
Quote oder Profil?

Wie der seit 2005 als Nachfolger von Wolfgang Gönnenwein bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen agierende Chefdirigent das Orchester entwickelt und geprägt hat, war am Mittwochabend ein letztes Mal eindrucksvoll zu erleben. Die dritte Wördehoff-Saison der Festspiele war die bisher interessanteste.
Für die nächsten beiden Spielzeiten unter der Intendanz von Thomas Wördehoff wird es nun interessant, wie sich dieses Festspielorchester weiter entwickelt, mit wechselnden Dirigenten und einem wohl variierenden Pool von Musikern je nach Projekt. Blickt man zurück auf die vergangene Saison, waren die Eindrücke mit den Gastdirigenten Christian Muthspiel und Julien Salemkour gemischt: eine brillante „Symphonie fantastique“ von Berlioz im Eröffnungskonzert, eine eher mittelmäßige Vorstellung mit Christine Schäfer als Solistin beim Schönberg-Webern-Strauss-Programm. Mit dem „Kosmos Vivaldi“ präsentierte sich das Festspielensemble in kleiner Besetzung kammermusikalisch exzellent, Haydns „Jahreszeiten“ und „Die sieben letzten Worte“ mit Hofstetter wurden begeistert aufgenommen.
Was die Publikumsresonanz der etwa 50 Veranstaltungen dieser Saison angeht, so hat sich die Situation gegenüber den ersten beiden Wördehoff-Spielzeiten nicht wesentlich verändert. Das ist schade, denn im breitgefächerten Spektrum des Ludwigsburger „Fests der Interpreten“ gab es nicht nur für neugierige Grenzgänger, sondern auch Klassik-Fans jedweder Art interessante und hochkarätige Angebote. Highlights wie „C(h)oeurs“ hatten ihre Besucher. Aber der Zyklus der „Song Conversations“, die Klavierabende mit Levit, Tharaud oder das Belcea Quartet hätten einen besseren Besuch verdient gehabt. Die Beckett-Abende mit André Jung im Schlosstheater, die umjubelten Auftritte von MIAGI aus Südafrika, das Wiedersehen mit Christina Pluhars L’Arpeggiata und „Los Pájaros Perdidos“ im Ordenssaal, wo auch Isabelle Faust und der Cantus Cölln mit Ovationen gefeiert wurden, gehörten zu den Publikumsfavoriten.
Quote oder Profil? Was Thomas Wördehoff und Uwe Schmitz-Gielsdorf in den drei Jahren ihrer Festspielleitung in Ludwigsburg geschaffen haben, ist in erster Linie an inhaltlichen Kriterien orientiert. Viele der Programme setzen auf Entdeckungsfreude beim Publikum und Originalität bei den Interpreten. Das scheint weniger Besucher anzusprechen als früher zu Zeiten von Gönnenwein und Konold, die mehr Stars und Konventionelles offerierten, allerdings auch eine interessante Tanzreihe boten, die sich in diesem Jahr auf das einzige Großprojekt mit Platels „C(h)oeurs“ reduzierte. Wenn der Aufsichtsrat der Schlossfestspiele bald über die Zeit nach 2014 verhandelt (da endet Wördehoffs jetziger Vertrag als Intendant), wird es auch darum gehen, ob die Besucherzahlen oder die besondere Qualität des Ludwigsburger Festivals den Ausschlag geben.