Lösung: Quiz zur Woche der Armut

Liga der Freien Wohlfahrtsverbände

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Lösung der Quizfragen

 

Lösung der Quizfragen zur Woche der Armut (Oktober 2017)

 

1. Unterscheidet sich die durchschnittliche Lebenserwartung eines als arm geltenden Mannes (z.B. eines sehr gering Verdienenden oder eines Langzeitarbeitslosen) von der eines berufstätigen Durchschnittsverdieners?

 

Das Robert-Koch-Institut veröffentlichte 2013 eine Studie, die ergab, dass eine gering verdienende Person oder ein Langzeitarbeitsloser durchschnittlich 11 Jahre früher stirbt.

 

 

2. Ein Mann verdient derzeit 2.550 Euro brutto und steigert seine Rentenerwartung damit innerhalb von 5 Jahren um rund 150 Euro. Wie wirken sich 5 Jahre Arbeitslosigkeit (bei Bezug von ALGII) auf die Höhe seiner zu erwartenden Monatsrente aus?

 

Nach einer Auskunft der Deutschen Rentenversicherung steigt die Rente in diesem Fall innerhalb von fünf Jahren um rund 10 Euro, da nur noch sehr geringe Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt werden.

 

 

3. Die Stadt Ludwigsburg hat derzeit 93.100 Einwohner, die in rund 61.000 Haushalten leben.

Wieviel Sozialwohnungen gibt es für die Ludwigsburger Bewohnerinnen und Bewohner?

 

Die Wohnungsbau Ludwigsburg GmbH teilte mit, dass es in Ludwigsburg insgesamt 628 Sozialwohnungen gibt, davon können jährlich etwa 20 neu belegt werden. Der Bedarf liegt um ein Vielfaches höher.

 

 

4. Wieviel Geld sieht das Gesetz für einen Hartz-IV-Empfänger pro Tag für Essen und (alkoholfreie) Getränke vor?

 

Im Sozialgesetzbuch (SGB) II ist der monatliche Regelsatz für alleinstehende Arbeitslose geregelt,

die keinen Anspruch auf andere Sozialleistungen haben. Im Regelbedarfsermittlungsgesetz werden die monatlichen Anteile für die verschiedenen Lebensbereiche festgelegt. Momentan sind monatlich 145,20 Euro für Essen und Trinken vorgesehen. Daraus ergibt sich ein Tagessatz von 4,75€. Alkohol ist im Regelsatz nicht vorgesehen. Für Bildung ist 1,55 Euro vorgesehen.

 

 

5. Wer eine Wohnung sucht und Sozialleistungen wie ALGII oder Grundsicherung im Alter bekommt, kann nicht jede freie Wohnung anmieten. Die Mietkosten müssen sich innerhalb einer Obergrenze bewegen. Wie viel darf eine Wohnung für 2 Personen in Bietigheim-Bissingen, Asperg, Tamm, oder Schwieberdingen maximal kosten (inklusive Nebenkosten wie Wasser/Abwasser, Hausmeister, Steuern, Versicherungen usw.)?

 

Nach dem schlüssigen Konzept des Landkreises Ludwigsburg (erhältlich beim Jobcenter) beträgt die Mietobergrenze für die 4 genannten Kommunen 511,00€. Auch wenn eine Wohnung in dieser Grenze gefunden wird, muss sie vom Amt bewilligt werden, ehe der Mietvertrag unterschrieben wird. Andernfalls kann das Amt die Unterstützung verweigern.

 

 

6. Was ist ein P-Konto?

 

Das P-Konto (= Pfändungsschutzkonto) ist ein Konto, das vor einer Kontopfändung schützt bis zu einem bestimmten Freibetrag. Es ist in § 850 k Zivilprozessordnung geregelt. Nähere Informationen zum Pfändungsschutzkonto erhalten sie bei den Schuldnerberatungsstellen im Landkreis (Kreisdiakonieverband, Landratsamt, Sozialberatung Ludwigsburg e.V.)

 

 

7. Wer nach 35-40 Beitragsjahren eine gesetzliche Rente bekommen möchte, die für den Lebensunterhalt und die Miete ausreicht, sollte heute im Monat mindestens welches Bruttogehalt haben?

 

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) errechnete, dass der Bruttoverdienst bei mindestens 2.500 € liegen sollte, um im Alter nicht auf Sozialleistungen angewiesen zu sein.

 

 

8. Zum so genannten Regelsatz bei ALGII oder Grundsicherung im Alter gehören alle Ausgaben für Essen und Getränke, Strom, Telefon und Internet, Kleidung, Verkehr, Gebühren und alle Anschaffungen für Wohnung, ggf. Auto, Gesundheit und den täglichen Bedarf sowie Ansparungen für Haushaltsgeräte oder größere Anschaffungen.

Wie hoch ist dieser Regelsatz für einen allein lebenden Menschen, der ALGII oder Grundsicherung bekommt?

 

Laut Bedarfsermittlungsgesetz liegt der derzeitige Betrag seit 01.01.2017 bei 409,00€ im Monat. Dieser Betrag muss u.a. für alle in der Frage genannten Bedürfnisse ausreichen. Auch die Kosten für einen neuen Personalausweis sind eingerechnet. Dafür, für eine eventuelle Stromnachzahlung oder für alle weiteren größeren  Anschaffungen muss monatlich ein Teil des Regelsatzes angespart werden.

 

 

9. Die Kinderarmut in Deutschland wächst. Inzwischen gelten 19% aller Kinder als arm. Politiker reagieren darauf in der Regel mit der Forderung nach Kindergelderhöhung.

