Frühjahrsputz
OBERSTENFELD | 30. April 2012

Ab jetzt liegt der Duft von gemähtem Gras in der Luft

Die gute schwäbische Hausfrau startet spätestens im April ihren großen Frühjahrsputz. Und auch der Bauhof geht ans Großreinemachen – nur dass er nicht lediglich ein Haus zum Putzen hat, sondern eine ganze Gemeinde.

Nicht ohne meinen Rasenmäher: Bernhard Bielecki mäht die Randstreifen rund um das Oberstenfelder Bürgerhaus.
Nicht ohne meinen Rasenmäher: Bernhard Bielecki mäht die Randstreifen rund um das Oberstenfelder Bürgerhaus.
Fotos: Ramona Theiss
Auch an den Verkehrsteilern ist viel zu tun.
Auch an den Verkehrsteilern ist viel zu tun.
Mit dem großen Bagger häuft Marco Schöneck das Häckselgut auf.
Mit dem großen Bagger häuft Marco Schöneck das Häckselgut auf.
„Wir wollen keinen englischen Rasen züchten.“ Martin Schwarz Bauhofleiter
„Wir wollen keinen englischen Rasen züchten.“ Martin Schwarz Bauhofleiter

Das Hauptprojekt ist überall zu schnuppern: In den kommenden Monaten wird es immer wieder nach gemähtem Gras duften. „Herrlich“, wie Bauhofleiter Martin Schwarz findet. Bernhard Bielecki, Andreas Schmidt und Michael Kunz kommen ständig in den Genuss dieses Duftes, denn sie werden in den kommenden Monaten tagaus tagein mähen. Mit den Gemeindegrundstücken sind sie non stop beschäftigt. Sie wandern von Kindergarten zu Kindergarten, von Spielplatz zu Spielplatz und zum Friedhof. „Wenn sie am Friedhof anfangen, brauchen sie mindestens zehn Tage bis sie wieder am Friedhof sind“, sagt Schwarz. Und davor kommen schon die ersten Anrufe von Bürgern, wann denn endlich wieder am Friedhof gemäht werde.

Wer zu Hause regelmäßig mäht, kann sich den Aufwand in einer Gemeinde ungefähr vorstellen. Die Wiesen am Bürgerhaus zum Beispiel sehen auf den ersten Blick unproblematisch aus: Andreas Schmidt sitzt auf seinem Rasenmäher und fährt einfach auf und ab. Aber da gibt es eben noch die Ränder der Wiesen, die Flächen rund um Büsche und die Hanglagen, die mit dem Handrasenmäher bearbeitet werden müssen. Und die schwer zugänglichen Stellen, etwa unter den Zäunen, die Michael Kunz mit der Sense mäht. „Und dabei wollen wir gar keinen englischen Rasen züchten“, sagt Schwarz lachend.

Richtig kniffelig wird die Sache an den Straßendreiecken rund um die Bäume. Denn da kann man eigentlich nur mit der Sense arbeiten und bei der Vielzahl von solchen Fitzelstücken in der Gemeinde heißt es immer wieder raus aus dem Auto, Sense auspacken, Sense wieder einpacken, wieder ins Auto einsteigen und so weiter. „Jedes Stückle Wiese, für das sich keiner zuständig fühlt, gehört der Gemeinde“, erklärt Martin Schwarz. Im Moment sind die Temperaturen noch erträglich und man mag die Bauhofmitarbeiter beneiden, in der Hitze des Sommers ist das Rasenmähen aber auch kein Spaß mehr. „Da brennt einem die Sonne auf den Kopf und dann kommt noch die Wärme der Motoren dazu“, erklärt Schwarz.

Nicht der Besen, aber Rechen und Schaufel werden an den Verkehrsteilern an der Heilbronner Straße geschwungen. Zur Freude vieler werden auch dieses Jahr die bunten Blümchen wieder auf den Inseln wachsen, allerdings nur an der Kreuzung am Bahnhof. „Die Petites fleurs-Mischung ist etwas Herrliches. Da schwärmen die Leute immer“, erzählt Schwarz. Bei den anderen Verkehrsteilern probiert der Bauhof etwas Neues aus: Sie werden in Kiesel gelegt, was weniger pflegeintensiv ist und einen Hauch mediterranes Flair nach Oberstenfeld bringen soll. Sonst schneidet die Grünabteilung derzeit die Hecken zurück, putzt die Pflanzenbeete aus, entfernt Unkraut, verteilt Rindenmulch.

Mit dem Besen ist auch auf dem Häckselplatz nicht viel auszurichten. Durch den Frost im Februar wurden Garten- und Stücklesbesitzer erst im März und vor allem im April aktiv. „Das hat uns gewaltig Zeit gekostet“, sagt Schwarz. Denn dementsprechend viel Gestrüpp sammelt sich auf dem Platz an. Und weil der Mensch von Haus aus faul ist, wird der Grünschnitt natürlich direkt am Weg abgeladen. Um Platz zu schaffen, häuft ein Bauhofmitarbeiter normalerweise einmal pro Woche den „Pflanzenmüll“ auf. Derzeit ist aber wie gesagt die Hochphase des Schnitts, samstags geht es auf dem Feldweg zum Platz zu wie auf der Autobahn, so dass der Meister des Baggers, Marco Schöneck, mithilft und im Akkord Stapel aus Gestrüpp bildet. Das Schlimme dabei: Es werden nicht nur Thujaäste, Christbäume und Ähnliches abgeladen, sondern auch Haus- und Sperrmüll wie Elektroschrott. „Mit dem wilden Müll haben wir ein großes Problem“, betont Schwarz. Die Hemmschwelle werde immer geringer, vor allem da der Häckselplatz außerhalb des Ortes liegt und Mülltouristen somit keine Entdeckung fürchten müssen. Ein Bauhofmitarbeiter muss im Prinzip Gestrüpp sortieren und alles Bedenkliche wegräumen. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Denn im Mai kommt der große Häcksler der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg (AVL) und der Häcksler zerfetzt eine Plastiktüte in tausend Stücke. „Das Schlimmste war mal ein Metallofen, der den Häcksler zerstört hat.“ Und dann ist alle Arbeit umsonst.

Patricia Rapp
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