
Am Samstag beginnt die Lese

Von einem Wunschjahrgang für die Wengerter sprach Weinbaupräsident Hermann Hohl gestern bei der Herbstrundfahrt. Die württembergischen Wengerter erwarteten eine qualitativ hochwertige Ernte in marktgerechten Mengen, die einem normalen Durchschnittsjahr entspreche. Eine erfreuliche Nachricht: Denn nach zwei kleinen Ernten und teilweise Totalausfällen hätten die Wengerter im viertgrößten deutschen Anbaugebiet auch wieder Boden gut zu machen.
Weil die Keller so ziemlich leer seien, dürfte der neue Jahrgang sogar noch bis Weihnachten in den Verkauf kommen, vermutet Weinbaupräsident Hohl. Die Trauben seien größtenteils gesund. Ideal sei die Kombination der kühlen Nächte und sonnigen Tage. Die endgültige Qualität hänge jedoch vom weiteren Verlauf der Witterung ab, schränkte Hohl ein.
Der Weinbaupräsident kündigte für Samstag, 22. September, den offiziellen Lesebeginn für Württemberg am Heilbronner Wartberg an. Die Hauptlese für Riesling, Trollinger und Lemberger beginne hingegen erst am 10. Oktober. Die genauen Termine könnten jedoch regional verschieden sein.
Hermann Hohl nutzte die Gelegenheit am Michaelsberg, wiederholt darauf hinzuweisen, die Kräfte zu bündeln und den Tourismus mit dem Wein zu verbinden. Als gutes Beispiel nannte er dabei das Vinarium in Tripsdrill. Der Erlebnispark sei mit seinem „Fröhlichen Weinberg“ der Sammlung alter Holzspindelpressen, mit Weinkübelfahrt und der Einbindung in die Weinlandschaft ein „Muster- und Lehrbeispiel für das vielbeschriebene Thema Wein und Tourismus.
Verbraucherminister Alexander Bonde (Grüne) wies darauf hin, dass das Land im Tourismus Erfolgsgeschichte schreibe. Mit mehr als 45 Millionen Übernachtungen liege Baden-Württemberg bundesweit auf dem zweiten Rang. Um die Chancen im Weintourismus mit zu erschließen, habe das Land die Aktivitäten an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in diesem Bereich entsprechend ausgeweitet, sagte Bonde. Das Angebot umfasse die Fortbildung zum Weinerlebnisführer, die Unterstützung bei der Entwicklung kommunaler und regionaler Weintourismuskonzeptionen, Seminaren zu Wein und Architektur sowie die Zusammenarbeit mit den Tourismusorganisationen. Diese Angebote würden intensiv fortgeführt, unterstrich der Minister.
Baden-Württemberg unterstütze das Weinbaugebiet Württemberg im Rahmen der kommunalen Tourismusinfrastrukturförderung 2012 mit einem vom Landkreis Heilbronn federführend betriebenen Kooperationsvorhaben von acht Landkreisen und sechs Touristikgemeinschaften, betonte Bonde. Hierzu werde entlang der Württemberger Weinstraße ein Radweg ausgewiesen.
Der Verbraucherminister kündigte zudem an, den Ökoweinbau weiter auszubauen, um der verstärkten Nachfrage der Verbraucher gerecht zu werden. Bonde hob hervor, dass das Land an Beibehaltung des Anbaustopps festhalte. In Brüssel vertrete die Landesregierung konsequent die Interessen der heimischen Weinbauern. Leider gebe es derzeit allerdings noch immer ein heftiges Tauziehen mit der EU-Kommission um die Zukunft des Anbaustopps für Reben.
„Guter Wein und gutes Essen aus der Region sind Markenzeichen des Genießerlandes, sagte Bonde. Die grün-rote Landesregierung verfolge das Ziel, den Qualitätsweinbau zu fördern, nachhaltige Produktionsformen zu sichern und weiter auszubauen sowie die Werte der regional erzeugten Produkte zu vermitteln und erfolgreich zu vermarkten. Auf diese Weise wolle man den heimischen Weinbau gemeinsam mit der Weinwirtschaft weiterentwickeln.
Auf einer kurzen Rundfahrt in die Weinberge am Michaelsberg gab es Grund zur Freude. Im Refraktometer konnten Weinbaupräsident Hermann Hohl und Minister Bonde die erste Öchslezahlen ablesen. Am Michaelsberg reifen Trauben der Güglinger Genossenschaft, der Stromberg- und Zabergäuwengerter und des privaten Weinguts Storz.
Danach unternahm Alexander Bonde zusammen mit der Weinkönigin Petra Hammer in Tripsdrill eine Weinzuberrundfahrt.