17. Oktober 2008

Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt

Frühlings Erwachen am Golf von Neapel und an der Amalfiküste

260 Leser folgten dem Ruf nach "Bella Italia", einer Reise ins zu-mindest halbwegs sonnige Sorrent, mit Ausflügen an die Amalfiküste, nach Pompeji und Paestum, auf die Insel Capri und zum Kraterrand des Vesuv – dies alles noch bevor in Italien die Erde bebte. Aufgeteilt in zwei Gruppen erlebten sie ab dem 29. bzw. 30. März sechs wundervolle Tage am Tyrrhenischen Meer.

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn? Wie weiland Goethe seinen Mignon fragen ließ, fragt man sich heute, was außer Zitronen, dem blauen Meer und alten Steinen heute noch geblieben ist von der romantisch verklärten Sicht vergangener Zeiten.
Reichlich, muss man sagen, wider erwarten. Das einzige was stört ist der Mensch. Zum einen wir selbst, wir alles niedertrampelnde Touristen, zum anderen die Bewohner. Zehnmal mehr als zu Goethes Zeiten leben heute in der Region Kampanien. Laut ist es geworden. Große Privatgrundstücke versperren den Weg ans Meer, kleine Autos die engen Gassen und Straßen.
Dennoch hat die Region nichts von ihrem Charme, ihrer Anziehungskraft verloren. So gilt die kurvenreiche, auf halber Höhe in die Steilhänge der Amalfiküste hinein gemeißelte Straße zurecht als eine der spektakulärsten Panoramastraßen der Welt. Über tausend Kurven soll sie haben! Dafür wird man belohnt mit faszinierenden Ausblicken auf ein türkisblaues Meer, auf versteckte Buchten mit sich an die Hänge schmiegenden Fischerdörfern, inmitten von Palmen und Zitronenhainen.
Einige der an der Amalfiküste gelegenen Orte waren vor dem Bau der Küstenstraße Mitte des 19. Jahrhunderts nur per Schiff und Boot erreichbar. Auch heute noch trifft man auf wenig übermäßig dicke Bewohner, schmiegen sich deren Häuser doch teilweise bis in hundert Meter Höhe an die steilen Felsen. Läden, Kirche, Restaurants indes liegen meist unten am Meer in unmittelbarer Nähe des Hafens.
Vor den Römern ließen sich um 600 v. Chr. die Griechen im damals von Etruskern bewohnten Kampanien nieder, ihre Geschichte und Mythologie mit im Gepäck. Der Name Sorrent soll sich von den Sirenen ableiten, deren betörendem Gesang Odysseus an den Mast seines Schiffes gefesselt widerstand.
Abgesehen vom Parthenon auf Athens Akropolis findet man die schönsten und best erhaltenen griechischen Tempel in Süditalien und Sizilien. Allein drei davon im hundert Kilometer südlich von Neapel gelegenen Paestum. Die 4,7 Kilometer lange, noch fast vollständig erhaltene Stadtmauer lässt in ihrer Blütezeit um 500 v. Chr. auf über 20 000 Einwohner schließen.
Auf den Spuren der Geschichte wandelt man allenthalben auf einer Rundreise durch die Region. Lange bevor Neapel Königreich wurde,  kämpfte bereits die Seefahrerrepublik Amalfi mit Pisa, Genua und Venedig um die Vorherrschaft im Tyrrhenischen Meer.
Den markantesten Stempel aber drückte das antike Rom in das Land rund um den Vesuv. Dessen verheerendem Ausbruch im Jahre 79 n. Chr. verdanken wir die außergewöhnlich gute Erhaltung der unter Asche und Lava begrabenen Städte Pompeji und Herculaneum. Ihrer schieren Größe wegen sollten historisch Interessierte allein für diese beiden Ausgrabungsstätten zwei volle Tage einplanen.
Auch so erfahren die Teilnehmer während ihres sechstägigen Aufenthalts deutlich mehr, als sie sich merken können. Dafür sorgen die vom Veranstalter Mondial Tours beauftragten lokalen Reiseführer Diana, Claudia, Beate, Ursula, Angelo, Nicola und Francesco, ganz gleich, ob sie über den Vesuv, das Kloster Montecassino oder über die Insel Capri referieren.
So zog Capri schon immer die Reichen und Schönen dieser Welt an, von Kaiser Tiberius über Onassis und die Familie Krupp bis hin zum Neuzugang Fiona Svarovski, der österreichischen Kristallglasprinzessin. Eine Insel zum Verlieben.
Bella, bella, bella, Marie, bleib mir treu, ich komm zurück morgen früh, oder nächstes Jahr, oder irgendwann, bella Italia.
    
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl? Dahin!
Dahin möcht' ich mit dir,
O mein Geliebter, ziehn.
Udo Jansen
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