LUDWIGSBURG | 29. September 2012

Architektin: Schule ist baukulturelles Erbe der Stadt

Im Kampf um den Erhalt der Friedrich-von-Keller-Schule (FKS) in Neckarweihingen haben die Befürworter ein neues Argument für sich entdeckt: den architektonischen Wert des Baus, den der Architekt Günter Behnisch von 1964 bis 1966 errichtete.

Die Mitglieder des Neckarweihinger Bürgervereins und des FKS-Fördervereins – beide kämpfen für die Sanierung und gegen den Abriss der Schule – finden, dass das Gebäude allein aus architekturgeschichtlichen Gründen erhalten werden müsse.

Die Befürworter der Sanierung haben sich, um ihre Argumente wissenschaftlich zu untermauern, die Expertise von Dr. Elisabeth Spieker eingeholt. Die Architektin, die am Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau arbeitet, promovierte 2005 über das Werk Günter Behnischs. Dessen Schulbau in Neckarweihingen Mitte der 60er Jahre sei in einem „sehr guten Zustand“ und habe „unglaubliche Qualitäten“, sagte Spieker gestern bei einem Pressegespräch in der Schule.

Viel Licht, viel Glas, viel Luft, große Flure und Klassenzimmer, der Blick und der Zugang von den Unterrichtsräumen ins grüne Freie, das zweiseitige Licht- und Lüftungssystem, der begrünte Innenhof – der Bau habe eine „hohe Aufenthaltsqualität für die Kinder“. Dieses Konzept funktioniere „auch nach 46 Jahren noch bestens“, so die Architektin, die eine energetische Sanierung des Gebäudes befürwortet. Diese sei möglich, ohne den Charakter der Schule – „der spröde Charme des Betons in Kontrast mit dem umgebenden Grün, die Verwebung von Innen- und Außenraum“ – zu verändern.

Die „Verbindung von Landschaft und Gebäude“ sei ein Konzept, für das Behnisch weltweit Anerkennung geerntet habe und „wegweisend wurde für eine ganze Generation von Schulgebäuden“.

Der Bau habe Qualitäten, die moderne Schulen nicht hätten, weil dieser Standard „zu luxuriös ist“, so Spieker. Es gebe Schulen, die neu und dennoch schlechter gebaut seien als die FKS. Behnisch sei „einer der weltweit renommiertesten deutschen Architekten“, so Spieker. „Für viele Kommunen ist es etwas Besonderes, einen Behnisch-Bau zu haben.“

Mit einer Sanierung der FKS könne die Stadt Ludwigsburg „ihr eigenes baukulturelles Erbe bewahren“. (wb)

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