



Rund 200 bis 300 Zauneidechsen, die im Rahmen des Bauprojekts Stuttgart 21 ihre Heimat verlieren, sollen in den Trockenmauern am Burgberg ein neues Zuhause finden. „Der Bereich ist ideal, da es dort auch sandige Stellen, Totholzhaufen und Wiesen mit Nahrung gibt“, erklärte Ulrike Hörn, Projektingenieurin Umweltschutz bei der DB-Projektbau gestern auf Nachfrage. Am Dienstagabend wurde das Projekt im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats vorgestellt.
Allerdings war da noch die Rede von Mauereidechsen, die wegen der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm umgesiedelt werden sollen. „Das war in den ersten Gedanken angedacht, aber Mauereidechsen dürfen wahrscheinlich dahin nicht umgesiedelt werden“, so Hörn. Deshalb gehe es nun um die Zauneidechsen beim Tunnelbau Ober- und Untertürkheim sowie bei Bauarbeiten in Feuerbach und Bad Cannstatt im Rahmen des S-Bahn-Anschlusses.
An der „Win-Win-Win-Situation“ für die Stadt, für die Eidechsen und für die Deutsche Bahn, ändert sich dennoch nichts, wie Bauamtsleiter Christoph Beyer sagt. Denn die Trockenmauern am Burgberg sind zwar ein ökologisch wertvolles, aber auch teures Projekt für die Stadt.
Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde am Burgberg Weinbau in Steillagen betrieben. Als dies nicht mehr rentabel war, verbuschten die Flächen zunehmend. 1981 erwarb die Stadt das Areal, in dem sich verschiedene Biotope entwickelt haben. Im Laufe der Zeit legte die Stadt Trockenmauern frei, was jedoch einiges an Kosten verursachte. Auch die Pflege ist teuer, so müssten nächstes Jahr wieder rund 40 000 Euro für die Sicherung der Mauern wegen der Verkehrssicherung aufgebracht werden.
Aus diesem Grund kommt das Ansinnen der Deutschen Bahn genau zum rechten Zeitpunkt. Für die Umsiedlung der Eidechsen muss die Bahn eine Ersatzfläche finden. In einem ersten Schritt würden die Eidechsen in den beiden Steinbrüchen und den bereits freigelegten Flächen auf rund 1,3 Hek- tar angesiedelt werden. Für die Umsiedlung, so erklärt Ulrike Hörn, werden die jungen Eidechsen mit der Hand, die erwachsenen mit einer Angel gefangen und dann in Leinensäcken oder Transportboxen nach Steinheim gebracht werden. „Das funktioniert ganz gut“, betont sie.
Die Stadt profitiert auf mehreren Ebenen: Wenn sie die städtischen Grundstücke an die DB Projektbau übergibt, spart sie sich in Zukunft die Kosten für den Unterhalt. Zudem könnte eine weitere „ökologische und landschaftsbildnerische Aufwertung der Flächen“ erreicht werden, so der Umweltbeauftragte Eric Hirsch in der Sitzung. Auch wäre das Gebiet ein herausragender Lebensraum für wärmeliebende Arten und einer der größten zusammenhängenden Bereiche mit Trockenmauern. „Alleine würden wir das nie erreichen“, betonte Hirsch.
Die Stadt macht ihre Zustimmung aber davon abhängig, dass keine Kosten für sie entstehen und dass der durch den Burgberg führende Wanderweg erhalten bleibt. Abgesehen davon braucht die Bahn noch die naturschutzrechtliche Genehmigung des Regierungspräsidiums Stuttgart und des Landratsamtes Ludwigsburg.
„Haben wir dann keine Probleme mit Ausgleichsflächen, die uns fehlen? Nicht, dass wir wieder Äcker kaufen müssen“, fragte der Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzende Werner Deuscher. Die Flächen fehlten natürlich der Stadt als Ausgleich, gab Hirsch zu, aber man habe noch genügend Flächen in petto. „Und eine Obstbaumwiese zu kaufen, ist wesentlich günstiger“, fügte Beyer hinzu. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Regina Traub wollte zudem noch wissen, ob die Eidechse wirklich mehr wert sei als der Hangwald. Dies müsse die Naturschutzbehörde entscheiden, so Hirsch.
Zwei Stimmungen beschäftigten Rainer Breimaier, Grünen-Fraktionsvorsitzender, in der Sitzung. Das Amüsement, dass die DB-Planer durchs Land ziehen und in Steinheim fündig werden und die Verwunderung, dass der Ausgleich so weit entfernt ist. Der S 21-Gegner stimmte aber zu, da er mit der Strecke Wendlingen–Ulm weniger ein Problem habe. Dementsprechend verärgert war er gestern, als er hörte, dass es um den Tiefbahnhof geht. „Unter diesen Umständen hätte ich nicht zugestimmt, weil dann die Stadt direkt in den Bau des Tiefbahnhofs involviert wäre.“ Ihm stellt sich auch die Frage, ob dies wieder ein Teil der „verschleierten Informationspolitik“ der Bahn sei oder gar eine gezielte Fehlinformation.
Die Stadt jedenfalls war nicht informiert über die Änderung, was Christoph Beyer aber auch nicht verwundert, da alles ja noch im Planungsprozess sei. An der guten Sache für die Stadt ändere sich dadurch aber nichts.







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