


Unter dem Titel Song Conversation haben die Schlossfestspiele drei Abende im Programm, die von dem österreichischen Gitarristen Wolfgang Muthspiel, dem norwegischen Pianisten Bugge Wesseltoft und von dem in Tunesien geborenen Oud-Spieler Dhafer Youssef bestritten werden. Nachdem schon der Auftakt am 16. Mai im Ordenssaal mit Muthspiel und Wesseltoft ein überzeugendes Konzert voller Überraschungen gebracht hatte, standen nun die beiden weiteren Abende auf dem Programm. Zunächst gehörte die Bühne im Ordenssaal Wesseltoft und Youssef, Muthspiel trat später an diesem zweiten Abend als „Special Guest“ auf.
Dhafer Youssef ist in Tunesien geboren und hat sich das spielen auf der Oud, der orientalischen Kurzhalslaute mit geknicktem Hals, selbst beigebracht. 1989 kam er nach Österreich und begann, in der Jazzszene Fuß zu fassen. Er selbst sagt von sich: „Ich sehe mich überhaupt nicht als Worldmusiker. Und auch nicht als Jazzer, ich bin Improvisatior“.
Zwischen diesen Polen, Jazz, World-Musik und sehr eigenständige Interpretationen und Improvisationen präsentiert er sich auch an diesem Abend. Dabei steht seine Stimme fast mehr im Vordergrund als seine Oud. Mit dieser Stimme und elektronischer Technik beeindruckt er wohl jeden Zuhörer. Töne, keine Worte erzeugt er meistens, bis in höchste Falsetttöne schraubt er sich dabei. Und obwohl die Musik, auch mit der höchst einfühlsamen, einfallsreichen und oftmals äußerst unkonventionellen Klavierbegleitung von Bugge Wesseltoft, sehr komtemplativ klingt, ist sie doch von großer Freude, von Spaß und immer wieder von ungeheurer Kreativität getragen.
Hier spielen zwei Musiker zusammen, die sich offenbar blendend verstehen, die ihre Gedanken ahnen und ergänzen können. Wolfgang Muthspiel, dieser virtuose Gitarrist, der in so vielen Stilarten fest im Sattel sitzt, kommt dann dazu und nun weitet sich das Spektrum nochmals. Das Zusammenspiel der orientalischen Oud und der westliche Klänge erzeugenden Gitarre erklimmt Höhen des Zusammenspiels, die einfach nur begeistern.
So entsteht mit Wesseltoft ein Dreiklang, der auch die Persönlichkeiten, die hinter dieser einfach nur tollen Musik stecken, sichtbar macht. Profil, Einfallsreichtum, Stilsicherheit treffen hier in dreifacher, höchst kompatibler Ausfertigung aufeinander, wobei es müßig ist zu erwähnen, dass die drei natürlich Meister ihrer Instrumente sind. Dass drei Solisten und Individualisten derart großartig harmonieren, ist der Erfolgsgarant eines Abends, den man erlebt haben muss.
Dann wenige Tage später die dritte Runde der Song-Conversation. Dieses dritte Konzert ließ nun den Gitarristen Muthspiel und den Oud-Spieler Youssef aufeinandertreffen. Wieder, wie bei den vorangegangenen Konzerten, eine höchst spannende Angelegenheit. Ein Konzert, in dem zwei Musiker und zwei Instrumente aufeinandertreffen, die aus verschiedenen Welten, vor allem auch aus unterschiedlichen Klangwelten stammen.
Muthspiel und Youssef haben sich zusammengesetzt und extra für diesen Abend Songs erarbeitet, die nicht nur ahnen lassen, wie viel Einfühlungsvermögen jeder der beiden in die Musik des anderen mitbringt. Sie zeigen auch, wie die beiden diese Unterschiede einfach wegspielen, wie die beiden Saiteninstrumente sich plötzlich ergänzen, sich unterstützen und die beiden Künstler zu einem Duo verschmelzen. Es erklingen Töne, die einen glauben lassen, dass die beiden noch nie etwas anderes gemacht haben als diese wahre Weltmusik.
Eigene Kompositionen von jedem der beiden kommen zu Gehör, Wolfgang Muthspiels „Rhapsody“ ebenso wie Farha von Dhafer Youssef und etliche mehr. Zwischen Komposition und Improvisation zeigen die beiden dabei geniale Klangbilder auf. Dazu kommt wieder der Gesang des in Tunesien geborenen Youssef, der aber schon lange in Europa lebt.
Auch sind Bearbeitungen von Pop-Songs dabei, die durch das Können der beiden eine eigene Dynamik entwickeln. So spielen sie ungeniert Billy Joels „She’s always a woman“ und obwohl das Thema durchaus sich ins Ohr schmiegt, braucht es eine ganze Weile, den bekannten Titel zu identifizieren, so eigenständig und auch eigenwillig interpretieren die beiden das Stück.
Ähnlich geht es beim sakralen „Maria durch ein Dornwald ging“. Im Gegensatz zu den beiden vorhergegangenen Song-Unterhaltungen geht es auch öfters schwungvoll zu, Flamencoanleihen erklingen. In jedem Fall ein würdiger Abschluss dieser Konzert-Trilogie, diesen wunderbaren Dialog der Kulturen.






