25. Mai 2016

Vielfalt? Nein! Wirrwar

Eigentlich steckt in der Batterie noch genügend Strom für die Heimfahrt vom Baden-Airpark, dem kleinen Flughafen bei Baden-Baden. Die 76,3 Kilometer hin über Bundesstraßen und Autobahnen verbrauchten 46 Prozent der Energie, ließen die Reichweite von 182 auf 103 Kilometer schrumpfen. Da ist also die Tour retour noch drin. Weil aber www.goingelectric.de, der Internet-Routenplaner für E-Mobile, eine Ladestation in der Flugstraße von Baden-Baden anführt, bei der auch mit der Ladekarte der Stadtwerke Ludwigsburg getankt werden könne, reizt es, die Probe aufs Exempel zu machen.

Und die beiden Ladeplätze – jeweils 22-kW-Leistung, Steckertyp zwei – gleich links neben der Einfahrt sind frei. Also Kabel raus, Ladekarte ans Display gehalten, gewartet („Daten werden geprüft“) und dann die ernüchternde Mitteilung, die Karte werde nicht akzeptiert. Genauso war es mir im März in Tübingen – auch an einer EnBW-Zapfsäule – passiert. Höchst ärgerlich, zumal beide Ladestationen auch unter www.ladenetz.de aufgeführt werden, einem Verbund von EnBW und Stadtwerken, unter anderem denen in Ludwigsburg. Wem das häufiger unterläuft, bei dem kommt Frust auf. Was wäre, wenn ich nun dringend Strom gebraucht hätte, um unterwegs nicht liegenzubleiben? Dann hätte ich die anderen fünf E-Tankstellen in der Kurstadt abklappern müssen. Zusätzliche Kilometer, Zeitverlust und die zentrale Frage: Habe ich auch die passende Ladekarte? Das Risiko fährt mit. Schon die Anfrage beim Betreiber des Baden-Airparks nach einer Ladestation auf dem Flughafenareal brachte die ernüchternde Auskunft, man bedauere, aber so etwas gebe es bei ihnen noch nicht. Ein Armutszeugnis! Zurück zu Park & ride Oos-West. Mit 48 Prozent Akkuinhalt breche ich den Tankversuch ab, fahre zurück, steuere flott über die Autobahn, halte mit sechs Prozent Restvolumen an der Schnellladestation des Pforzheimer Nissan-Autohauses Walter in der Bauschlotter Straße an, ganz in der Nähe der Autobahnanschlussstelle Nord: Dank 50 Kilowatt Leistung mit dem Chademo-Stecker stockt die Ladestation die 30-kWh-Batterie meines Stromers in 40 Minuten auf 97 Prozent auf. Das reicht bis Ludwigsburg und darüber hinaus. Es ist also gutgegangen. Doch weshalb verweigerte sich die EnBW-Station? Bei den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim heißt es: Vereinzelt könne es vorkommen, dass die EnBW-Ladesäulen nicht aktualisiert sind. Es gebe wohl drei Generationen dieser Stationen und nicht jede Ladesäule sei online mit dem Back-end verbunden. Das heißt: Nur die aktualisierten Ladesäulen akzeptieren meine Ladekarte. „Da hilft es nur, wenn Sie direkt bei der EnBW anrufen und sich beschweren.“ Die EnBW entschuldigt sich. Die Ladestation habe im Moment technische Probleme. „Wir haben unseren Hardwarehersteller umgehend beauftragt, um dies zu prüfen und zu reparieren.“ Als kleine Entschädigung gibt es – immerhin – eine Prepaid-Ladekarte im Wert von zehn Euro. Aha, die Säule war’s. Ich dachte schon, mein Ladekartensortiment aufrüsten zu müssen. Neben Plastik der Stadtwerke Ludwigsburg und von Bosch hätten sich, gerade bei dieser Ladesäule in Oos, angeboten: die Karten der Stadtwerke Wuppertal, Metzingen und Kassel, Charge & Fuelder Volkswagen Financial Services (Karte und App), eine App auf meinem Smartphone von Charge&Pay von Bosch Software Innovations sowie insgesamt 20 Apps und Karten verschiedener Bezahlanbieter, die dem Verbund EnBW angehören. Vielfalt? Nein! Wirrwar! Die Leiden eines E-Mobilisten. Vereinfachen, heißt das Gebot der Stunde. Doch dazu steht nichts im Programm der Bundesregierung zur Förderung der Elektromobilität. Immerhin 300 Millionen Euro stellt sie von 2017 und bis 2020 bereit, um das Netz an Schnell- und Normalladestellen dichter zu knüpfen. Vielleicht kann sich dann auch die Baden-Flughafengesellschaft eine oder zwei leisten. Aber nicht zu früh freuen: Die Förderrichtlinie zur Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ist erst noch in Arbeit. Die Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen wird das Programm verwalten. Und das klingt nach viel Bürokratie.

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