


Als Klangfarbenkünstler wird der französische Pianist Alexandre Tharaud gerühmt, und vor allem im zweiten Teil seines Klavierabends bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen im Ordenssaal wurde er dieser Bezeichnung vollauf gerecht. Hier verschränkte er eine Anzahl von Stücken aus Francois Couperins „Pièces de Clavecin“ mit Maurice Ravels Suite „Le Tombeau de Couperin“.
Das war eine höchst spannende, faszinierende Gegenüberstellung im Wechsel der jeweils sechs Kompositionen, wobei Tharaud „Les Barricades Mistérieuses“ von Couperin wie bei einem Variationenwerk an den Anfang und Schluss seiner Wiedergabe setzte.
Wie spielt Alexandre Tharaud die ursprünglich für Cembalo komponierte Barockmusik Couperins und Jean Philippe Rameaus auf einem modernen Flügel? Auf der Basis eines romantischen, an Schumann erinnernden Klangbildes entwickelt er Stimmungsbilder, deren Spielangaben Tharaud durchaus eigenwillig interpretiert: Dem „Affectueusement“ von „Les Juméles“ gibt er neben seiner zärtlichen Grundfarbe einen Touch Melancholie mit, das „Vivement“ der „Barricades“ fächert er mit Verzögerungen und Beschleunigungen zu dynamischer Vielfalt auf.
In seiner Interpretation von „Le Tombeau de Couperin“ zeigt sich Alexandre Tharaud als Meisterinterpret Maurice Ravels. Wie er die „Fugue“ in glitzernden Tropfen Gestalt gewinnen lässt, wie er die Bluesharmonien der „Forlane“ ineinander fließen lässt oder die Kontraste des „Rigaudon“ graziös abfedert, zeugt von hoher Anschlagskunst, welche auch die „Toccata“ zum Erlebnis macht. Wie vertraut Tharaud mit dem Klavierwerk des Komponisten ist – für seine Gesamteinspielung ist er schon mehrfach ausgezeichnet worden – war auch bei seiner Wiedergabe der „Sonatine“ Ravels hörbar.
Hier suchte Tharaud den stärksten Kontrast zur vorangegangenen Suite A-Dur von Jean-Philippe Rameau, deren Sätze er mit in den Bassregistern brodelnden, im Diskant flatternden Trillern in der Art einer empfindsamen Fantasie interpretiert hatte, um diese dann in den Variationen der Gavotte elegant und rhythmisch pointiert zu Ende zu bringen. Die „Sonatine“ sprühte, leuchtete, glitzerte mit impressionistischer Brillanz: statt der zerfließenden Farben bei Rameau war hier alles differenziert und transparent, und das abschließende „Animé“ entfachte einen mitreißenden Kadenzenwirbel, in den der Pianist die Off-Beats der Basshand lustvoll donnern ließ.
Vom begeisterten Publikum im Ordenssaal verabschiedete sich Alexandre Tharaud mit drei Stücken Scarlattis: ein virtuoses Feuerwerk mit bengalischem Leuchten dazwischen.






