Neckar
Ludwigsburg | 02. Februar 2016

Mit einem Sonnendeck und Uferpflanzen

Umgestaltung der Uferwiesen II steht dieses Jahr ab Juli an – 1,6 Millionen Euro für den neuen Abschnitt – Auf Schuppenwurz wird Rücksicht genommen

Blick auf die Schiffsanlegestelle und das Ufer (im Bild rechts davon), das nun umgestaltet werden soll. Foto: Holm Wolschendorf
Blick auf die Schiffsanlegestelle und das Ufer (im Bild rechts davon), das nun umgestaltet werden soll. Foto: Holm Wolschendorf

Auch wenn es weit hoch zum Schloss und zur Innenstadt ist, auch wenn die Barockstadt nicht „Ludwigsburg am Neckar“ heißt – irgendwie gehört der Fluss zur Stadt. Die Ludwigsburger leben mit ihm, fahren über Neckarbrücken zum nächsten Stadtteil, schauen vom Freibad zu den Lastschiffen, die ab und zu mit Alteisen beladen vorbeigleiten.

 

Seit einiger Zeit erholen sich die Städter am Ufer, der gut und gerne Hohen-ecker Strand getauft werden könnte. Im Sommer spielen dort Kinder, manchmal nimmt das Gelände eine Horde von Schwänen in Beschlag. Immer wieder legt ein Kreuzfahrtschiff an. An einer Anlegestelle, die mehr schlecht als recht geteert ist. Die Abschrankung ist grau gestrichen, die Farbe blättert ab.

 

Das soll sich ändern. Für 1,6 Millionen Euro wird die Anlegestelle komplett neu gemacht, mit ordentlichem Zugang und einem Sonnendeck mit Bänken. Auch im Umfeld soll sich was ändern, das Ufer wird auf einem weiteren Abschnitt naturnah umgestaltet. Nach Uferwiesen I folgt Uferwiesen II. Es ist ein Teil einer ursprünglich deutlich größeren Lösung. Wie schon vor einem Jahr beschlossen, könnten ab Sommer die Arbeiten beginnen. Verspätet zwar, weil schon für letzten Herbst angekündigt, jetzt aber ohne weitere Hürden.

 

BUND hält Eingriff für unnötig

Das Wasserschifffahrtsamt ist auch bei diesem Neckarprojekt finanziell beteiligt, engagiert sich aber weniger stark als bisher. 120 000 Euro steuert es bei, die Stadt 1,44 Millionen. Fördergelder erwartet man in Höhe von 685 000 Euro.

 

Anfangs war unklar, wie stark in das Ufer eingegriffen werden kann und ob Bäume, darunter auch Pappeln, wirklich entfernt werden dürfen. 17 Bäume sollen gefällt werden. Naturschützer entdeckten dann eine besondere Pflanze, die Schuppenwurz, die dort beheimatet ist.

 

Politisch hat der Bauausschuss des Gemeinderats das Projekt abgesegnet, Kritik gibt es weiterhin aus den Reihen der Naturschützer. Der BUND verlangt, dass ein wasserrechtliches Planfeststellungsverfahren durchgeführt wird. Er hält die Maßnahme für unnötig, das Ufer weise nur geringe Schäden auf. Ökologisch sinnvoller und für das Stadtklima besser wäre es, unüberbaubare Grünflächen innerhalb des Stadtgebiets, etwa bei Eglosheim oder zwischen Oststadt und Oßweil, auszuweisen.

 

Aus Sicht der städtischen Abteilung Grünflächen und Ökologie ist die Uferumgestaltung ein richtiger Schritt. „Jetzt sind dort Wiesen und Pappeln, wir schaffen wassernahe Vegetationsflächen“, erklärt Nicole Preußner. Ufertypische Bäume werden nachgepflanzt, es wird ein Schilfgürtel angelegt und damit werden Brutflächen für Wasservögel entstehen. Es werden Kiesinseln entstehen, im Stillgewässer gibt es Laichplätze.

 

„Die Kritik der Naturschützer können wir nur schwer nachvollziehen“, so Preußner. Die Stadt habe auch Fragen des Artenschutzes berücksichtigt, die Schuppenwurz bleibe erhalten. Positiv wertet sie auch, dass zwei Neckarzuflüsse renaturiert werden. Derzeit erkennt man nur Rohre, die Wasser von einem Überlaufbecken beziehungsweise von der sogenannten Hohenecker Erbsenquelle in den Fluss abführen. Auch diese Bereiche sollen entsprechend gestaltet werden.

 

Mit Schilf naturnah gestaltet

Zwischen diesen und der Schiffsanlegestelle wird eine neue Bucht angelegt, die mit Schilf naturnah gestaltet wird, aber auch der Naherholung dient. Mit Sonnenliegen, einem Kiesstrand und Steinen im Wasser. „Da darf man dann auch mit den Füßen rein“, so Preußner.

 

Für die Boule-Bahn, wie es der Stadtteilausschuss Hoheneck vorgeschlagen hat, ist nach Ansicht der Leiterin der Standort am Neckar nicht geeignet. Es werde nach einer Alternative gesucht. Noch offen ist, ob im Zusammenhang mit den Planungen der Region Stuttgart, die entlang des Neckars E-Bike-Stationen anbieten will, etwas zurückgesetzt am Weg eine E-Bike-Station kommen wird. Leerrohre sollen verlegt werden.

 

Zurzeit wird die wasserrechtliche Genehmigung beim Landratsamt eingeholt und die Vergabe vorbereitet. Diese wird dem Bauausschuss voraussichtlich im Juli vorgelegt. Danach kann es losgehen, bis Mitte 2017 werden sich die Bauarbeiten hinziehen.

Hans-Peter Jans
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