KIRCHHEIM/ NECKARWESTHEIM | 15. August 2011

„Atomausstieg sieht anders aus“

An einer Abschalt-Demo haben sich am Samstagnachmittag 500 Kernkraftgegner beteiligt. Erstmals fand vor Block II des Kernkraftwerks Neckarwestheim eine Kundgebung statt. Der Japaner Tomoyuki Takada berichtete dabei aus Fukushima.

Bilder: Alfred Drossel

Erwartet wurden 1500 Demonstranten. 500 waren gekommen und zogen auf gesperrten Straßen vom Bahnhof Kirchheim diesmal ein paar Hundert Meter weiter zum zweiten Kraftwerksblock in Neckarwestheim. Polizeieinsatzleiter Peter Rapp vom Polizeirevier Bietigheim-Bissingen beurteilte die Lage alsruhig.
Herbert Würth, Sprecher des Aktionsbündnisses Castor-Widerstand-Neckarwestheim, unterstrich, dass man gegen den Beschluss des Bundestags protestiere, Neckarwestheim II noch bis 2022 weiter laufenzulassen. Die Gegner befürchten zudem, dass Block 1 als sogenannte Kaltreserve genutzt werden könnte.
Die Atomkraftgegner errichteten ein symbolisches Bauschild vor der Osteinfahrt zum Kraftwerksgelände, mit dem sie den Rückbau der beiden Atomreaktoren starten wollten.
Der Heilbronner Arzt Franz Wagner vom Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn, erklärte, „wer das Recht der Menschen auf Leben und Gesundheit ernst nimmt, muss alle AKWs sofort stilllegen, auch Philippsburg II und Neckarwestheim II“. Wagner fordert die Landesregierung auf, das Zwischenlager in Neckarwestheim zu schließen. Der Schutz der Bevölkerung müsse vor die Interessen der Energieerzeuger gestellt werden. Der Redner forderte eine Atomaufsicht, die ihren Namen auch verdiene.
Der Bericht des Japaners Tomoyuki Takada, der seit 20 Jahren in Düsseldorf lebt und erst jüngst von einer Reise aus Japan zurückgekehrt ist, hinterließ bei den Zuhörern einen tiefen Eindruck. Takada organisiert eine Hilfsaktion für die Opfer von Fukushima und möchte deutsche Atomkraftgegner dazu gewinnen, die noch schwache japanische Anti-Atom-Kraftbewegung zu unterstützen.
Die Menschen in der Zone um das Kraftwerk seien verzweifelt und ohne Hoffnung, berichtete Tomoyuki Takada. In vielen Gesprächen habe er viele Male „langes Schweigen und nur Tränen“ erlebt. „In Japan“, so Takada, „ist Deutschland ein großes Vorbild. Sie haben viel erreicht und ich bitte Sie, nicht locker zu lassen.“ Ein gemeinsamer Sprechgesang mit japanischen Worten „Nein, Nein, AKW“ oder „Ja, Ja zum Atomausstieg“ wurde symbolisch nach Japan geschickt.
Der wissenschaftliche Leiter von Eurosolar, Valentin Hollain, betonte, dass ausreichend erneuerbare Energien zur Verfügung stünden und die Technologie zu ihrer Nutzung und Speicherung vorhanden sei, um den totalen Atomausstieg sofort umzusetzen.
Die Energiewende der Bundeskanzlerin sei fadenscheinig und bedeute vor allem neue Kohlekraftwerke, sagte Hollain. Vorhandene Technologien zur Energiespeicherung würden dabei völlig vernachlässigt.

Alfred Drossel
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