Familienblog
Ludwigsburg | 20. April 2017

„Ständig Friede, Freude, Eierkuchen vorzuspielen, ist nicht korrekt“

Katja Schiller wohnt mit ihrer Familie in Pflugfelden und bloggt auf Mamatized.com über das Muttersein. Im Gespräch hat uns die 34-Jährige erzählt, warum sie Fotos ihrer Kinder online zeigt, weshalb viele Familien im Netz so perfekt erscheinen und wie es ist, öffentlich über Erziehungsprobleme zu schreiben.

Katja Schiller mit ihren Töchtern Ida (4) und Milou (1) im Bällebad im Wohnzimmer. Durch den Job ihres Mannes als Basketballtrainer zieht die Familie oft um. Seit eineinhalb Jahren wohnen sie in Ludwigsburg, hier hat sie auch mit dem Bloggen angefangen.Fotos: Holm Wolschendorf
Katja Schiller mit ihren Töchtern Ida (4) und Milou (1) im Bällebad im Wohnzimmer. Durch den Job ihres Mannes als Basketballtrainer zieht die Familie oft um. Seit eineinhalb Jahren wohnen sie in Ludwigsburg, hier hat sie auch mit dem Bloggen angefangen.Fotos: Holm Wolschendorf

Seit einem Jahr bloggen Sie über das Mamasein und zeigen Fotos ihrer Kinder im Netz. Hagelt es nicht viel Kritik?

Für mich war von Anfang an klar: Wenn ich über meine Kinder schreibe, zeige ich auch Fotos von ihnen. Ich versuche natürlich, die beiden so darzustellen, dass sie sich selbst auf den Fotos mögen. Ich denke, wenn jemand Fotos von meinen Töchtern wollte, könnte er sie jederzeit draußen auf der Straße fotografieren, ohne dass ich das kontrollieren kann. Es gibt Blogger, deren Kinder virtuell nie auftauchen. Erst kürzlich habe ich einen sehr guten Artikel eines Familienbloggers dazu gelesen. Er hat geschrieben, Kinder müssen nicht ins Internet, aber sie dürfen im Internet sein. Weil sie ohnehin aus so vielen Lebensbereichen verdrängt werden, ist es wichtig, dass sie im Netz repräsentiert werden. Sie sind Teil der Gesellschaft, Familien sind Teil der Gesellschaft. Warum soll man das nicht fördern?

Die Online-Welt ist voll mit schönen, bearbeiteten Fotos und glücklichen Familien. Das hat doch nichts mit der Realität zu tun, oder?

Gegen diese Schein-Darstellung gibt es regelmäßig Kritik. Im Gegensatz zu Fashion- und Foodbloggern zeigen Familienblogger oft noch normale Fotos, die nicht so sehr bearbeitet und überbelichtet sind. Ich versuche zwar auch, uns schön auf Fotos zu präsentieren, aber ich finde es nicht korrekt, vorzuspielen, alles wäre ständig Friede, Freude, Eierkuchen.

Haben Sie deshalb angefangen, zu bloggen? Um zu zeigen, dass das Leben mit Kindern nicht nur eitel Sonnenschein ist?

Wir ziehen viel um aufgrund des Jobs meines Mannes. Seit eineinhalb Jahren ist er Assistenztrainer bei den Ludwigsburgern Basketballern. Davor lebten wir fünf Jahre in Quakenbrück. Deshalb sind meine Bekanntschaften mit Eltern, die Kinder im gleichen Alter haben, recht frisch, so dass man nicht so vertraut über Schwierigkeiten spricht. In der Spielplatzwelt vertraut man auch nicht jedem seine Erziehungsprobleme an. Ida hatte zum Beispiel lange Schwierigkeiten, allein zu schlafen. Alle Mamas um mich herum sagten, ihre Kinder schlafen schon alleine. Ich dachte: Warum macht mein Kind das nicht? Was mache ich falsch? Bis ich einmal mitbekam, dass ein Kind, dessen Mutter mir sagte, es schliefe allein ein, zwar um 20 Uhr ins Bett ging, aber bis 22 Uhr alle zehn Minuten aus dem Zimmer gelaufen kam, bis es tatsächlich allein einschlief. Solche Geschichten drumherum hört man nämlich nicht und setzt sich vielleicht unter Druck. Deshalb der Blog. Ich wollte den Austausch haben, ohne dass man verurteilt wird.

Gab es noch weitere Gründe?

