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Ludwigsburg | 29. Januar 2016

Die ewig gleiche Nummer eins

Die Abstände zwischen den Nummern eins und zwei fallen im Wahlkreis Ludwigsburg fast durchweg geringer aus als in den beiden Wahlkreisen Bietigheim-Bissingen und Vaihingen. 2011 verdrängten die Grünen die SPD vom zweiten Platz. Die CDU verteidigte zwar den ersten, doch mit mageren 35,1 Prozent.

Ein Wahlkreis der Beständigkeit. Oder eher der Langeweile? Denn die ewig gleichen Gesichter sitzen seit Jahren im Landtag von Baden-Württemberg. Irgendwie kommen die Parteien, die landesweit die Fünf-Prozent-Hürde nehmen, in Ludwigsburg und den fünf Kommunen drumherum immer zu einem Mandat. Mit Ausnahme der FDP, die zwar jedes Mal einen neuen Kopf präsentiert, aber in 40 Jahren seit Bestehen des Wahlkreises nur einmal zum Zuge kam, und zwar 1976 mit dem Ludwigsburger Amtsrichter und Kommunalpolitiker Wolfram Bergerowski.

 

Landtagswahlkreis 12 Ludwigsburg 

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Seit 40 Jahren immer das gleiche Ergebnis: Direktmandat für die CDU, ein Zweitmandat für die SPD. Und seit 1992 dürfen sich auch die Grünen durchweg über einen Vertreter im Landtag freuen – über die Zweitzuteilung. Selbst in den zehn Jahren, in denen die Republikaner im Landtag saßen, gingen sie im Wahlkreis Ludwigsburg nie leer aus. Als ob die Wähler mit ihrem Stimmzettel für Gerechtigkeit sorgen wollen, bedenken sie die drei Parteien mit Abgeordneten. Kontinuität allenthalben. Wer einmal im Landtag sitzt, darf bleiben, bis er selbst geht.

 

In vier Jahrzehnten lediglich drei Gesichter bei der CDU: zuerst der Ludwigsburger Stadtrat und Diplom-Volkswirt Rolf Schöck, der nach der Politik ins Bankfach wechselte. Dann Karl Lang, Jurist und Kommunalpolitiker in Kornwestheim. Als Lang nicht mehr wollte, exportierte eine Mehrheit der CDU-Wahlkreisversammlung in Kornwestheim mit Klaus Herrmann einen Christdemokraten aus Gerlingen und damit aus dem Wahlkreis Vaihingen nach Ludwigsburg. Und der hat nach 20 Jahren immer noch nicht genug.

 

Landtagswahlkreis 12 Ludwigsburg

 

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In vier Jahrzehnten mussten sich die Wähler bei der SPD nur an zwei Gesichter gewöhnen: Zuerst an das von Hans Beerstecher aus Ludwigsburg, der 1992 als Vorstand zur L-Bank, der Staatsbank Baden-Württembergs wechselte. Bei der Entscheidung über die Nachfolge setzte sich der Marbacher Stadtrat Claus Schmiedel gegen seine Ratskollegen Erika Raupp (Remseck) und Siegbert Hörer (Kornwestheim) durch. Schmiedel kam, sah, siegte und blieb bis jetzt. Nun als Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag will er sein Mandat am 13. März zum vierten Mal verteidigen.

 

Und die Grünen? Da überstand Jürgen Walter aus Asperg alle Rotationsversuche in seiner Partei. Seit zwei Dutzend Jahren zeigt er Sitzfleisch, eine besondere Form der Ausdauer in der Politik. Inzwischen Staatssekretär im Wissenschaftsministerium Baden-Württembergs, will der gelernte Sprachwissenschaftler noch fünf Jahre dranhängen. Erbhöfe werden inzwischen auch bei den Grünen toleriert. Zunächst ewig Dritter, konnte sich Walter vor fünf Jahren zur zweitstärksten Kraft im Wahlkreis aufschwingen. Mit fast 27 Prozent lag er nur noch 8,2 Prozent hinter Klaus Herrmann, der das Direktmandat, wenn auch glanzlos, verteidigte. Noch weiter ran an die Union war 2001 die SPD gerückt – nur 3,1 Prozent lag sie hinter der ewigen Nummer eins. Vor fünf Jahren gewannen die Grünen 11,8 Prozent hinzu, alle anderen büßten ein: CDU minus 3,7 Prozent, SPD minus 1,9 Prozent, FDP minus 5,6. Die CDU holte trotzdem die Mehrheit in allen Kommunen des Wahlkreises, am knappsten in der Stadt Ludwigsburg mit 33,1 Prozent vor den Grünen, die als Zweitstärkste sich fast an die 30-Prozent-Schwelle heranrobbten.

 

Diesmal treten im Wahlkreis Ludwigsburg zwölf Parteien an, im Nachbarwahlkreis Vaihingen sind es elf, in Bietigheim-Bissingen zehn. Immer dabei die Alternative für Deutschland (AfD) und ihre Abspaltung, die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA).

von günter bächle
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