14. Dezember 2009

Vuvuzelas und Tokoloshes

Südafrika ist ein Vielvölkerstaat. Schon vor 800 Jahren drangen in das Gebiet der Ureinwohner Khoisan (Khoikhoi = Hottentotten und San = Buschmänner) von Norden mehrere Bantuvölker ein. Unter ihnen Zulu und Xhosa, die heute die größten Bevölkerungsgruppen stellen. Nach den Holländern, die sich zunächst Buren, dann Afrikaaner nannten, kamen die Engländer. Die Kolonisten brachten Inder und Malayen ins Land, die hier Farbige heißen. Auch viele Deutsche ließen sich nieder. Heute kämpft Südafrika mit zahlreichen Emigranten aus ganz Schwarzafrika. Allein die Townships in Kapstadt wachsen monatlich um mindestens 5000 Menschen, mehr als die Hälfte davon sind keine gebürtigen Südafrikaner.

Auch wenn die wenigsten Schwarzen über kein Bankkonto verfügen, sind zumindest die Geldautomaten achtsprachig. In weiten Teilen des Landesinneren ist die vorherr-schende Sprache Afrikaans, während Englisch hauptsächlich an der Küste gesprochen wird. Um niemanden zu benachteiligen, wird die südafrikanische Nationalhymne neben diesen beiden Amtssprachen auch noch in Khoisan gesungen. Man darf gespannt sein auf die Weltmeisterschaftsspiele mit südafrikanischer Beteiligung, wenn vor dem Anpfiff zunächst fünf bis sechs Minuten lang alle Versionen der Hymne gesungen werden. Was im Anschluss daran folgt, hat die Welt noch nicht gesehen. Nicht das Spiel, nein, die Zuschauer mit ihren Vuvuzelas, den Plastiktröten, die die FIFA am liebsten verboten hätte. Eine allein ist schon ohrenbetäubend laut – aber 50000 im Schalltrichter eines Stadions auf einmal? Vuvuzelas werden auch bei uns bald zum Verkauf angeboten, allerdings in einer in der Lautstärke reduzierten Version.
Sollten Südafrikas Bafana, Bafana, was so viel heißt wie „unsere Jungs“ bei der Fuß-ball-WM frühzeitig ausscheiden, weiß man wenigstens, wer die Schuld trägt: der To-koloshe. Die Macht dieses ursprünglich bösen Geistes, der von vielen Schwarzen immer noch gefürchtet wird, verkehrten weiße Südafrikaner ins Gegenteil. Als im Haus aufgestellte kleine Holzfigur trägt der Tokoloshe immer die Schuld, was immer auch passiert oder nicht so läuft, wie
es soll.
Alle Texte und Bilder: Udo Jansen
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Anzeige
Digitale Beilage
UMFRAGE
Kanzlerkandidaten

In der SPD tobt die Debatte über den Kanzlerkandidaten. Wer sollte aus Ihrer Sicht Amtsinhaberin Angela Merkel herausfordern?

UMFRAGE
Smartphones

Sollen Smartphones in Schulen verboten werden?

Zeitschriftenvorteil