


Ein Mann und ein Tonband sind die Hauptdarsteller der diesjährigen Schauspielproduktion „Das letzte Band“, einem Gastspiel der Münchner Kammerspiele. Der gescheiterte Schriftsteller aus Samuel Becketts Monodram wird in der Inszenierung des Regisseurs (und Stuttgarter Opernintendanten) Jossi Wieler von André Jung verkörpert.
Herr Jung, mögen Sie Beckett?
André Jung: Ja, ich bin ein großer Fanvon Beckett. Ich hab ja einiges von ihm gespielt: „End Game“, „Warten auf Godot“ mit Norbert Schwientek, „Das letzte Band“. Ich finde Samuel Becketts Stücke ganz toll in ihrer sprachlichen Reduktion, und darüber hinaus sind sie wunderbare existenzielle Komödien.
Liegen Ihnen Becketts Figuren besonders?
Ich finde sie interessant, und sie gehen mir nahe. Krapp und sein „letztes Band“, das ist großes menschliches Drama. Das Leben ist zu Ende, er hat versagt in der Liebe, in der Kunst. Und wenn man sieht, mit welcher Einfachheit Beckett diese Situation beschreibt: das ist großartig.
Für die Darstellung des Krapp bei den Salzburger Festspielen wurden Sie 2009 mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnet. Damals war das Beckett in Kombination mit einem Stück von Peter Handke. Im Schlosstheater spielen Sie „Das letzte Band“ solitär. Macht das einen Unterschied?
Vor drei Jahren war das mit Jossi Wieler und Nina Kunzendorf ein spannendes Projekt mit dem Spiegel-Text von Handke. Aber „Das letzte Band“ für sich allein zu spielen, macht keinen Unterschied. Doch die Rolle des Krapp verändert sich, allein mit dem Alter. Man trägt die Problematik in sich, die reift mit einem selber. Vor allem wenn ich den Krapp nicht so oft spiele, nur zwei bis dreimal im Jahr, wird das nie zur Routine. Das ist wie mit einem guten Wein.
Was schätzen Sie an Regisseur Jossi Wieler?
Er ist ein Lebensregisseur für mich. Ich mache seit über 20 Jahren Theater mit ihm. Es ist eine Künstler-Freundschaft, man versteht sich fast schon non-verbal. Es gibt kaum Missverständnisse. Ich schätze ihn menschlich, als Freund, als Kollegen auf dem Theater. Es ist wunderbar, wie er Texte auslotet, immer weiter geht, sich nicht zufrieden gibt, den Sinn des Stückes sucht in allen Verzweigungen.
Gibt es andere Regisseure, mit denen Sie besonders gerne zusammen arbeiten?
Zurzeit vor allem mit Johan Simons, den ich vor zehn Jahren gefunden habe. Ja, seit 30 Jahren arbeite ich am liebsten mit Regisseuren, die ich selbst gefunden habe. Christoph Marthaler gehört natürlich dazu. Es geht um die Art, wie Regisseure mit Schauspielern umgehen – als Material, oder in Ergänzung ihrer selbstverantwortlichen Arbeit.
Welche Rollen spielen Sie am liebsten?
Das ist schwer zu sagen. Als Schauspieler mag ich sowohl deftige Komödien als auch tief tragische Geschichten. Mich interessiert der Charakter hinter den Figuren.
Wie sehen Sie sich als Schauspieler? Eher intuitiv, oder als jemand, der möglichst präzise und detailgenau in einer Theater- figur aufgehen will?
Das ist für mich kein Entweder-oder. Was man so landläufig in Bauch- oder Kopfschauspieler unterteilt: der Bauchschauspieler ist auch Kopfschauspieler. Im Kopf muss es stattfinden, sonst kann der Bauch nichts damit anfangen.
INFO: „Das letzte Band“ ist am Freitag, 13. Juli, um 20 Uhr und am Sonntag, 15. Juli, um 19 Uhr im Schlosstheater zu sehen. Karten gibt es im Internet unter www.schlossfestspiele.de und per Telefon (0 71 41) 93 96 36. Nach der Vorstellung stehen André Jung und Jossi Wieler für ein Publikumsgespräch bereit.






