05. Dezember 2007

Vom indischen Himalaya direkt auf den Barock-Weihnachtsmarkt

Brigitte Hoffmann ist Weltenbummlerin. Ihre Reisekasse füllt sie jedes Jahr auf dem Barock-Weihnachtsmarkt. 27 Tage steht sie dafür in einer der 166 Holzbuden, verkauft Kerzen. Gegen die deutsche Winterkälte hat sie einen Geheimtipp: Indische Woll-Unterwäsche.

Brigitte Hoffmann
Bild: Alfred Drossel
Elf Monate des Jahres ist Brigitte Hoffmann ein Kind der Freiheit. „Ich reise viel“, sagt die 45-Jährige. Die vergangenen Jahre hat sie in Indien verbracht – mal im tropischen Goa, mal im mächtigen Himalaya. Von dort ist sie auch dieses Jahr direkt nach Ludwigsburg gereist: Im Stand mit Hunderten von Kerzen verdient sie ihren Lebensunterhalt.
Ein ganzes Jahr lang kann sie von den Einnahmen leben. „Außerhalb von Europa ist der Euro richtig stark“, sagt sie. Ein kleines Zubrot verdient sie sich allerdings mit eigenem Kunsthandwerk: „Ich schnitze Schalen und Schmuck aus Kokosnüssen.“
Seit acht Jahren gehören die vier Wochen Angestellten-Dasein auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt fest zu Brigitte Hoffmanns Lebensrhythmus. Und die Anfangsschwierigkeiten sind längst vergessen. So hatte die Aachenerin einst Probleme mit dem Schwäbischen, besonders wenn ältere Leute „a Gugg“ von ihr verlangten. Heute weiß sie, dass sie ihre Ware dann einfach in eine Plastiktüte packen soll.
Am meisten zu schaffen macht ihr aber immer noch die Kälte. Sieben Schichten trägt sie, wenn das Thermometer unter die Nullgrad-Grenze sinkt. Obenauf immer die dicke Steppweste. Und sie schwört auf Woll-Unterwäsche aus Indien: „Die ist dort übrigens viel billiger als hier.“
Damit das frisch verdiente Geld nicht gleich wieder für ein teures Hotelzimmer drauf geht, wohnt Brigitte Hoffmann während des Weihnachtsmarkts bei Bekannten. Nach acht Jahren in Ludwigsburg hat sie eine feste Anlaufstelle. In einem Jahr, da hatte sie eine ganz besondere Adresse: Sie wohnte direkt am Marktplatz, mit Blick auf den Weihnachtsmarkt: „Das war herrlich“, schwärmt sie noch heute.
Unter der Woche ist sie Allein-Herrscherin über das Kerzenmeer. Sie kassiert und berät im Akkord. Denn die farbigen und duftenden Wachskreationen sind gefragt: „Es ist doch immer schön, etwas Licht zu schenken“, sagt Brigitte Hoffmann. Weil sie weiß, dass nach vier Wochen Dezemberkälte die Sehnsucht nach Tropensonne übermächtig wird, ist auch dieses Jahr der Flug in den Süden bereits gebucht: „Am 26. Dezember geht’s nach Brasilien – mal was Neues entdecken.“
Katja Sommer
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