Wieviel hat eine Familie im Hartz IV-Bezug mit zwei Kindern nach einer Erhöhung des Kindergeldes um monatlich 10 Euro pro Kind tatsächlich mehr zur Verfügung?

 

In §22 SGB II ist beschrieben, dass jedes Einkommen auf den monatlichen Bedarf angerechnet wird. Somit wird auch das höhere Kindergeld beim Hartz IV angerechnet, und vom Bedarf abgezogen. Der monatliche Gewinn einer Familie im Sozialleistungsbezug steigert sich folglich um 0 Euro. Alle anderen Familien im Land haben also nach einer Kindergelderhöhung mehr Geld zu Verfügung – außer den tatsächlich von Kinderarmut Betroffenen.

 

 

10. Wer hat Anspruch auf Kinderzuschlag?

 

Kinderzuschlag steht Familien zu, deren Einkommen für die Eltern zum Leben ausreicht, aber nicht für die Kinder. Dies ist eine grobe Zusammenfassung der etwas komplizierteren Voraussetzungen für die Berechnung des Kinderzuschlags laut der Agentur für Arbeit. Wer prüfen möchte, ob seine Familie Anspruch auf Kinderzuschlag hat, sollte sich beraten lassen oder einen der Kinderzuschlagsrechner im Internet als ersten Überblick benutzen.

 

 

11. Wenn jemand, der/die Sozialleistungen bekommt, eine neue Brille benötigt, wer übernimmt die Kosten?

 

Im SGB II (Hartz IV) und SGB XII (Grundsicherung im Alter) sind geregelt, welche Leistungen zusätzlich beantragbar sind (beispielsweise  eine Erstausstattung für eine Wohnung). Wenn eine Person nicht mehr gut lesen kann, übernimmt niemand bzw. er /sie selbst die Kosten einer Brille. Erst ab einer sehr starken Beeinträchtigung der Sehleistung kann die Krankenkasse die Kosten übernehmen.

 

 

12. Wie haben sich die Reallöhne innerhalb der Europäischen Union in den Jahren von 2000 – 2008 entwickelt?

 

Nach einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, in der Rheinischen Post online veröffentlicht wurde, sind die Reallöhne in allen Mitgliedsstaaten der EU um knapp 3% bis über 300% gestiegen, außer in Deutschland. Hier sind sie um 0,8% gesunken.

 

 

13. In welcher Bevölkerungsgruppe ist das Risiko, arm zu werden, am höchsten?

 

Nach dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist das Risiko arm zu werden bei alleinerziehenden Männern und Frauen am höchsten.

 

 

14. Wohnen in Deutschland wird immer teurer, besonders in Großstädten wie München, Düsseldorf oder Stuttgart.

Wie viele Städte im Landkreis Ludwigsburg gehören auch zu den 20 Städten in Deutschland, in denen die Mieten am höchsten sind?

 

Nach dem Mietspiegelindex 2016 von der F+B (Forschung und Beratung) GmbH liegt die Stadt Ludwigsburg auf Platz 8 (Düsseldorf auf Platz 9). Außerdem sind 3 andere Kommunen des Landkreises unter den 20 teuersten Städten Deutschlands. Ditzingen liegt auf Platz 7, Remseck am Neckar Platz 14 und Bietigheim-Bissingen liegt auf Platz 19.

 

 

15. Was ist ein Tafelladen?

 

Ein Tafelladen ist ein Lebensmittelladen für Menschen mit geringem Einkommen. Genauere Informationen dazu sind im Internet unter http://www.ludwigstafel.de/ zu finden oder vor Ort in den Tafelläden. Ob Sie einen Tafelausweis erhalten, können Sie bei der Sozialberatung der Wohlfahrtsverbände berechnen lassen.

 

 

16. Wer hat Anspruch auf Wohngeld? (Berechnung ist einzelfallabhängig)

 

Laut Wohngeldgesetz können geringverdienende Familien oder Alleinerziehende, die keine Grundsicherung nach SGB II oder SGB XII bekommen einen Anspruch auf Wohngeld haben. Nähere Informationen erhalten Sie bei den Sozialberatungsstellen der Wohlfahrtsverbände oder direkt bei den  Wohngeldstellen der Städte. Einen ersten Überblick, ob ein Wohngeldantrag in Frage kommt, bieten auch die Wohngeldrechner im Internet.

 

 

17. Im europäischen Durchschnitt arbeiten 15,9% der Beschäftigten im Niedriglohnbereich, das heißt, ihr Bruttoverdienst beträgt 2/3 oder weniger des Medianverdienstes (tatsächlicher Mittelwert) des jeweiligen Landes.

Wieviel Prozent der Beschäftigten arbeiten in Deutschland im Niedriglohnbereich?

 

22,5% der deutschen Arbeitnehmer arbeitet im Niedriglohnbereich. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken im Bundestag hervor, die sich auf die Quelle Eurostat 2016 beruft.

Den höchsten Anteil von Arbeitern im Niedriglohnbereich hat Lettland mit 25,5%, dann folgen Rumänien, Litauen, Polen und Estland – unmittelbar gefolgt von Deutschland mit 22,5%. Den niedrigsten Anteil hat Schweden mit 2,6%, gefolgt von Ländern wie Belgien, Finnland, Dänemark Italien oder Frankreich (alle unter 10%)!

 

 

 

Lösungswort:                 A R M U T   B E T R I F F T    A L L E

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