Nach der Geburt meiner zweiten Tochter empfand ich es nicht als erfüllend, die ganze Zeit zu Hause zu sein. Alles drehte sich um die Kinder, und ich hatte das Gefühl, dass ich gar nichts für mich mache. Bei meiner ersten Tochter wollte ich unbedingt nach einem Jahr wieder arbeiten, ich war Assistentin eines Managers in der Logistikbranche. Doch dieses Mal stellte ich fest, dass es nicht die Arbeit ist, die mir fehlt. Ich kam auf die Idee mit dem Blog, geschrieben habe ich immer gern. Mir war auch schnell klar, dass ich über das Mamasein schreiben möchte. Es ist einfach ein großer Teil meines Lebens.

Es ist bestimmt nicht einfach, mit zwei Kindern zu Hause einen Blog zu pflegen.

Mittlerweile versuche ich vorzuarbeiten, damit ich nicht in Stress komme. Wenn die Kleine zahnt, gibt es nämlich schon mal drei Abende, an denen ich nicht schreiben kann. Und hinter einem Blog steckt viel Arbeit. Man denkt oft nur an das Offensichtliche: das Schreiben. Aber es ist so viel mehr. Man muss in den sozialen Netzwerken aktiv sein, sich mit anderen Bloggern vernetzen und mit Lesern kommunizieren.

Wie viele Menschen lesen die Seite?

Im Monat habe ich 17 000 Zugriffe, das entspricht 8000 Besuchern.

Die bekanntesten Blogs erreichen täglich über 4000 Leser. Wäre das was für Sie?

Einer der bekanntesten Familienblogs heißt „Baby, Kind und Meer“, die Bloggerin und ihr Lebenspartner sind Vollzeit damit beschäftigt. Ich finde es schon krass, wenn man zwei Existenzen auf dieses Business legt. Ich hätte einfach keine Lust, auf jede Kooperation mit Unternehmen angewiesen zu sein für einen Vollzeitverdienst. So kann ich zeigen, was ich will und was ich schön finde.

Ich habe auf Ihrem Blog gesehen, dass Sie auch einmal aus dem Krankenhaus geschrieben haben.

Ich hatte Anfang des Jahres eine Konisation der Gebärmutter, also eine Gewebsentnahme. Nach der Krebsdiagnose musste sie vor ein paar Wochen herausgenommen werden. Das konnte ich meinem Blog nicht verheimlichen. Also schrieb ich darüber und es wurde total positiv angenommen. Gerade weil es im Netz viel Schein gibt, kommen solche Texte gut an. Das Schreiben darüber hat mich außerdem unheimlich erleichtert. Auch an anderer Stelle, als ich beispielsweise schrieb, dass ich nicht so gerne eine Mecker-Mama wäre, wie ich es bin, kam auch viel positives Feedback zurück. Ich habe erfahren, dass ich nicht alleine bin, dass nicht nur ich mal überfordert bin. Es ist einfach eine unheimlich anstrengende Aufgabe. Jede Frau braucht mal Abstand vom Mamasein.

Was sagt Ihr Mann zu dem Blog?

Er findet es gut und liest die Beiträge auch. Er ist mein Lektor. Wenn der Partner es nicht gut findet, ist das ja auch ein massiver Eingriff in die Privatsphäre.

Und spielt er eine Rolle auf dem Blog? Immerhin ist er in Ludwigsburg kein Unbekannter.

Er ist nicht so präsent auf dem Blog, wir versuchen das zu trennen. Aber die Leute, die meinen Blog regelmäßig lesen, haben zumindest eine Ahnung, dass es mit Basketball zu tun haben könnte. Eine Rubrik heißt „Wochenende in Bildern“, ich dokumentiere, was wir am Wochenende gemacht haben. Da ist auch oft Basketball dabei. Es ist also ein offenes Geheimnis.

Wochenende in Bildern ist eine regelmäßige Kategorie. Ist das nicht langweilig?

Ich dachte am Anfang auch, wer will denn mein Wochenende sehen, das ist doch total langweilig. Aber gerade für die, die hier in der Region wohnen, ist es doch spannend. Wo kann man hingehen, wenn es nur regnet? Was machen andere Familie dann? Und was kochen die so? Ich finde, das gibt Inspirationen für andere.

Und wie gefällt es Ihnen in Ludwigsburg?

Ludwigsburg ist sehr schön, vor allem für Familien. Wir sind fast jedes Wochenende im Schloss. Ich habe schon zu meinem Mann gesagt, dass ich ewig hierbleiben könnte. Und was man als Norddeutscher am Anfang nicht zugeben mag: Das Wetter ist einfach besser.

Internet: www.mamatized.com

Martina Peao
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