



Anzug oder Fußballschuhe. IKK oder Stuttgarter Kickers. Büro oder Tabellenspitze in der Zweiten Bundesliga. Mit 18 musste sich der Stürmer entscheiden. „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“, sagt Karl Vogel heute. Der Sozialversicherungsfachmann fügt aber hinzu, dass man damals noch sehr auf den Vater hörte.
Bereut hat der 62-Jährige seine Entscheidung nicht. „Damals haben die Fußballer noch nicht so viel verdient wie heute und Nationalspieler wäre ich sicher nicht geworden.“ Und im Laufe der Jahre habe er miterlebt, welche Folgen eine Verletzung für das Berufsleben haben könne. Außerdem: „Nach fünf bis sechs Jahren Pause wäre der Wiedereinstieg nicht leicht gewesen – und ich wäre vermutlich nicht in meiner heutigen Position.“
Dann wäre seine Karriere wahrscheinlich anders verlaufen. Als Lehrling lernte er nicht nur alle Abteilungen der Krankenversicherung kennen. „Ich hab dort vor allem das Einkaufen gelernt“, sagt Karl Vogel und lacht. Als Azubi habe es damals eben dazugehört, die Kollegen mit Vesper zu versorgen. Danach arbeitete er zunächst in der Beitragsabteilung, ab 1973 war er dann für Betriebsprüfungen bei den Arbeitgebern zuständig. 1996 kam eine große berufliche Herausforderung: Weil die Zwangszuweisung eines Arbeitnehmers in die Krankenkasse des Betriebes endete und von da an jedes Mitglied in einer Krankenkasse seiner Wahl werden konnte, standen die gesetzlichen Krankenkassen plötzlich miteinander in starker Konkurrenz. Die Aufgabe von Karl Vogel war es, einen Vertrieb aufzubauen, und Mitglieder jenseits der Handwerkerinnung zu werben. Heute berät Vogel Großunternehmen in versicherungs- rechtlichen Fragen, stieg im Laufe der Jahre zum stellvertretenden Geschäftsführer der IKK Ludwigsburg auf.
Seit 48 Jahren arbeitet der Kundenberater nun schon für die IKK. Als elfter Mitarbeiter fing er am 16. April 1964 an, aktuell sind es nach mehreren Fusionen bundesweit 6500. Vogel ist mit der Ludwigsburger Geschäftsstelle von der See- in die Wilhelm- und schließlich in die Saarstraße gezogen, wo heute im zweiten Stock sein Büro ist.
Wie alle Kalenderdaten („Ich bin halt einfach ein Zahlenmensch“), hat er auch das Datum seines ersten Tags im Ruhestand blitzschnell parat: den 1. November 2014. Dann wird er 50 Jahre für ein und dasselbe Unternehmen gearbeitet haben – ein halbes Jahrhundert.
Ein Arbeitsplatzwechsel kam für ihn nie in Frage: Er habe einen abwechslungsreichen Job, ist jede Woche drei bis vier Tage außer Haus. „Die Freiheit, die ich bekommen habe, hat mich beflügelt.“ Außerdem schätze er als Schwabe Beständigkeit.
Das gilt auch für sein Privatleben: Karl Vogel wohnt immer noch in seinem Elternhaus in Freiberg, ist schon seit mehr als 40 Jahren mit seiner Frau verheiratet, geht gerne joggen und als „Fußballverrückter“ liebt er Besuche im Stadion. „Und ich stehe total auf Heavy Metal – aber richtig harten!“ Begeistert erzählt er vom AC/DC-Konzert in Hockenheim, das er mit seinen beiden Söhnen 2009 besucht hat. Und im März geht es zu Bryan Adams.





