BIETIGHEIM-BISSINGEN | 28. August 2008

„Große Vertrautheit unter den Bewohnern“

Multiple Sklerose (MS) ist für die Schulmedizin immer noch ein Rätsel. Trotz intensiver Forschung ist Medizinern die Ursache der Krankheit bis heute unbekannt. Im Pflegezentrum an der Metter werden seit 1984 an Multiple Sklerose-Patienten betreut.

Bild: Alfred Drossel

Die evangelische Heimstiftung eröffnete das Pflegezentrum an der Metter 1982. Derzeit gibt es hier 122 Plätze in der stationären Altenpflege.1984 wurde zudem die MS-Station „Haus am Lindenhain“ in Betrieb genommen, die die evangelische Heimstiftung mit der Stadtverwaltung und der Aktion Multiple-Sklerose-Erkrankter (Amsel) baute. Damals war das „Haus am Lindenhain“ die landesweit erste Wohngruppe für MS-Patienten.
15 MS-Erkrankte haben hier ein Zuhause gefunden. Alle Appartements sind behindertengerecht ausgebaut und mit Bad und Küchenzeile ausgestattet. Die Bewohner werden von 16 Pflegekräften betreut.
„Wer hierher kommt, ist hochgradig hilfebedürftig und kann nicht mehr alleine leben“, sagt Petra Drenk von der Pflegedienstleitung. Häufig seien junge Menschen zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr von MS, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems, betroffen. Deshalb entstand in Bietigheim-Bissingen bewusst eine vom Altenheim abgetrennte Station – jüngere Menschen können oft nur schwer damit umgehen, wenn sie plötzlich mit alten Menschen zusammenleben.
MS hat für die Betroffenen große Einschränkungen im Alltag und den Verlust ihrer Bewegungsfreiheit zur Folge. Weitere Auswirkungen der in Schüben verlaufenden Krankheit sind Seh- und Sprachstörungen sowie Depressionen. „Wegen der langen stationären Aufenthalte zerstört MS auch viele Ehen“, weiß Drenk.
Ein Bewohner erzählt von seiner Krankheit, die Ärzte 1986 diagnostizierten. Seitdem hat er schon in mehreren Pflegeheimen gewohnt. Vor elf Jahren kam er ins Haus an der Metter. „Die Patienten sind von ihrer Krankheit oft stark mitgenommen und können manchmal kaum noch reden“, hat er beobachtet.
Ob ihm das Angst macht? „Ich habe damit irgendwann abgeschlossen und versuche, das beste aus meiner Krankheit zu machen“, sagt er. „Es bringt ja nichts, zu jammern.“ Außerdem sei er immer noch privilegiert: „Viele können ja gar nichts mehr machen.“ Der gelernte Kaufmann erstellt immer noch Bilanzen an seinem Computer. „Mit meinen elektrischen Rollstuhl komme ich auch viel rum.“
Das Angebot für Multiple-Sklerose-Patienten im Pflegezentrum an der Metter bezeichnet der Patient als „sehr positiv. Das sollte auch als Vorbild für andere Häuser dienen“. Einerseits bleibe die Intimsphäre im Wohnbereich gewahrt, andererseits könne man leicht Kontakt zu anderen Mitbewohnern finden. „Der Begriff Familie trifft es nicht ganz, aber es ist eine große Vertrautheit unter den Bewohnern und zu den Pflegekräften da.“

Frank Klein
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