03. September 2015

Alleen brauchen viel Zuwendung

Die städtische Abteilung Grünflächen und Ökologie setzt sich für die Anlagen ein – Grünkonzept nennt auch langfristige Ziele

Blick in die Alt-Württemberg-Allee, die derzeit saniert wird. Die Bäume erhalten größere Wurzelbeete. Foto: Holm Wolschendorf

Blick in die Alt-Württemberg-Allee, die derzeit saniert wird. Die Bäume erhalten größere Wurzelbeete. Foto: Holm Wolschendorf

Die Linden mit ihrem frischen Grün recken sich hoch empor, bilden ein Dach über der Straße. Es ist schattig, die grüne Architektur besticht auf den ersten Blick. In der Alt-Württemberg-Allee ist die ursprünglich barocke Anlage noch spürbar. Derzeit sind die Baumstämme mit Brettern verschalt, zum Schutz vor Verletzungen. Die Allee wird für rund 1,2 Millionen Euro saniert. Die Alleen, so Nicole Preußner, Leiterin der städtischen Abteilung Grünflächen und Ökologie, sind schließlich Kulturdenkmale und sollen, wie es auch im jüngst vorgelegten Freiflächennutzungsplan heißt, gestärkt werden. Nicht nur schwarzer Asphalt wird auf der Fahrbahn aufgetragen, auch die Pflanzbeete werden größer, die Wurzeln der Bäume bekommen mehr Platz. Weil man diese nicht sieht, hat man ihnen früher oft zu wenig Raum gegeben, so Preußner. In der Alt-Württemberg-Allee dürfen die Wurzeln sogar in dafür vorgesehene Aufweitungen unterhalb der neu angelegten Stellplätze wachsen. Die Bäume, so Preußner, sind wichtig für eine Stadt, zumal es in Städten grundsätzlich heißer ist als anderswo. Die Straßen, die Plätze heizen sich auf, es entstehen Wärmeinseln. Menschen und Bäume können da schnell in Stress geraten, sagt sie. Grünbereiche sorgen dagegen für Verschattung. Eine Stadt dürfe auch nicht nur auf eine Baumart setzen – weil ihr Grün dann anfälliger wäre für Schädlinge. Beispielsweise setzt die Moniermotte den Kastanien heftig zu.    

 

Ein Konzept für attraktive Freiräume und grüne Boulevards  

Innerhalb einer Allee wird es deshalb aber kein Durcheinander geben. Eine Lindenallee erhält bei einer Nachpflanzung Linden, eine Kastanienallee wieder Kastanien. „Bei neuen Anlagen testen wir auch immer mal wieder neue Baumarten“, so Preußner. In Ludwigsburg gibt es denn auch verschiedenste Alleen: Ahorn-, Amberbaum-, Platanen- und Eichenalleen, die häufigsten sind Linden- und Kastanienalleen. Erst jüngst sind in der Gänsfußallee 30 Spitzahornbäume nachgepflanzt worden. Immer wieder wird Kritik laut, dass die Alleen nicht gepflegt würden. Doch Ludwigsburg, das aus lauter Alleen besteht, hat viele Arbeitsfelder. „Wir kümmern uns sehr stark um die Alleen“, ist Preußner überzeugt. „Wir schauen uns jedes Jahr die Bäume genau an.“ Es werde nachgepflanzt, Pflegemaßnahmen werden vorgenommen. „Wir können aber nicht alles auf einmal machen.“ So weiß sie als Landschaftsarchitektin und Zuständige für die Alleen, dass es beispielsweise an der Heilbronner Straße Probleme gibt. Wo die Standorte zu klein sind, gehen die Bäume ein – deshalb werde auch nicht nachgepflanzt. Für eine zweireihige Allee sei der Pflanzstreifen zu schmal. Weil das Radroutenkonzept auch die Heilbronner Straße und die Marbacher Straße betreffe, setze sie auf ein Gesamtkonzept für diesen Bereich. In der Schlieffenstraße, ein wichtiger Teil des Grünen Rings um Ludwigsburg, sieht Preußner wenig Möglichkeiten. Da müsse auch ein Verkehrskonzept her, für die Bäume sei der Wurzelraum zu beengt. Bäume und Alleen sind aber nicht alles. Das Freiflächenentwicklungskonzept der Stadt regt an, attraktive Freiräume und Boulevards zu schaffen. Diese sollen dazu beitragen, sich autofrei in der Stadt zu bewegen. Das heißt: Viele müssen nur kurze Wege zurücklegen. Kann man unter Bäumen spazieren oder mit dem Rad fahren, macht man das eher – selbst wenn daneben der Verkehr tobt. Wie man eine Allee stärken kann, zeigt das Konzept anhand der Robert-Franck- Allee. Sie könnte wieder als zweireihige Allee hergestellt werden, der Übergang von den Wohnbereichen zum Salonwald könnte – etwa mit Baumgruppen – attraktiver gestaltet werden. Genannt wird auch eine durchgängige Achse für Radfahrer von der B 27 bis Grünbühl-Sonnenberg. 

 

Zukunftsträume an der B 27 und entlang der großen Verkehrsachsen 

Ähnlich könnte der Boulevard an der B 27 aufgewertet werden, heißt es in dem Konzept. Mehr Baumreihen und Baumquartiere, bessere Übergänge über die Bundesstraße, weniger Verkehrsfläche lauten die Stichworte – die allerdings Zukunftsmusik sein dürften. Die Idee einer Landesgartenschau, von der CDU vor Monaten aufs Tapet gebracht, ist von solchen Gedanken nicht weit entfernt. Allerdings wäre dazu ein Tunnelbau erforderlich. Ohne einen solchen Tunnel schlägt die Lubu-Stadträtin Elga Burkhardt schon seit vielen Jahren vor, die B 27 als Allee zu gestalten. Apropos Zukunft: Das Konzept, das im Einzelnen allerdings nicht bindend ist, hat da noch weitere Köstlichkeiten aufzuwarten. Etwa den, die Bärenwiese zu erweitern, wofür die jetzigen Parkplätzen entfallen müssten. Ganz abwegig findet das Preußner nicht. In Koblenz habe ein Parkhaus weitergeholfen.

HANS-PETER JANS
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