

Die Zeiten, als die französischen Piano-Schwestern Katia und Marielle Labèque bei ihren Konzerten im Rahmen der Ludwigsburger Schlossfestspiele noch auf ein gut gefülltes Forum blicken konnten, sind vorbei. Viele leere Plätze beim diesjährigen, einmaligen Auftritt (der Abend mit „The Minimalist Dreamhouse“ ein paar Tage zuvor war schon lange abgesagt), eigentlich schade. Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst.
Zumindest im zweiten Teil mit Leonard Bernsteins Musical-Suite „Westside-Story“ in einer Bearbeitung für zwei Klaviere und Schlagzeug von Irwin Kostal konnten die beiden Schwestern Temperament, Sensibilität und rhythmische Leidenschaft in spannende Beziehung setzen. Raphael Séguinier spielte einen soliden Drumset, und der venezolanische Perkussionskünstler und Komponist Gonzalo Grau lieferte sich rassige Dialoge mit den Pianistinnen beim „Jet Song“, „Mambo“ oder „I love to be in America“, wo beide Schlagzeuger das puertoricanische Flair dieses Songs mit Händeklatschen à la Flamenco unterstützten.
Katia und Marielle Labèque gelang es in ihrer Wiedergabe der dreiviertelstündigen Suite, viel von der Atmosphäre des Musical-Originals von Leonard Bernstein aus den beiden Steinways zu zaubern. Da gab es die enorm farbigen Kontraste zwischen dem verträumten „Something’s Coming“ oder dem zart und behutsam zur Melodie erblühenden „Maria“ gegenüber den harten Attacken von „A Boy Like That“ und „The Rumble“ als musikalisches Bandenporträt der Sharks.
Interessant an der Bearbeitung von Irwin Kostal, der zusammen mit Bernstein auch die Musik der Filmversion von „Westside Story“ arrangierte, wie das damals wie heute gegenüber den meisten gängigen Musicals Neue und Vielschichtige der Komposition hier zum Ausdruck kommt.
Im ersten Teil ihres Konzerts hatten die Labèques vor dem in feuriges Rot getauchten eisblauen eisernen Vorhang des Forum-Konzertsaals „Le Ravel Basque“ im Visier. Dessen Zyklus von Märchenszenen „Ma mère l’oye“, ursprünglich für Klavier zu vier Händen komponiert, bevor Ravel die Orchesterfassung instrumentierte, fehlte es an einer gewissen Leichtigkeit.
Das „Prélude à la nuit“ aus Ravels „Rapsodie espagnole“ (in dieser Fassung für zwei Klaviere erst nach dem Orchesterstück entstanden) atmete feine Melancholie, in der „Malaguena“ und „Habanera“ offenbarten die beiden Schwestern ihre begeisternde Attacke und Virtuosität, die „Feria“ wirbelten sie stürmisch aus den Tasten ihres Instruments, wobei freilich bei der melodieführenden Katia Labèque einiges vom stets niedergedrückten Pedal verschleiert wurde.






