Ankunft ein Niemand. Er hat nicht nur seine Familie in Afrika zurückgelassen, sondern auch seinen Pass. Er kommt in der Frommannkaserne unter – und spricht kein Wort Deutsch.
Die ersten Wochen sind hart. Ombo fühlt sich schrecklich allein, steht vor einer ungewissen Zukunft. Dennoch zweifelt er nicht an seinem Weg: „Gott hat mir diesen Plan gegeben – alles, was wir machen, ist geplant.“
Er glaubt an das Schicksal. Und Schicksal muss es wohl auch gewesen sein, als eines Abends beim Ausländertreff der Stuhl neben ihm frei blieb. Kurze Zeit später sitzt Sybille neben ihm – und plaudert mit ihm munter in seiner Muttersprache Französisch los. Doch nicht nur die Sprachgewandtheit der jungen Frau fasziniert den Afrikaner. In ihrer Gegenwart vergisst er alle Schwierigkeiten: „Da tut mir nix mehr weh.“
Wenn er mit Sybille durch die Stadt schlendert, halten ihn viele ob seiner dunklen Hautfarbe für einen Amerikaner. Aber das verschafft ihm nur auf der Straße Respekt. Daher gibt er offen zu, dass seine Frau ihm viele Türen geöffnet hat: „Für mich war auf einmal alles viel leichter.“
Doch die nächste Herausforderung lässt nicht lange auf sich warten: Aufgrund seiner immer noch schlechten Sprachkenntnisse bekommt er nur Aushilfsjobs. Als er nach zwei Monaten Drecksarbeit in einem Restaurant keinen Lohn bekommt, platzt ihm der Kragen: Er verweigert beim Arbeitsamt den nächsten Einsatz.
Seine Frau weiß, woran es hakt: Sie finanziert ihm ein Intensiv-Sprachtraining. Heute weiß auch Ombo: „Ohne eine Sprache bist du tot.“ Er schafft den Sprung in eine Zeitarbeitsfirma und landet bei Trumpf in Ditzingen. Doch auch dort hat es Ombo schnell satt, irgendwelche Handlanger-Jobs zu machen. Er fühlt sich unterfordert: „Ich bin doch intelligent.“
Mechatroniker will er werden. Doch dieses Ziel ist zu hoch gesteckt. Daher greift er zu, als ihm eine Ausbildung zum Industriemechaniker angeboten wird. Drei Mal die Woche abends und samstags drückt er die Schulbank. 2005 hat er seinen Abschluss in der Tasche: „Ich hab es geschafft.“
Für ihn ist es wichtig, seine Familie zu ernähren. „Das haben mir meine Eltern vorgelebt“, sagt er. Und auch er will seiner achtjährigen Tochter eine gute Zukunft bieten. Dazu gehört auch, dass sie zweisprachig aufwächst: Die Mutter spricht Deutsch mit Rachel, Ombo parliert mit ihr Französisch. „Sie versteht alles“, ist er sich sicher – auch wenn sie lieber auf Deutsch antwortet.
2005 hat Ombo die schwierigsten Hürden genommen: Er hat Familie, Arbeit und mittlerweile auch einen deutschen Pass. Er fühlt sich in Ludwigsburg zu Hause, nicht mehr als Fremder.
Doch das reicht dem Afrikaner nicht. Er will zurück in die Politik. Freunde empfehlen ihm die SPD: „Für sie bedeutet sozial eben, dass sie an Geld kommen, ohne zu arbeiten.“ Doch das ist seine Sache nicht. Er sagt vielmehr: „Man muss Leuten die Chance zur Arbeit geben.“
Ombo entscheidet sich für die CDU. Für sie will er 2009 in den Gemeinderat der Stadt Ludwigsburg einziehen, den Sprung in den Vorstand des Ortsverbandes Ludwigsburg hat er bereits letzten Sommer geschafft.
In Ludwigsburg will er sich für die Integration einsetzen, zwischen den Kulturen vermitteln. Denn: „Wenn jeder nur in seiner Ecke sitzt, dann schürt man Rassismus.“
Wenn Ombo Shomongo wollte, könnte er König sein. Im Heimatdorf seiner Mutter. So sieht es die kongolesische Tradition vor. Doch Ombo hat seinen Platz in Deutschland gefunden. Er ist eben ein überzeugter Demokrat.

Katja Sommer
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