Behördendeutsch statt Festivalflair
Behördendeutsch statt Festivalflair

GroSSbottwar. Usain Bolt liebt Blau. Seitdem er vor drei Jahren auf der blauen Bahn in Berlin zwei Weltrekorde aufstellte (100-Meter-Lauf und 200-Meter-Lauf), wollte er auch in seiner Heimat Jamaika auf solch einer Kunststoffbahn made in Germany trainieren.
Der Sportbodenhersteller BSW aus Bad Berleburg lieferte die Regupol-Tartanbahn, die Ingenieurgemeinschaft Plankonzept mit Sitz in Großbottwar plante die Trainingsstätte an der Universität in Kingston, wo ein Rasenspielfeld umgebaut wurde. Seit April 2010 trainieren dort der schnellste Mann der Welt und weitere jamaikanische Läufer auf dem blauen Untergrund, der ihnen in Berlin so viel Glück gebracht hatte. Die guten Trainingsbedingungen haben Früchte getragen: So ist Usain Bolt mit drei Goldmedaillen im Gepäck von den Olympischen Spielen in London in seine Heimat zurückgekehrt.
„Wir planen alles, was unter freiem Himmel stattfindet – vom Kleinspielfeld bis zur Schulsportanlage“, so Jürgen Haas, einer der beiden Inhaber vom Ingenieurbüro Plankonzept. Zu den Kunden gehören Kommunen ebenso wie Vereine darunter der VfB Stuttgart. Für den Fußball-Erstligisten hat das Ingenieur-Duo vier Trainingsfelder geplant. Mit dem Sportbelaghersteller aus Bad Berleburg sind zudem Projekte in Trinidad, dem Oman und China durchgeführt worden.
Nach der für die Jamaikaner so erfolgreichen WM im Jahr 2009 in Berlin sei Bolts Trainer Glenn Mills auf die Firma BSW zugekommen, so der Landschaftsarchitekt Haas. Bolt wirbt seitdem für den Sportbodenhersteller, der im Gegenzug die neue Sportanlage in Jamaika baute.
Vieles ist genormt: Eine Laufbahn muss 400 Meter lang sein. „Sie darf keinen Millimeter kürzer, darf aber vier Zentimeter länger sein“, so Haas. Es gibt aber auch viele individuelle Faktoren, die Auftraggeber berücksichtigt wissen wollen.
Weil Usain Bolt Probleme mit den Starts hat, ließen die Planer aus Großbottwar in Kingston eine kleine Fläche neben der Laufbahn mit einem hoch belastbaren Untergrund anlegen. Jürgen Haas zeigt auf dem Plan, wo das ist. Dort kann der Spitzenathlet trainieren, ohne die normale Laufbahn über Gebühr zu strapazieren. Gerade die Starts, so Haas, belasten die Kunststoffbahn extrem. Plankonzept hat das gesamte 6500 Quadratmeter große Trainingsgelände auf der Karibikinsel geplant, zu dem weitere leichtathletische Einrichtungen gehören.
Doch zurück zur Farbe, die es Usain Bolt so angetan hat. Jürgen Haas beruft sich auf den Farbpsychologen Professor Harald Braem, der den Effekt mit den blauen Straßenschildern an Autobahnen vergleicht.
„Auf blauen Bahnen können Athleten viel befreiter laufen. Rot bremst sie dagegen aus“, so Haas. Von „legalem Farbdoping“ ist die Rede. Doch das spielte beim Bau der Berliner Bahn noch keine Rolle: Der Fußballclub Hertha BSC wollte nur, dass sie in seiner Vereinsfarbe ausgeführt wird.




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