



Nur noch aus weiter Ferne strahlt das Schloss Favorite jenen Charme, der ihm eigentlich zu eigen ist. Aus der Nähe ist das Traumschloss mehr und mehr zur Jammergestalt geworden: Die Farbe ist verwittert, platzt von den Fassaden, der Putz bröckelt. Mit einem schnellen Farbanstrich ist es da nicht mehr getan. „Wenn es nur darum ginge, ein Gerüst aufzustellen und die Flächen zu pinseln, wäre das schon längst geschehen“, sagt Volker Janzen. Der Ingenieur vom Ludwigsburger Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg kennt die Schwachstellen des fast 300 Jahre alten Gebäudes genau.
Sorgen bereiten ihm vor allem die erst vor 30 Jahren erneuerten Teile aus Sandstein. Sie weisen sowohl bei der schön geschwungenen Freitreppe als auch im Sockelbereich schwere Schäden auf. Salze, die aus dem Erdreich aufsteigen, treiben gemeinsam mit dem Frost den Verfall voran. Der Zahn der Zeit hat auch an dekorativen Elementen wie den Giebelfiguren oder den Ziervasen genagt: Einige von ihnen haben Risse. Von der steinernen Figur über dem Eingangsportal ist ein Stück der Hand abgeplatzt.
30 Jahre sind seit der jüngsten Sanierung vergangen. „Damals wurde der gesamte Außenputz entfernt und erneuert“, so Janzen. Die Putzteile der Fassade wurden mit Kalkfarbe, die Sandsteinteile mit Mineralfarbe gestrichen. Rückblickend stellte sich das als Fehler heraus. Die Mineralfarbe gilt zwar als widerstandsfähige Fassadenfarbe – allerdings nur bei Neubauten.
Die Eigenschaft der verwendeten Farbe sei damals noch nicht bekannt gewesen, so Baudirektor Claus Schüssler, Leiter der Abteilung Hochbau Schlösser und Gärten. „Bei der Sanierung alter Gebäude muss man oft erst noch Erfahrungen sammeln“, gibt er zu bedenken. Andererseits sei es normal, dass das Alter an jedem Gebäude seine Spuren hinterlasse.
Das volle Ausmaß der nötigen Arbeiten lässt sich erst beurteilen, wenn das Baugerüst steht und Steinmetze die geschädigte Bausubstanz aus der Nähe begutachten können. Sie klopfen die Fassade nach Hohlräumen ab. Experten bezeichnen dieses Verfahren als Percussionsprobe. Anschließend können die Steinmetzarbeiten ausgeschrieben werden. Ein Jahr lang, so schätzt Janzen, werden sich Besucher auf den Anblick des eingerüsteten Schlosses einstellen müssen.
„Die grobe Linie ist mit dem Denkmalamt abgestimmt, jetzt müssen wir ein Konzept entwickeln“, kündigte Janzen an. Die Materialprüfanstalt in Stuttgart hat bereits Proben des beschädigten Sockels entnommen und untersucht, um welche Salze es sich handelt, die dem Gestein so sehr zusetzen. Steinrestauratoren sollen damit beginnen, einige Musterflächen zu bearbeiten. „Wir geben uns sehr viel Mühe, weil das Ergebnis alle zufriedenstellen soll – auch Besucher und Benutzer“, so Schüßler.
Auch wenn das Gerüst steht, werden die regelmäßigen Schlossführungen ebenso wie die Aufzeichnungen der wöchentlichen SWR-Sendung Nachtcafé nicht betroffen sein, versichern beide Experten.







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