31.08.2012

Bäcker heben Preise an

Obermeister Georg Strohmaier: Der Kostendruck wird für die Betriebe immer stärker

Georg Strohmaier, Obermeister der Bäckerinnung Region Stuttgart Nord, zu der auch der Kreis Ludwigsburg zählt, hält Agrarspekulationen für das größte Übel.

Ludwigsburg. Die Preise für Getreide steigen. Das Mehl wird teurer. Für die Bäcker wird der Kostendruck immer größer, zumal auch die Energiepreise und Lohnerhöhungen dem Handwerk zu schaffen machen. Georg Strohmaier, Obermeister der Bäckerinnung Region Stuttgart Nord, zu der auch die Innungen Ludwigsburg und Rems-Murr gehören, hält steigende Brotpreise für unausweichlich.

Herr Strohmaier, erhöhen Sie in Ihren Bäckereien die Preise?

Georg Strohmaier: Ja. Ab 1. September werden wir in unseren Bäckereien teilweise die Preise anheben. Zum 1. Oktober werden wir wahrscheinlich nochmals nachziehen. Die Preissteigerung zwischen fünf und zehn Prozent betrifft vor allem Brot und Hefezopf. Bei Brezeln und Brötchen halten wir die Preise stabil.

Warum erhöhen Sie ausgerechnet bei Brezeln und Brötchen nicht?

Der Preis für ein Tafelbrötchen liegt bei 30 Cent, bei der Brezel zwischen 60 und 65 Cent. Diese Hürde ist schwierig zu nehmen, weil diese Preise stark im öffentlichen Bewusstsein sind. Den Handwerksbäckern fällt wegen der Billigkonkurrenz eine Preiserhöhung sowieso schwer.

Wissen Sie, wie viele der 55 Bäckereien im Kreis Ludwigsburg an der Preisschraube drehen?

Nein. Das ist jeder Bäckerei selbst überlassen. Auch von der Innung gibt es keine Empfehlungen, das wäre ja eine Preisabsprache und bei den Bäckern geht es ja nicht so zu wie bei den Tankstellen. Aber, wenn ein Bäcker seine Preise nicht anpasst, wird er wirtschaftliche Probleme bekommen und irgendwann wird es seinen Betrieb nicht mehr geben.

Liegt es ausschließlich an den steigenden Getreidepreisen, dass das Brot teurer wird?

Der Kostendruck für die Bäckereien besteht nicht nur wegen der Mehlpreiserhöhung. Alle Rohstoffpreise steigen. Wir Bäcker bekommen auch die steigenden Strom- und Spritkosten zu spüren. Zu dem gab es eine Lohnerhöhung von 3,5 Prozent. Das alles bezahlt der Bäcker auch nicht aus der Hosentasche.

Für viele ist der Biosprit die Hauptursache dafür, dass hochwertiges Getreide, wie es die Bäcker brauchen, immer knapper wird. Ist das richtig?

Wir sind ganz eindeutig im Wettbewerb zwischen Tank und Teller. Jeder Weizenerzeuger will natürlich möglichst den besten Preis für sein Produkt und der entsteht an der Weizenbörse in Chicago. Wenn die Müller diese Preise nicht bezahlen, dann verkaufen die Erzeuger ihren Weizen eben an die Biosprithersteller, die zahlen jeden Preis. Mit der Biospritherstellung ist eindeutig auf dem Getreidemarkt eine neue Konkurrenz entstanden. Verschärft wird die Lage noch dadurch, dass für den Biosprit beim Weizen keine Ia-Qualität nötig ist, die aber für die Mehlgewinnung gebraucht wird.

Teilen Sie die wachsende Kritik an den Agrarspekulationen?

Ja. Die Spekulanten verdienen Millionen. Sie ordern große Mengen an Getreide und spekulieren auf steigende Preise, um es so teuer wie möglich verkaufen zu können. Wenn die Ernten schlecht ausfallen, werden die Preise immer höher. Auch die Welthungerhilfe muss den Weltmarktpreis zahlen. Das verschärft weltweit die Ernährungssituation. Die Agrarspekulationen sind das größte Übel. An zweiter Stelle würde ich dann die Biospritproduktion nennen, die in normalen Erntejahren kein großes Thema ist.

Meinen Sie, dass jetzt die Politik eingreifen müsste?

Die Politik kann das nicht einfach verbieten. Das zu fordern wäre wohl blauäugig. Aber wenn man es schon nicht verbieten kann, sollte es wenigstens in der Öffentlichkeit eine Ächtung der Lebensmittelspekulation geben. Auch könnten sich Verbraucher auch dafür entscheiden, nicht mehr mit Banken zusammenzuarbeiten, die mit Lebensmittelspekulationen Geld verdienen.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach die sich verschärfende Hungerkrise in den Griff bekommen?

Da gibt es sicherlich kein Patentrezept. Das Wichtigste wäre wohl, die Agrarspekulationen weltweit zu stoppen. Aber es müssen auch Fehler aus der Vergangenheit korrigiert werden. Überschüsse aus der subventionierten europäischen Agrarproduktion an Schwellenländer zu verkaufen, hat dort die Landwirtschaft kaputt gemacht. Langfristig müssten die Landwirtschaft dieser Länder gestärkt werden, dass sie unabhängiger vom Weltmarkt werden.

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