02. Juli 2012

Zum Sonntag – 30. Juni

Es ist Sonntag. Ich fahre mit dem Auto zur ersten Predigtstelle. Einige sind in der gleichen Richtung unterwegs, zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Diakon Karl-Heinz Fruth, Möglingen
Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Diakon Karl-Heinz Fruth, Möglingen

Ob ich sie wohl nachher in der Kirche sehe? Nicht weit von der Kirche entfernt ist die Bäckerei. Dort stehen die Menschen bis auf die Straße und warten, bis sie die frischen Sonntagsbrötchen bekommen. Während ich vorbeifahre, schießen mir viele Gedanken durch den Kopf. Was müsste anders sein, dass viele zum Gottesdienst strömen würden? Das Angebot mit frischen Brötchen oder Kirchkaffee erweitern – das wird zwar geübt, doch das ist es nicht.

Ein Hunger nach Gottes Wort? Aber Hunger ist für mich ein Mangelbegriff, das möchte ich niemandem wünschen. Am Ziel sehe ich ein paar Gemeindeglieder, wie zum Beispiel die 96-Jährige, die sich die Kirchstaffel hinaufbemüht. Ihr ist der sonntägliche Gottesdienst wichtig. Im Kirchenraum sind einige Gottesdienstbesucher. Mir kommt die Frage: Kann ich den Menschen hier etwas bieten? Jesus sagte einmal zu seinen Jüngern: „Gebt ihr ihnen zu essen?“ Meine Predigt habe ich nach allen Regeln der Kunst vorbereitet, doch wird sie „das Brot für den Glauben“, mit dem die Gottesdienstbesucher gestärkt in die neue Woche gehen können? Ich empfinde, dass ich mit dem Bäckerladen in Konkurrenz gehe. Ich habe noch Zeit für ein stilles Gebet, bis die Orgel mit dem Vorspiel einsetzt.

Mir kommt ein„Ich-bin-Wort“ von Jesus in den Sinn: Johannes 6, 35: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Meine Anspannung legt sich, ein Aha-Erlebnis wird dieses Wort für mich. Ich muss nicht und kann nicht der Broterzeuger für die Gemeinde sein. Ich muss nur das austeilen, was auch ich empfangen habe. Mit neuem inneren Verständnis halte ich den Gottesdienst, ich habe der Gemeinde etwas zu bieten, das ihr zum geistlichen Brot werden kann. Eigentlich ist es nur der Hinweis: Bei Jesus bekommt ihr und ich Lebensbrot zum Leben, sonntags im Gottes- dienst und jeden Tag.

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