Teils aus dem alten Jahr mitgenommen, teils durch weitere Ereignisse im neuen Jahr ergänzt: Wir sind immer noch Zeugen heftiger Debatten um Wahrheit und Lüge. Der erste Mann im Staat erhofft, das Ende der bohrenden Fragen, die seine Glaubwürdigkeit erschüttern. Der Kapitän der Costa Concordia hat versucht, sich mit seiner Version des Geschehens aus der Affäre zu ziehen. Manche Gegner und Befürworter von S21 scheuen keine Tricks, ihre Interessen als Wahrheit und die andern als Lügner darzustellen.
„Jemand zu sein“ scheint oft auch im alltäglichen Leben ohne List, Selbstverherrlichung und Lüge nicht mehr zu gelingen. Man muss ja irgendwie zu Geld kommen, die wichtigen Menschen als Freunde gewinnen, darf keine Schwächen und keine Fehler zugeben. Und so fürchten Menschen oft die Wahrheit. Wie anstrengend das wohl ist, sich ständig verstellen zu müssen!
Im Johannesevangelium zeigt Jesus eine Lösung: „Die Wahrheit wird euch frei machen“. Wie erlösend wäre es, das Versteckspiel aufzugeben, zu sich zu stehen, Fehler und Schuld zuzugeben und die Konsequenzen zu tragen, wieder gutzumachen, was kaputt gegangen ist. Zu vertrauen, dass wir so wie wir wirklich sind, gut sind, weil wir so von Gott geschaffen sind. Wie viel Power wäre frei für das Wesentliche in Politik, Gesellschaft und Familie, weil viele sich nicht mehr anstrengen müssten, makellos zu erscheinen und viele nicht mehr akribisch nach Fehlern anderer suchen müssten.
Gott ermutigt uns dazu. Vor ihm dürfen wir sein, wie wir sind. Er hat uns durchschaut, aber er hat uns in Liebe durchschaut. Wo immer Menschen sich das gegenseitig zugestehen, wird es mehr geben, die frei sind von Furcht und Abhängigkeit.
Gebhard Altenburger
Diakon kath. Kirche zur hl. Dreieinigkeit Ludwigsburg
Soll die Politik Konjunktur-programme auf Pump zulassen?
