LUDWIGSBURG | 19. Juni 2008

Als Dank für die Genesung: Eine Porzellan-Säule

Im Alter von 63 Jahren trat Herzog Friedrich Eugen von Württemberg, der jüngste Bruder Carl Eugens, 1795 die Regierung im Herzogtum Württemberg an. Nur einen Monat später, am 18. Juni, erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nur langsam wieder erholte.

Bild: Peter Frankenstein/Hendrik Zwietasch, Landesmuseum Württem


Um ihrer Dankbarkeit über die Genesung des Todkranken öffentlich Ausdruck zu verleihen, gab seine Gemahlin, Herzogin Friederike Sophie Dorothea, bei dem Hofbildhauer Philipp Jakob Scheffauer ein Denkmal in Auftrag. Als Standort wurde die Planie am Karlsplatz in Stuttgart, der ehemalige Herzoginnengarten, bestimmt.
Während bis zur Grundsteinlegung für das Marmordenkmal ein volles Jahr verstrich, konnte die Idee eines Dank-Monuments zur Genesung des württembergischen Herzogs in Porzellan rasch umgesetzt werden.
In der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur griff man auf das Modell eines gut 20 Jahre zuvor von dem Bildhauer Adam Bauer entworfenen Denkmals zurück, vergrößerte es und passte es dem nun herrschenden klassizistischen Geschmack an. Eine Ausformung dieses knapp 30 Zentimeter hohen Tisch-Monuments befindet sich im Landesmuseum Württemberg und ist im Keramikmuseum in Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
Auf einer Säule erkennt man als Silhouette das Bildnis des Herzogs Friedrich Eugen von Württemberg. In antiker Manier gekleidete Frauen schmücken das Denkmal mit Girlanden. Genien, die darüber in den Wolken schweben, verleihen diesem Vorgang eine überzeitliche Dimension.
Der Sinn eines solchen Monuments aus Porzellan bestand darin, als Tafeldekoration an Krankheit und Genesung des regierenden Herzogs zu erinnern und die Gespräche der Tischgesellschaft auf das aktuelle Thema des von der Herzogin geplanten Denkmals auf dem Karlsplatz zu lenken. Wie dieses aussehen würde, war 1795, als das Porzellan gefertigt wurde, vermutlich noch nicht genau bekannt.
In einem 1797 erschienenen Sonderdruck ist das Steinmonument, das Philipp Jakob Scheffauer für den Karlsplatz in Stuttgart schuf, auf Kupferstichen bildlich festgehalten. Ein zehn Meter hoher Obelisk war an seinem Sockel mit figürlichen Reliefs verziert. In dem erläuternden Text bezeichnet der Autor es als „Denkmal der Gattenzärtlichkeit“ und betont die Besonderheit, dass es nicht im Zusammenhang mit Krieg und auch nicht aus Eitelkeit errichtet worden sei: „Stuttgardt besitzt dies seltene Denkmal – das Einzige in seiner Art – und Stuttgardt darf stolz darauf seyn!“
Nur wenige Jahre stand das Denkmal an der Planie. 1807 wurde es auf den Schlossplatz versetzt und bei dessen Neugestaltung zehn Jahre später zerstört. Das Tisch-Monument aus Ludwigsburger Porzellan hält die Erinnerung daran wach.

Dr. Sabine Hesse
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