25.10.2012

Bei W&W droht wieder der Rotstift

Finanzkonzern will über 100 Millionen Euro einsparen – Kostensenkung wird auch Personalbereich nicht verschonen

Auf die Mitarbeiter des W&W-Konzerns, darunter auch an den Standorten Stuttgart...

Stuttgart/Ludwigsburg. Die Mitarbeiter von Wüstenrot & Württembergische sind nicht zu beneiden. Seit gut sechs Jahren waren sie immer wieder Kostensenkungen ausgesetzt. War es 2006 der notwendige Sanierungskurs, um den Finanzkonzern wieder profitabler und wettbewerbsfähiger zu machen, folgten 2009 und 2012 weitere Reformprogramme. Und nun unter dem Stichwort „W&W 2015“ gibt es wieder ein Sparprogramm, das massive Einschnitte erwarten lässt – vor allem auch beim Personal. Bei der Bausparkasse Wüstenrot sowie die Bausparbank hofft man indes darauf, dank einer bis 2014 gültigen Beschäftigungs- und Standortsicherung, vorerst von Stellenkürzung verschont zu bleiben.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi schlug bereits per Flugblatt Alarm (wir berichteten) und warnt vor einem massiven Stellenabbau und weiteren Auslagerungen. Doch sowohl Verdi als auch die Gewerkschaft DHV, die bei W&W ebenfalls vertreten ist, räumten im Gespräch mit unserer Zeitung die Notwendigkeit eines Sparkurses vor dem Hintergrund der Kostensituation ein.

Der W&W-Konzern macht zwar gute Geschäfte und konnte beim Halbjahresergebnis 2012 einen Überschuss von 131 Millionen Euro vorlegen (plus 40 Prozent) und will bis zum Jahresende das Ziel eines Gewinns von 250 Millionen Euro erreichen. Dennoch gilt es, Ausgaben zu senken. Denn die historisch niedrigen Zinsen – sie belasten beispielsweise das Bauspargeschäft, die Baufinanzierung oder die Lebensversicherungen – drücken ebenso auf die Ertragskraft des Konzerns wie etwa die durch die Bankenregulierung geforderte höhere Eigenkapitalausstattung. Probleme, die im übrigen die gesamte Branche treffen.

Letztlich kommt der W&W-Konzern unterm Strich auf über 100 Millionen Euro Aufwand, der nicht an den Kunden weitergereicht werden kann – also an anderer Stelle eingespart werden muss. Dabei ist auch heute noch die Bearbeitung von Verträgen im Bauspar- sowie Lebensversicherungsgeschäft teurer als beim Hauptkonkurrenten Schwäbisch Hall. Über die Kostensituation hat das Management die insgesamt 9600 Beschäftigten im Konzern im Oktober in Mitarbeiterschreiben bereits informiert. Um die Millioneneinsparungen zu erreichen, „sind zum einen Sachkostenkürzungen notwendig. Zum anderen müssen auch Personalkosten eingespart werden“, macht die W&W-Spitze in einer offiziellen Stellungnahme deutlich. Bis Ende des ersten Quartals 2013 soll dargelegt werden, in welchem Umfang das erfolgen soll. „Wir wollen bei W&W mit diesem Thema, wie auch in der Vergangenheit, sozialverträglich umgehen“, betonte Vorstandschef Alexander Erdland jüngst in einem Mitarbeiterschreiben. Betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden.

Für Verdi-Sektretär Jochen Höpken, der auch im W&W-Konzernaufsichtsrat sitzt, rechnet damit, das der Großteil des Einsparvolumens, möglicherweise bis zu 80 Prozent, über das Personal stattfinden werde. Denn der Anteil im Sachkostenbereich sei seiner Erfahrung nach meist gering.

Höpken befürchtet, dass W&W weitere Arbeiten in tariflose Gesellschaften mit niedrigeren Löhnen auslagert, wie dies bereits mit der W&W Produktion, der W&W Service geschah und aktuell auch mit dem Facility Management (Gebäudetechnik) geschieht, die zum Dienstleister Dussmann ausgelagert wird. Dieser Weg sei falsch, kritisiert Höpken, da er zu prekärer Beschäftigung führe. Zugleich stellte er die wirtschaftliche Notwendigkeit des Sparens auf der Kostenseite nicht infrage.

Die Entwicklung der Ausgliederungen monieren auch Christoph Seeger und Andreas Rothbauer von der Gewerkschaft DHV, beide sind bei Wüstenrot tätig und sitzen auch im W&W-Konzernaufsichtsrat. „Doch das hat nicht Wüstenrot erfunden“, sagte Seeger, der auch Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Wüstenrot ist, und verweist dabei auf die gängige Praxis in der Branche. Er und sein DHV-Kollege Rothbauer zeigen sich angesichts der drohenden Stellenkürzungen indes froh, dass sie für die rund 3500 Beschäftigten bei der Bausparkasse und der Bank 2011 eine Beschäftigungs- und Standortsicherung bis Ende 2014 abgeschlossen haben. Bei den bisherigen Reformprogrammen sei immer die Bausparkasse die Hauptleidtragende gewesen“, so Seeger. Nun gelte es, die Einschnitte in der W&W-Gruppe und ihren verschiedenen Standorten gerecht zu verteilen. Noch gebe es keine Beschlüsse über konkrete Kürzungsmaßnahmen, vieles sei noch auf dem Prüfstand, betont Seeger. Umso mehr sei er enttäuscht, dass Verdi so früh – und ohne Abstimmung mit der DHV – mit einem Flugblatt vorgeprescht sei. Seeger: „Jetzt ist die Unruhe da.“

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