KLINIK MARBACH
marbach | 08. Oktober 2012

Altersmedizin wird ausgebaut

Das Krankenhaus Marbach wird immer mehr zum Auffangbecken für das Klinikum Ludwigsburg, wenn dort Altersmedizin und Psychiatrie räumlich an Grenzen stoßen. Die kreiseigene Klinikengesellschaft sieht schon jetzt beide Einrichtungen als Einheit.

Der Aufenthaltsraum als täglicher Treffpunkt für die Patienten der akutgeriatrischen Station.

Der Aufenthaltsraum als täglicher Treffpunkt für die Patienten der akutgeriatrischen Station.

Foto: Ramona Theiss

An den beiden bestehenden Abteilungen des Krankenhauses Marbach wird nicht gerüttelt: an der Inneren Medizin mit 58 Betten, davon 20 in der neuen akutgeriatrischen Station, sowie der chirurgischen Belegabteilung mit 25 Betten. Das machte Dr. Andrea Grebe, Medizinische Geschäftsführerin der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH, deutlich. Einzugsbereich soll weiterhin der Bereich Marbach/Bottwartal sein, sagte der zuständige Regionaldirektor des Unternehmens, Matthias Ziegler.

Wo bisher Schlaganfallpatienten behandelt wurden, ist nun die akutgeriatrische Station eingerichtet worden, die am Samstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Zehn Jahre lang waren in der Marbacher Klinik Menschen wieder mobil gemacht worden, die einen Schlaganfall erlitten und zuvor zur Akutbehandlung im Klinikum Ludwigsburg lagen. Doch dann sperrten sich die Krankenkassen gegen die Arbeitsteilung, weil es sich abrechnungstechnisch um zwei getrennte Fälle handelte. Das machte für sie die Sache teurer. Jetzt werden Schlaganfallpatienten ganz im Klinikum Ludwigsburg behandelt.

Zeitlich parallel zu den seit zwei Jahren laufenden Gesprächen mit den Krankenkassen debattierte der Aufsichtsrat der Klinikengesellschaft die Schließung der defizitären Reha-Klinik des Unternehmens in der Alt-Württemberg-Allee in Ludwigsburg. Fachlich habe die Entscheidung, in Marbach die akutgeriatrische Station einzurichten, nichts damit zu tun. „Es war nur zeitgleich“, stellte Grebe klar.

Die neue Station, die gleichzeitig das Klinikum Ludwigsburg räumlich entlasten soll, ist eingebunden in die Klinik für Innere Medizin und Geriatrie. Leiterin Dr. Monika Doufrain, Fachärztin für physikalische und rehabilitative Medizin, Geriatrie und Sozialmedizin, steht gleichzeitig dem Geriatrischen Schwerpunkt der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim vor. Als ihr Stellvertreter fungiert Oberarzt Dr. Bernt Müller. „Aktivierende Pflege, mehr Bewegung, mehr Therapie“, so Doufrain, werde in der neuen Station geboten.

Für 350 000 Euro ließ die Klinikengesellschaft die Station auch optisch verschönern und großflächige Glaspaneelen einbauen. Die 20 Zimmer sind ungestaltet worden und wirken nun großzügiger. Es gibt nur noch ein Drei-Bett-Zimmer, in den anderen stehen ein oder zwei Betten. Gleichzeitig ist ein Raum für Privatpatienten umgerüstet worden: ein komfortableres Wahlleistungszimmer. Täglicher Treffpunkt für die Patienten soll ein großer Aufenthaltsraum sein. Wert wird darauf gelegt, dass sich die Kranken jeden Tag anziehen und nicht in den Schlafkleidern bleiben. Bewegung, heißt die Devise.

Am Marbacher Hospital wird die Altersmedizin ein Schwerpunkt sein. Die akutgeriatrische Station ist der erste von drei Schritten. Im nächsten Jahr, wenn das derzeit im Bau befindliche Ärztehaus westlich des Klinikgebäudes in Betrieb geht, zieht dorthin die gerontopsychiatrische Tagesklinik um, die momentan in der Königs- allee in Ludwigsburg aus allen Nähten platzt.

Dritter und letzter Baustein ist dann die gerontopsychiatrische Akutversorgung, die ebenfalls am Klinikum Ludwigsburg besteht und die es künftig in Marbach geben soll. Allerdings gibt es für eine solche Einrichtung im Schillerstädter Hospital keine Platzreserven, weshalb auf einen Bettenneubau für 20 Millionen Euro gesetzt wird. Der neue Bettentrakt soll gleichzeitig Ersatz werden für den Nord- und Ostflügel des bestehenden Krankenhauses. Derzeit laufen hinter den Kulissen die Diskussionen darüber, auf welchem Platz der Dringlichkeitsliste neuer Investitionen dieses Projekt landen soll.

Sowohl Grebe als auch Ziegler rechnen nicht damit, dass trotz aller Maßnahmen die Klinik Marbach aus den roten Zahlen kommt. „Eine schwarze Null sehen wir nicht“, sagte Grebe. Ziel sei es, das Defizit zu minimieren. 2011 gab es ein Minus von 747 000 Euro.

von günter bächle
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