In den kommenden Tagen vor Weihnachten werden in den Kirchen und in vielen Häusern wieder die Weihnachtskrippen aufgebaut. Neben Maria, Josef und dem Jesuskind dürfen zwei Figuren nicht fehlen: Ochs und Esel. Was haben ausgerechnet diese beiden Tiere an der Krippe zu suchen? Schauen wir in die Weihnachtsgeschichte, so fehlen sie dort.
Der Ursprung dieser Tradition findet sich im Alten Testament, im Buch des Propheten Jesaja. Gleich zu Beginn heißt es dort: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.“
Jesaja möchte mit diesem Satz zeigen, wie sehr sich der Mensch immer wieder gegen die Herrschaft Gottes sperrt – ganz im Gegensatz zum Vieh. Trotz Gottes Fürsorge wenden wir uns immer wieder von ihm ab. Trotz seiner Güte sind uns andere Dinge oft wichtiger.
Mit Bedacht wählt Jesaja zur Verdeutlichung seines Anliegens gerade Ochs und Esel. Beide sind treue Haustiere, die – auch wenn ihnen gelegentlich Dummheit und Naivität nachgesagt wird – doch stets wissen, wo ihr Zuhause ist und wo sie hingehören. Der Ochse erkennt seinen Eigentümer, obwohl er von diesem in das Joch eingespannt wird und den Pflug ziehen muss. Der Esel findet die Krippe seines Herrn, obwohl er mit schweren Lasten bepackt wird und unter diesen manchmal zusammenbricht.
Sind wir klug genug, in diesen Tagen vor Weihnachten unseren Herrn zu erkennen? Bei all der Geschäftigkeit, bei all den Vorbereitungen? „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn.“
Oder muss es bei uns eher heißen: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“
Oliver Merkelbach, kath. Dekan Ludwigsburg
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