schloss
Ludwigsburg | 20. März 2017

Bis Mitternacht mit der Laterne unterwegs

Von Mode über Keramik und Hundertwasser bis zur Barockgalerie: Lange Nacht der Museen zieht beim „Frühlingserwachen“ viele Besucher an

Staunen über das Kronleuchterfunkeln im Schloss. Fotos: Holm Wolschendorf
Staunen über das Kronleuchterfunkeln im Schloss. Fotos: Holm Wolschendorf
Kenji Fuchiwaki lehrt an der Töpferscheibe.
Kenji Fuchiwaki lehrt an der Töpferscheibe.

Nach Einbruch der Dunkelheit herrscht im stimmungsvoll illuminierten Schloss eine ganz besondere Stimmung. Bis Mitternacht hatten die Museen im Schloss am Samstag geöffnet und es wurden Sonderführungen angeboten. Der nächtliche Besuch im Schloss bot angesichts knarrender Holzdielen und nur spärlich beleuchtete Räume und Treppenhäuser Nahrung für die Fantasie.

Angelika Baum aus Backnang und ihre Tochter Vanessa gehörten zu den zahlreichen Besuchern der langen Nacht im Schloss. „Alles“, lautete ihre Antwort auf die Frage, was sie sich anschauen wolle. Genug zu sehen gab es allemal. Normalerweise schließen sich die Türen des Residenzschlosses um 17 Uhr, am Samstag ging es um diese Zeit erst richtig los. An der Schlosskasse bildeten sich Schlangen: Dort konnten die günstigen Kombitickets für alle Museen des Schlosses – inklusive des Besuchs der Hundertwasser-Ausstellung – und die Teilnahme an den Sonderführungen mit den kostümierten Botschaftern des Schlosses gebucht werden.

Anne Raquet entführte als Kammerzofe Christine in Diensten von Königin Charlotte Mathilde in das Jahr 1812. Bei der Führung mit dem Titel „Kronleuchter und Augenfunkeln“ geleitete Edmund Banhart durch das Schloss. Im Schein der Laternen, die alle Teilnehmer erhielten, erwachte die Vergangenheit zum Leben. Die Besucher erhielten einen Eindruck davon, wie es abends im Schloss zugegangen sein muss. Baron von Bühler alias Herbert Rommel empfing die Gäste im Schloss, während die geschwätzigen Putzfrauen Renate und Babette verrieten, wieviel Arbeit dahinter steckt, die 452 Zimmer staubfrei zu halten. Als Freifrau machte Linda Brier mit dem Leben am Hofe und dem Heiratsalter vertraut. Mit zwölf verlobt, mit 15 verheiratet, das war bei Adeligen früher keine Seltenheit.

„Wenn es dunkel ist, herrscht eine ganz besondere Atmosphäre im Schloss“, sagte mit Stephan Hurst jemand, der es wissen muss. Der Leiter der Schlossverwaltung markiert seit zwei Jahren den Start in die Frühlingssaison mit einer langen Schlossnacht. „Das abendliche Schloss mit seinen Museen ist an sich schon ein tolles Erlebnis. Wir bieten außerdem die Möglichkeit, auf unkomplizierte Weise unser Angebot an Führungen kennenzulernen“, sagte er. Sein Favorit war der Besuch der Ausstellung „Schönheit ist ein Allheilmittel“ mit Werken von Friedensreich Hundertwasser. „Wenn das Licht von außen wegfällt und es dunkel wird, wirken die Farben noch intensiver“, so Hurst. Auch in dem im Rokokostil gestalteten Appartment von Herzog Carl Eugen und in der Barockgalerie mit seinen Kunstwerken brannte ausnahmsweise auch noch spätabends das Licht.

Für Hurst ist das Ludwigsburger Schloss ohnehin einmalig, was Größe, Zustand und das Zusammenspiel mit dem Schloss Favorite und dem Wasserschloss Monrepos anbelangt. Eine Besonderheit ist für ihn aber auch, dass sich in einem Teil des Keramikmuseums ein Atelier befindet. Während Katsu Sann Führungen durch das Keramikmuseum anbot, ließ sich der Keramikkünstler Kenji Fuchiwaki bei seiner Arbeit an der Töpferscheibe über die Schulter schauen. Andrea Attinger aus Leutenbach und Gabi Herleth aus Ludwigsburg lassen sich von ihm seit zwei Jahren in die Kunst des Töpferns einweisen. Kenji Fuchiwaki ist ein echter Fan des Keramikmuseums: „Man könnte zu jedem einzelnen Exponat eine eigene Ausstellung machen“, wies er auf die Besonderheit der Exponate hin. Für ihn erzählen auch die Scherben, die in einer Vitrine ausgestellt sind, eine Geschichte.

Anita Klaus-Mathony kann sich dagegen eher für das begeistern, was die Menschen am Körper trugen. Im Modemuseum machte sie die interessierten Besucher mit den Kleidersitten vertraut. Ihr Lieblingsstück ist übrigens die rot-goldene Robe à la Francaise, die in der Vitrine im Eingangsbereich zu sehen ist. Mit den ausladenden Formen war dieses prächtige Kleid wohl nur für einen Stehempfang gedacht, bei dem sich die Trägerin kaum bewegen musste, an Sitzen war gar nicht zu denken.

Auch die Schlosswache, das Restaurant neben dem Eingang, hatte sich mit seinem gastronomischen Angebot auf die lange Nacht eingestellt. Der Veneziana Spritz und die Crostini hätten bestimmt auch der höfischen Gesellschaft vorzüglich gemundet.

von marion blum
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